Gehört Stefan Raabs „Doosh“-Duschkopf in den „SPIEGEL“?

Ich mag Stefan Raab. Seine Ideen, Experimentierfreude und Showprojekte sind wichtig für das deutsche Fernsehen, das ohnehin zunehmend langweiliger wird. Ich mag es, „TV total“ live im Studio anzusehen und gehöre zu den wenigen Menschen, die nach gefühlt achtzehn Stunden „Schlag den Raab“ immer noch vor dem Bildschirm hängen. Zudem mag ich den „SPIEGEL“. Auch wenn er nicht mehr so dominant ist, wie vor einigen Jahren, so ist er für mich doch noch das bedeutendste Magazin im deutschen Journalismus und demnach eine Pflichtlektüre (- wenn auch nicht mehr im Abo). Und doch frage ich mich bei der dieswöchigen Ausgabe des Nachrichtenmagazins, ob mir diese zwei Dinge – Stefan Raab und der „SPIEGEL“ – im folgenden Kontext zusammen gefallen. Es geht um Raabs neueste Erfindung: Einen Duschkopf.

In der „SPIEGEL“-Vorabmeldung „TV-Entertainer Stefan Raab bringt selbst entwickelten Duschkopf in den Handel“, auf die ich durch einen Tweet vom Kollegen Udo Stiehl aufmerksam wurde, heißt es:

Anfang der Woche soll der von ihm [Stefan Raab] entwickelte Brausekopf „Doosh“ auf den Markt kommen. Raab hat über vier Jahre lang an dem Bumerang-ähnlichen Gebilde herumgetüftelt, bevor es nun am Montag für 29,90 Euro in die Filialen der Lifestyle-Kette Butlers kommt.
[…]
Die Initialzündung für seine Beschäftigung mit den Problemen in deutschen Badezimmern sei ein Grillabend mit Freunden gewesen, sagte Raab dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Etliche Frauen hätten sich dort damals eine Brause gewünscht, die Kopf und Haare auch mal trocken lasse.
„DER SPIEGEL“ (Vorabmeldung)

Vorabmeldungen des „SPIEGEL“ sind in der Regel Meldungen, die von Relevanz geprägt sind. Eine Vorabmeldung ist quasi eine Pressemitteilung des „SPIEGEL“, in der bekanntgegeben wird, dass man etwas recherchiert hat, auf das andere Medien schon vorab verweisen können. Darin werden gerade so viel Infos gegeben, dass Medien damit etwas anfangen und Aufmerksamkeit für das neue Heft schaffen können. Eine Auswahl aus den dieswöchigen Vorabs:

– Gesetzliche Krankenkassen kritisieren Pläne zur Einführung einer Bürgerversicherung
– Bundesanwaltschaft rechnet mit hohen Kosten für den NSU-Prozess
– NRW-SPD will mit einer Bundesratsinitiative explodierende Mieten verhindern
– Grüne drohen mit Aus fürs Endlagersuchgesetz
– BND gibt Journalisten als Informanten preis
– TV-Entertainer Stefan Raab bringt selbst entwickelten Duschkopf in den Handel
– Neue Details über die in Syrien getötete US-Dschihadistin
– Zamperoni ist Favorit für Buhrow-Nachfolge

Wenn ich mir die Vorabmeldung zu Stefan Raabs neuem Duschkopf anschaue, denke ich, dass die Frage nach der journalistischen Relevanz erlaubt ist.

Passiert denn sonst nichts, außer dass ein TV-Entertainer ein Produkt entwickelt, auf das er beim Grillen mit Freunden gekommen ist? Ist das für die Leser wichtig zu wissen? Und wenn, sind dann die Angaben von Name, Filiale und Preis für den Artikel relevant?

