E-Book-Cover: So ist mein Buchtitel entstanden

Wie macht man ein E-Book-Cover, so geht's
Das Cover von „Verschlüsselt!“ – für mich ein Horrortrip
Wie ist eigentlich das Cover und der Titel meines E-Books „Verschlüsselt!“ entstanden? Das ist eine Frage, die die Bücherplattform XinXii aktuell per Blogparade diskutieren lässt und die mir öfter mal gestellt wurde in junger Vergangenheit. Hier die für mich wenig schmeichelhafte Beantwortung – ein Laie über Grafikzeugs.

Schon lange steht es auf meiner To-Do-Liste: Photoshop (oder wenigstens Gimp) erlernen. Denn bislang ist mein Freund im Grafikbereich nur Vorschau, das Paint beim Mac. Und damit ist dann letztlich auch das Cover für „Verschlüsselt!“ (Amazon, iBookstore, Website) entstanden. Für Grafikspezialisten ist das wohl kaum zu ertragen, aber alles was in puncto Bildbearbeitung über Instagram-Filter hinausgeht, ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Wer also schwache Nerven in diesem Bereich hat, sollte ab jetzt nicht weiter lesen.

„Vor jedem E-Book steht das Cover“, habe ich jüngst in einem Gastbeitrag für t3n.de geschrieben. Ziemlich große Worte für jemanden, der ein paar Textelemente auf ein unter CC-Lizenz stehendes Bild geklatscht hat. In dem Fall gab es aber noch keine negativen Rückmeldungen – und den Verkäufen hat es wohl auch nicht geschadet.

Do it yourself: E-Book-Cover

Dennoch sollte man ein paar Punkte beim Cover beachten. Denn wenn das Cover in der Masse von Konkurrenz nicht hervorsticht, wird man kaum ein Exemplar verkaufen. Mancher Experte rät unter anderem aus diesem Grund, viel Geld in die Gestaltung des Titels zu investieren. Das mag sinnvoll sein, war für mich aber nie eine Option, da ich ursprünglich ohnehin nicht mit sonderlich hohem Gewinn gerechnet hatte.

Also musste es auf die altbewährte Do-it-yourself-Methode funktionieren, wobei „Methode“ in diesem Fall auch gut mit „Brechstange“ ersetzt werden könnte. (Falls sich jemand fragt: Nein, einen Bekannten zu bitten kam nicht in Frage, ich wollte bei meinem ersten E-Book alles alleine machen.)

Da es im Netz inzwischen für fast alles einen Generator gibt, hatte ich eine kleine Hoffnung, dass es soetwas auch für E-Book-Cover gibt. Gesucht, gefunden, Idee verworfen – denn auf den üblichen Standardlook, den die meisten dieser Generatoren (zumindest in ihrer kostenlosen Version) anbieten, hatte ich keine Lust.

Flickr: Quelle von unzähligen CC-Bildern

Also musste irgendwo ein thematisch passendes Hintergrund her. Relativ schnell hatte ich dann auch die Idee verworfen, meine Spiegelreflexkamera aus dem Schrank zu holen und irgendein Bild mit Computer, Vorhängeschloss und neongrüner Zahlenkolonne zu basteln. Irgendwann kam dann die Idee, nach genau diesem Bild mal bei Flickr zu suchen. Flickr deswegen, weil man dort wunderbar einstellen kann, nach welchen Lizenzen man suchen möchte – in dem Fall eine auch kommerziell nutzbare CC-Lizenz.

Nach gefühlt vier Millionen (in echt war es knapp drunter) angesehenen Bildern fand ich dann ein schönes Tagebuch-Bild, das zum Tagebuch-artigen Stil des E-Books und dem damaligen Arbeitstitel („Tagebuch eines Ahnungslosen“) passte. Nach Rücksprache mit einigen beratenden Freunden wurde ich dann aber doch überzeugt, dass das Cover das Thema und nicht die Erzählform widerspiegeln sollte. Nächster Suchbegriff: „Privacy“

Nach nun grob überschlagen knapp acht Millionen angesehenen Bildern fand ich irgendwann mein jetziges Cover. Ich war sofort überzeugt, auch wenn ich noch immer nicht genau weiß, was der Fotograf nun hier vor der Linse hatte. Der Schalter erinnert ein wenig an ein Hotelzimmer oder eine Toilette, wo man mit „Privacy“ angibt, dass man nun nicht gestört werden möchte – die moderne Kravatte an der Türklinke, quasi.

