Causa Wulff – Zuerst verschweigt er den Privatkredit beim befreundeten Unternehmerpaar, dann streitet er alles ab und nun schaufelt er sich mit einem Mailbox-Anruf bei “BILD”-Chefredakteur Kai Diekmann sein eigenes Grab. Christian Wulffs Tage dürften gezählt sein, wenn man sich die journalistische Naivität einmal genauer anschaut.
Jetzt hört der Spaß auf!
“Es ist gleichzeitig dreist und es ist gleichzeitig naiv!”, so drückte es Ex-SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust im WDR5-Interview aus. Aust ist ebenso der Meinung, dass Wulffs Verhalten doch nur mehr als naiv ist. Was denkt er denn, was er mit einer aufgezeichneten (!) Mailbox-Nachricht erreicht? Grade bei der “BILD”-Zeitung, die doch genau für solche pressefreiheitlichen Skandale immer gerne zu haben ist. Dachte er wirklich, die “BILD” würde ihre Recherche zum Hauskredit zurückziehen, nur weil ihnen per Anruf gedroht wird? Ich bin kein großer Fan von der Boulevardpresse, das dürfte inzwischen jeder gemerkt haben, aber ein solches Verhalten ist eines Staatsoberhauptes nicht würdig. Auch gegen Christian Wulff hatte ich lange Zeit nichts einzuwenden. Jetzt geht es aber schon fast gegen die Pressefreiheit und dabei hört der Spaß auf.
Politisches K.o.
Wenn man unter Druck steht, macht man manchmal Dinge, die einem im Normalfall nicht in den Sinn kämen. Das kennt jeder. Aber man muss doch mal ein klein wenig nachdenken, bevor man bei einem Chefredakteur anruft um das Ende der Recherchen zu erbetteln und zu erdrohen. Das ist doch genau die Bestätigung, die die Zeitung braucht, um die ganze Causa noch viel glaubwürdiger zu machen. Er kann von Glück sprechen, dass die “BILD” den Vorfall bisher klein gehalten hat. Dass Informationen aber durchkommen, damit musste er rechnen und das ist jetzt sein politisches K.o.
Journalistisch naiv
Und auch bei den Verlegern anzurufen, ist nicht unbedingt clever. Aust beschreibt es mit Naivität dem journalistischen Gewerbe gegenüber, denn “selbst wenn ein Verleger wollte, er könnte es gar nicht stoppen”. Was einmal publik ist, das kann nicht mehr zurückgeholt werden. Und das war auch vor dem Internet schon so. Wulff ist, wie Aust es sagt, dreist und naiv vorgegangen und hat sich sein politisches Grab selbst geschaufelt, als er die Nummer von Kai Diekmann wählte, beziehungsweise die des Chefredakteurs der “Welt am Sonntag” im Sommer. Er greift die Pressefreiheit an, die im Grundgesetz (Art. 5) festgelegt ist und wird um einen Rücktritt kaum herumkommen. Und das tragsiche daran ist, dass er nicht wegen eines politischen Fehlers zurücktreten sollte und auch nicht wegen der Kreditaffäre, sondern nur, weil er versucht hat, alles zu verschleiern. Das ist es nämlich, was die Skandale erst aufbaut (siehe Guttenberg).
Bild: xtranews / flickr / CC








Erschreckend, daß die Politgangster nicht einmal ihr eigenes Geschäft mehr beherrschen.