Für Stefan Raab ist der Artikel eine tolle Marketingsache. Kostet nichts, erreicht aber viele Leser – und Leserinnen, für die das Produkt laut Vorabmeldung speziell gemacht wurde. Um genau zu sein, lesen etwa 2,08 Millionen Frauen den „SPIEGEL“ – hinzu kommen über 4 Millionen Männer. Diese Masse mit einer Platzierung bei „TV total“ erreichen? Mit einer Gesamtzuschauerzahl von 500.000 bis 700.000 pro Show unmöglich.

SPIEGEL QC, der Vermarkter des „SPIEGEL“, versucht das Nachrichtenmagazin mit folgenden Worten für Werbekunden attraktiv zu machen:

Zu Recht steht der SPIEGEL in Deutschland als Synonym für „investigativen Journalismus“. Wie er Sachverhalte recherchiert und seine Leser informiert – das unterscheidet ihn von allen anderen Medien im Lande.
SPIEGEL QC

Ich würde den „SPIEGEL“ nicht regelmäßig lesen, wenn ich das nicht grundsätzlich unterschreiben würde. Aber in diesem Fall unterscheidet man sich wenig von „BILD“ und Co. Spontan fällt mir hier eine Geschichte zu Arjen Robbens zu engen Trikots ein, die BILD.de vor einiger Zeit mal mit folgendem Absatz publiziert hat, auf den auch der „BILDBlog“ hinwies:

Robbens kurzärmeliges Trikot, Modell „TechFit Limited Edition“, ist derzeit in Weiß für 149,95 Euro im Bayern-Fan-Shop erhältlich.
BILD.de, „Warum trägt Robben eigentlich so enge Trikots?“

Der Deutsche Presserat hat unter Ziffer 7 des Pressekodex genau geregelt, wie Werbung und Redaktion zu trennen sind. Unter anderem steht dort:

Redaktionelle Veröffentlichungen, die auf Unternehmen, ihre Erzeugnisse, Leistungen oder Veranstaltungen hinweisen, dürfen nicht die Grenze zur Schleichwerbung überschreiten. Eine Überschreitung liegt insbesondere nahe, wenn die Veröffentlichung über ein begründetes öffentliches Interesse oder das Informationsinteresse der Leser hinausgeht. […] Die Glaubwürdigkeit der Presse als Informationsquelle gebietet besondere Sorgfalt beim Umgang mit PR-Material.
Pressekodex, Deutscher Presserat, Ziffer 7

Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um nicht korrekt getrennte Werbung. Aber man darf zumindest die Frage in den Raum stellen, ob „ein begründetes öffentliches Interesse“ an Preis, Filiale und Co. besteht. Und inwiefern die „Sorgfalt beim Umgang mit PR-Material“ gegeben ist.

Im Artikel selbst wird die „Initialzündung“, von der in der Vorabmeldung die Rede ist, noch mal aufbereitet. Es folgen bereits kritisierte Aussagen und zusätzlich die Info auf den Verkaufsstart:

Kurz darauf stand er [Stefan Raab] im Baumarkt seines Vertrauens und begann – wieder daheim -, mit Powerkleber, Heißföhn und Stichsäge eine Revolution zu erbasteln. Mindestens.
[…]
Nach gut vier Jahren wird das Resultat des raabschen Düsen-Triebs von Anfang dieser Woche an in den Läden der Firlefanz-Filialkette Butlers zu kaufen sein. Es heißt „Doosh“, ist ein „Körperform-Duschkopf mit 204 Strahldüsen“, kostet 29,90 Euro und sieht aus wie ein bleicher Bumerang mit Ausschlag.
„DER SPIEGEL“ 23/2013

Mir gefällt der leicht sarkastische Unterton des Textes. Und doch weiß ich ihn nicht recht einzuordnen. Er passt thematisch nicht zum „SPIEGEL“, dafür ist die Relevanz zu gering. Er gibt dem Leser Angaben, die er nicht braucht und die für den Inhalt des Berichtes nicht wichtig sind. Zugleich zieht der Inhalt des Berichtes, Stefan Raab, einen Nutzen aus den gegebenen Infos. Das darf so nicht sein, sage ich als überzeugter Stammleser.