„Wird schon passen“

Vorschau kann sich auch zur Erstellung eines E-Book-Covers eignenAuch wenn nicht alle meiner „Berater“ überzeugt waren, konnte ich nun nicht mehr abgebracht werden. Schließlich ergab das Bild zusammen mit dem Thema (auf mehr Privatsphäre „schalten“) einen Sinn. Nun musste es nur noch entsprechend bearbeitet werden, um ein wirkliches Cover zu werden.

Was musste drauf? Der Titel, der bis dato noch nicht feststand, mein Name und der Untertitel. Zusätzlich habe ich die How-To-Anleitungen am Ende des E-Books noch als kleinen Hinweis unten rechts in die Ecke platziert. Fehlte nur noch der richtige Name: „Verschlüsselt!“ kam von einem Freund und nach ein wenig Hin und Her war ich dann auch überzeugt. Das Ausrufezeichen machte es irgendwie besonders, aber leider nicht ganz selbsterklärend. Zudem wollte ich den persönlichen Erzählstil mit drin haben. Also einigten wir uns nach zwei Nächten dann auf den Gesamttitel „Verschlüsselt! Wie ich sichere Kommunikation im Netz lernte“. Ein schnittiges Schlagwort im Titel, das konkrete Thema und die Ich-Erzählform im Untertitel – Auftrag ausgeführt!

Wo andere nun die großen Geschütze auffahren würden, öffnete ich das Bild in Vorschau und fing an, mit den verschiedenen Schriftarten und -farben zu experimentieren. Chalkduster ist irgendwas zwischen dem furchtbaren Comic Sans und einer coolen, legeren Handschrift. Irgendwie hat es mir auf Anhieb gefallen, rationale Gründe gibt es dafür eigentlich nicht – bis auf, dass mich die üblichen Verdächtigen unter den Schriftarten einfach kalt gelassen haben.

Farblich gab es nicht sonderlich viel zu experimentieren: Weiß konnte man auf dem Hintergrund einfach am besten lesen, das rote Ausrufezeichen sollte dann noch ein kleiner Blickfang sein. Auch hier würde sich jeder Grafikdesigner verzweifelt im Kreis drehen, wenn er wüsste, wie ich einfach so nach Augenmaß („wird schon passen“) die Textbausteine hin und her geschubst habe. Irgendwann ergab das Ganze dann aber ein, so finde ich, stimmiges Bild.

Kleiner Wutanfall bei der Konvertierung…

Stolz wie Oskar war das Thema damit für mich durch – zumindest solange, bis mir auffiel, dass ein Cover auch ein bestimmtes Format haben muss. Das Problem: Zugeschnitten auf das Format konnte man von meinem Namen und dem Titel nicht mehr viel lesen, also begannen Skalierung, Rumschubserei und „wird schon passen“ wieder von vorne. Rückblickend hat mich das Cover in etwa so viele Nerven gekostet wie die Konvertierung, bei der ich einen winzigen (wirklich!) Wutanfall bekommen habe, aber dazu dann mehr an anderer Stelle.

So, genug der vielen Worte: Mit dem Tipp, dass die Quellenangabe für das CC-Bild selbstverständlich auch im Buch zu finden sein sollte, möchte ich all jene hartgesottenen Leser nun von meiner kleinen Horror-Geschichte entlassen, die bis hier durchgehalten haben.

Mein Fazit: E-Book-Cover sind sehr wichtig, müssen nicht zwingend Geld kosten und können mit ein wenig Photoshop-Kenntnis und Flickr-Glück auch gut selbst gemacht werden.

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Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

2 Gedanken zu „E-Book-Cover: So ist mein Buchtitel entstanden“

  1. Hallo Tobias,

    wir freuen uns über deinen ausführlichen Beitrag zur XinXii-Blogparade und sagen „Danke“ für die Teilnahme.

    Viele Grüße

    Katja

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