
Wulff bei seiner Antrittsrede | Maximilian Mühlens, jugendfotos.de, CC (by-nc-nd)
Es ist doch nicht überraschend, dass Bundespräsident Christian Wulff eben grade nach seinem Interview bei ARD und ZDF keine Ruhe findet. Er wollte die elf Millionen Zuschauer von seiner Version überzeugen, bat um Verständnis und drückte dick auf die Mitleidstube (was nicht vom absolut katastrophalen Interviewverhalten von Bettina Schausten ablenkte). Er sagte im Interview, er habe die Berichterstattung nicht verhindern, sondern nur hinauszögern wollen, bis er wieder zurück von Kuwait in Deutschland sei. Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der “BILD” hat sich nun im Deutschlandfunk geäußert. Dort widerspricht er dem Staatsoberhaupt:
Sie werden nicht überrascht sein, dass wir uns auch die Passagen zu dem Anruf des Bundespräsidenten auf der Mailbox des Chefredakteurs der ‘Bild’-Zeitung, Kai Diekmann, ziemlich genau angeschaut haben, und den Satz von Herrn Bundespräsident Wulff, ich wollte die Berichterstattung nicht verhindern, das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen. Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden. Und wenn Sie das jetzt als Drohung bezeichnen, das ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Aber klar war das Ziel dieses Anrufes, die Absicht und das Motiv, diesen ersten Breaking-Bericht über die Finanzierung seines privaten Hauses zu unterbinden.
Ich muss ganz ehrlich sagen, ich halte nichts von “BILD” und Co. Das sind für mich skandalgeile, voyeuristische Blätter, die nichts anderes im Sinn haben, als subjektiv Meinungen zu vertreten. Aber dennoch gibt es für mich keine Zweifel an den Aussagen Blomes. Wenn Wulff die Veröffentlichung wirklich nur hinauszögern wollte, warum mussten dann Bruchstücke wie “Krieg führen” und “endgültiger Bruch” fallen und warum wurde dem verantwortlichem Redakteur mit juristischen Konsequenzen gedroht? Das alles sind Fragen, die das Interview mit ARD und ZDF nicht klären konnte und wohl nur ein Interview mit der versammelten Tagespresse klären kann. Gut fand ich dennoch, dass sich Wulff wenigstens eingestanden hat, dass sein Verhalten eines Bundespräsidenten “unwürdig” war. Ruhe wird er nun allerdings keine finden, dafür hat er sich mit der falschen Zeitung angelegt. “BILD” dir deinen Wulff!