Dieser Text bezieht sich übrigens auf das Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“, das für 4,20 Euro am Kiosk, im Supermarkt oder im Zeitschriftenladen zu finden ist. Es hat ca. 150 Seiten und sieht aus wie ein rotumrandetes Titelbild.

UPDATE, 5. Juni 2013: Der Autor des „SPIEGEL“-Artikels, Thomas Tuma (Ressortleiter „Wirtschaft“), hat sich in den Kommentaren unten zu Wort gemeldet.

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

44 Gedanken zu „Gehört Stefan Raabs „Doosh“-Duschkopf in den „SPIEGEL“?“

  1. Man kann sicher darüber streiten, ob das eine Vorabmeldung wert war und ob der „Spiegel“ erwähnen musste, wo der Duschkopf zu welchem Preis auf den Markt kommt. Aber ein Thema für die Rubrik „Boulevard“ – in meinen Augen durchaus, weil es ein kurioses Thema ist und nebenbei einen Trend beschreibt.

      1. Nein, auch nicht unbedingt. Gründergeschichten finden sich in immer mehr Wirtschaftsteilen und das ist durchaus legitim, weil man damit den Lesern etwas Interessanteres bietet als nackte Bilanzzahlen von Allianz und Co. Hier müsste dann allerdings auch etwas Wirtschaftsbezug her. Ich müsste den Artikel lesen, um da mehr zu sagen zu können…

  2. Ich würde der Angabe über Preis und Bezugsort im Artikel gar nicht mal die Informationsrelevanz absprechen wollen – der Leser kann einordnen, ob es sich um ein Pfennigprodukt handelt oder eher im Bereich der vergoldeten Apple-Lifestyle-Penisverlängerungen anzusiedeln ist, und der Leser kann für sich entscheiden, ob der Vertrieb des Produktes eher marktüblich erfolgt, oder ob es sich um eine andere Form der tausendsten spezialbeschichteten Pfanne handelt, die man nur in den nächsten fünf Minuten bei einem windigen Homeshopping-Sender erhält.

    Allerdings gehe ich mit, dass diese Angabe in der Vorabmeldung (wie auch der restliche Inhalt selbiger) gänzlich unnötig ist.

    Ich danke für die Info, wo ich den Spiegel finde und insbesondere wie er aussieht. :)

    1. Hallo René, danke für deinen Kommentar. Ich finde, das kann man auch anders lösen. „Sein Duschkopf soll für die breite Masse zugänglich sein, daher hat man sich für eine Kooperation mit einer Filialkette zusammen getan“, wäre nur mal ein Beispiel.

      Sehr gerne, ich finde diese Info sehr wichtig! ;-)

  3. Noch wichtiger finde ich…

    Es gibt schon einen Duschkopf, der Doosh heißt! (Duschkopf mit Saugnäpfen, für Wandbefestigung, spart Wasser während man sich die Haare wäscht!) (einfach mal googeln)
    Das riecht nach Markenrechtsverstoß seitens Herrn Raab…

    1. Hast du einen Link dazu? Google kannst du da heute vergessen, seit jeder über Raabs Doosh geschrieben hat. ;) Ich hab nur das hier gefunden: http://cargocollective.com/ayeletfishman/doosh

      Stammt aus dem Jahr 2008 und sieht mir nach einer Konzeptstudie aus. Ist also die Frage, ob das jemals so in Produktion ging und ob der Erfinder noch die Namensrechte daran hat. Vielleicht hat Raab die sich auch einfach besorgt?

        1. Schreibt der SPIEGEL auch, dass der Inhaber des Patentes die

          Roof Groove Publishing S.à.r.l., Genf, CH

          ist?

