Der eigene URL-Shortener: Sinn oder Unsinn?

Bild: Chris Dlugosz / CC-BY 2.0
Bild: Chris Dlugosz / CC-BY 2.0

Die so genannten URL-Shortener sind nützliche Dienste, mit denen man sich eine lange und meist umständliche URL verkürzen lässt. Doch wie nützlich sind sie wirklich? Ich habe es mit der kurzen Domain tobgil.de getestet.

Links bestimmen unser digitales Leben. Wer keinen Link hat, hat meist nichts zu teilen. Denn hinter all den schönen Sachen in diesem Internet steht immer auch ein Link, so wie hinter diesem Artikel auch. Weil diese aber immer komplizierter, länger und kryptischer werden, boomen seit einiger Zeit so genannte Link- oder URL-Shortener. So wird aus einem ellenlangen Buchstaben-, Zahlen- und Zeichensalat ein kurzer, handlicher Link.

Besonders beliebt sind hier bit.ly oder goo.gl. Finde ich gut, wollte ich auch haben. Allerdings nicht von bit.ly und Co.: Wenn ich so etwas mache, dann möchte ich es auf meinem Server und unter meiner Kontrolle haben. Und so habe ich mich auf die Suche nach einem Tool gemacht, um mir etwas Ähnliches einzurichten. Zunächst einmal musste eine kurze URL her. Idealerweise eine, die was mit mir zu tun hat und den Link auch tatsächlich einfacher macht.

Ich entschied mich für tobgil.de, also die ersten drei Buchstaben von Vor- und Nachname. Anschließend musste das Paket von yourls.org auf den Server geladen und installiert werden. Das war zwar komplizierter als gedacht, irgendwann aber war es dann doch geschafft. Seither kann ich Links über ein mehr oder weniger schickes Backend kürzen.

Eine erste Kritik

Einer der Hauptgründe dafür – neben der puren Neugier, es einfach mal einzurichten – war, dass ich gerne ein bisschen den Überblick über die Links behalten wollte, die ich tagtäglich so durch die Netzwerke jage. Die Grundfrage: Welcher Tweet oder Post kommt wie gut an. Und: Warum eigentlich? Über das Backend von yourls.com kann man dem mit kleinen Statistiken und Grafiken zumindest annähernd ein wenig nachgehen.

Doch schon nach dem ersten Test erreichte mich ein Tweet einer Nutzerin, die eben dieses Tracking nicht sonderlich erstrebenswert hielt und sich vor dem Klick auf einen privat gekürzten Link zwei Mal überlege, ob sie die Seite öffne. Zudem wisse sie ja nicht, was sie sich einfange, wenn sie auf den Link klicke.

Guter Punkt, zugegeben. Und genau darum möchte ich diese Fragen an dieser Stelle diskutieren. Klar, in Zeiten von automatischer Link-Kürzung durch Twitter ist ein URL-Shortener nicht mehr zwingend nötig. Im Gegensatz zu bit.ly oder ähnlichen Kandidaten aber bleiben die (anonymen) Statistiken nur bei mir und laufen über deutsche Server. Bei bit.ly ist das anders, schon allein dadurch, dass .ly die lybische Domainendung ist.

Zudem finde ich einen privater Link-Shortener fast noch vertrauenswürdiger als einen externen. Als Beispiel lässt sich hier etwa Richard Gutjahr anbringen, der seine Links über gutja.de kürzt. Bei diesem Link-Syntax regt sich bei mir alles andere als Misstrauen. Aber na klar: Ein URL-Kürzer verschleiert die wahre Internetadresse. Allerdings weiß man auch bei einer unveränderten Adresse nicht immer, was man sich auf der Seite einfängt. Das beweist unter anderem die jüngste Sicherheitslücke bei Yahoo.

Ich sehe ein: Ein Link-Shortener hat seine Vor-, aber auch seine Nachteile. Mich persönlich hat es gereizt, ein bisschen damit herumzuspielen und ihn erst einmal nur einzurichten. Ob und wie ich ihn aber weiter verwenden werde, hängt nun von der Resonanz der Nutzer ab – die bis auf den einen Tweet weitgehend neutral ist. Außerdem hat sich das Klick-Verhalten durch meine eigene URL bislang nicht negativ verändert, eher gegenteilig. Ein Fazit meiner digitalen Neuerrungenschaft kann ich bislang aber noch nicht ziehen, dafür reichen wenige Test-Tage einfach nicht aus. Mehr dazu dann später hier im Blog.

Dieser Text ist zuerst erschienen auf netzpiloten.de.


Wie sehr ihr das? Macht ein eigener URL-Shortener Sinn? Löst er bei euch Misstrauen aus oder vertraut ihr eigens gekürzten Links eher?

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

4 Gedanken zu „Der eigene URL-Shortener: Sinn oder Unsinn?“

  1. Ich finde einen persönlichen Linkverkürzer vertrauenswürdiger als Dienste wie bit.ly und Co, daher nutze ich ebenfalls Yourls (in meinem Fall auf seblink.de). Ich schätze bei Yourls die Schnittstelle, mit der man den Linkverkürzer auch bei Tweetbot und anderen Diensten einbinden kann. Was mir noch fehlt ist eine Möglichkeit, für Twitter einen eigenen Foto-Dienst zu nutzen.

  2. Ich habe mich vor gut einem Monat aus ähnlichen Gründen für einen eigenen URL-Shortener entschieden. Meiner Meinung nach sind personalisierte Links aber um einiges vertrauenswürdiger als die von bit.ly und Co. Immerhin steht der Teilende mit seinem Namen für die Inhalte hinter den Links ein. Ansonsten gefällt mir Yourls ganz gut. Die Statistiken sind zwar nicht unbedingt der Hit, aber das Gesamtpaket stimmt.

  3. Richard Gutjahr kürzt seine Links auch via bit.ly. Einfach mal gutja.de ins Adressfeld eingeben und schon landet man bei bit.ly. Man kann bei bit.ly kostenlos eine eigene Domain hinterlegen. Habe ich mit lvn.io letzte Woche auch so gemacht.

    Tracking macht bit.ly ebenso wie das auf dem Server installierte yourls. Tipp: wenn man nicht weiss, wohin der bit.ly Link führt, einfach ein + hinter die URL anhängen und schon weiss man mehr über den Link.

    1. Hallo Claudio,

      Ich finde es angenehmer, die Sachen auf meinem Server zu haben. Daher habe ich mich für yourls und gegen die Custom-Variante bei Bit.ly entschieden.

      Liebe Grüße, Tobias

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