          Quelle: https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?action=bibdat&docid=DE112010004348A5

          100 %iger Gesellschafter der Firma im schönen Genf ist Stefan Raab

          Quelle: http://ge.ch/hrcintapp/companyReport.action?rcentId=3109531800000066031025&lang

          Solange das „Verschieben“ von Gewinnen in die Schweiz nicht strafbar ist, ist ja alles gut ;-)

  4. Wenn ich bedenke, wie andere TV-Schranzen ihre unverdiente Prominenz zu Geld machen, finde ich Raabs „Idee“ tatsächlich originell und erwähnenswert. Wir regen uns doch auch nicht darüber auf, dass Wickert, Krone-Schnmalz und Co uns mit ihren moralinsauren Allgemeinplätzen in Buchform nerven. Im Gegenteil: wir verfassen wohlwollende Rezensionen (kritisch geht nicht, weil wir keine Lust haben den Quark tatsächlich zu lesen). Ich habe noch nie gehört, dass sich jemand daran stört, dass selbst die schlichtesten Fernsehblondienen ihr eigenes „Design-Mode-Irgendetwas“ haben. Im Gegenteil: Wir verwenden diesen Umstand, um die ansonsten nicht so offensichtliche Intelligenz dieser Damen zu beweisen (aus dem selben Grund dürfen wir nicht so genau darauf eingehen, was dieses Design-Ding eigentlich ist).
    Ich habe keine Ahnung, ob Raab es schon mit Büchern oder mit irgendwelchem Modezeug versucht hat. Verglichen damit ist jedenfalls ein Duschkopf im wahrsten Sinne des Wortes erfrischend.

    1. Der Text richtet sich nicht gegen den Duschkopf, sondern gegen die Erwähnung inkl. Preis, Filiale, Verkaufsstart und Co. im „SPIEGEL“. Ich finde die Idee auch gut, keine Frage. Aber die Platzierung im „SPIEGEL“ eben nicht. Dafür fehlt einfach die Relevanz.

  5. Komisch, das Haare-Nass Problem habe ich nicht. Sind die Damen in Herr Raabs Bekanntenkreis schlicht zu blöde um den Kopf aus dem Wasserstrahl der Dusche herauszuhalten oder zu faul anschließend den Fön zu bemühen? Duschhauben gäbe es da übrigens auch noch……

    1. Ältere Semester werden sich daran erinnern, dass für Duschhauben der Kerkeling zuständig ist, da musste Raab sich zwangsläufig etwas anderes ausdenken. :-)

  6. Also ich finde es relevant und passend. Wenn ich mir anschaue für was für Schrott sonst im redaktionellen Teil des Spiegels als Artikel getarnt geworben wird dann kann ich dein Problem nicht nachvollziehen. Bereits ein Blick ins Inhaltsverzeichnis lässt einem da schon die Haare zu Berge stehen: Waffen aus dem 3D Drucker, Geldwäsche mit virtuellen Währungen. Und wie immer die Werbung für schlechte Bücher im „Kulturteil“.

  7. Da muss ich – der den Spiegel nie je wirklich wahr- oder ernst-genommen hat – doch schon sehr schmunzeln. Ich hab wirklich sehr geschmunzelt. Und schmunzeln ist – das haben wir ja vom großen Max Goldt gelernt – Vanille für die Seele. Von daher: Immerhin dazu taugt der Spiegel.

  8. ich versteh’s nicht und ich werd’s wohl auch nicht mehr verstehen — aber vielleicht bin ich mit knapp 40 auch zu jung, um den spiegel jemals als ernstzunehmendes medium wahrgenommen zu haben.
    solange ich mich zurückerinnern kann, ist der spiegel die BILD der gehobenen stände.

    schon allein die artikeleinleitung, die oben in kopie lesbar ist, belegt wieder eindrücklich in welch dumpfen geistigen verhältnissen das blatt entsteht …

  9. cooool …

    wir sind schon hypnotisierte karnickel, wa, daß wir uns jetzt alle an der hype um den „volksduschkopf“ beteiligen. dabei ist das doch nur ein weiterer beweis dafür, daß sich der spiegel jede mühe gibt, sich flugs der BLÖD anzunähern, damit die fusion der beiden blätter, die ich schon seit jahren kommen sehe, dann um so geschmeidiger laufen kann.

    sooooo viel unterschied ist ja nicht mehr …

    aber wie gesagt, cool, daß wir teil der hype sein dürfen ….

  10. Zitat: „Für Stefan Raab ist der Artikel eine tolle Marketingsache. Kostet nichts, erreicht aber viele…“

    Kostet nichts? DAS würde ICH nicht unterschreiben.

      1. sach mal, tobias …

        erst versuchst du hier in einem blogpost einen pudding an die wand zu tackern und dann … rutschst du mit ihm richtung teppich????

        ich weiss ja nicht, ob du diese geschichte erinnerst, in der es darum ging, daß zwei autoren für den spiegel einen bericht über alternative energieen schrieben … der dann last minute zugunsten eines old-school-energieartikels gecancelt wurde. auf der rückseite des hefts gab’s zum dank ne riesen anzeige des RWE …

        oder daran, daß BLÖD und spiegel unisono die thesen des (uno geprüften) rassisten sarrazin in die lande pusteten …

        ich gebe auf die „glaubwürdigkeit“ (hüstel) des spiegel einen pfifferling.

        industriehuren, die für einen skandal ihre mama verkaufen würden.

        sagt jemand, der den in den 80/90ern für 10 jahre abonniert hatte.

        na gut, du bist jung und musst da wohl selbst durch.

        hätte ich da nicht letzte woche den hervorragenden beitrag von diez gelesen, würde ich sagen, zwischen denen und den springerboys besteht null unterschied. aber der hatte so den geschmack von dem, was der spiegel mal war.

  11. Artikel im Spiegel hin oder her. Ich finde es viel lustiger das sich bisher anscheinend weder Raab + Team noch irgendeine Zeitung/Magazin mit der phonetischen Bedeutung des Wortes „doosh“ befasst haben. Denn „doosh“ klingt wie „douche“ und bedeutet im englischsprachigen Ausland (vor allem in den USA) soviel wie Arschloch („douche bag“) oder Vollidiot.

    Für 4-jährige Entwicklungszeit und eine weltweite Patentanmeldung ist das schon ein ziemliches Versäumnis. Man sollte meinen das „Marketing-Experten“ aus Renault’s MR2-Debakel gelernt haben. :)

  12. Sollte das nicht „Dieser Text bezieht sich übrigens auf das Nachrichtenmagazin “DER SPIEGEL”, das für 4,20 Euro am Kiosk, im Supermarkt oder im Zeitschriftenladen zu finden ist. Es hat ca. 150 Seiten und sieht aus wie ein rotumrandetes Titelbild. Mindestens.“ heißen?

  13. Lieber Herr Gillen, ist Raabs Ausflug als Unternehmer eine kleine SPIEGEL-Story wert? Ich seh das wie viele der Vorkommentatoren: warum nicht, denn seine Drittkarriere als Existenzgründer ist amüsant, bizarr
    und neu. So amüsant, bizarr und neu, dass es vielen anderen Medien ebenfalls Meldungen wert war. Klar, das lässt sich nicht mit der Drohnen-Affäre vergleichen (die Lektüre unserer Titelgeschichte kann ich übrigens nur empfehlen), aber an manchen Stellen sollte es auch im SPIEGEL nicht nur bierernst zugehen, finde ich. In diese Schublade passt eindeutig Raabs jahrelange private Innovationsspinnerei, auch wenn man ihm natürlich eher
    die Erfindung eines Mittels gegen den Hunger der Welt gewünscht hätte als ausgerechnet eines Duschkopfs. Und es gibt sicher auch relevantere Vorabmeldungen. Aber interessanterweise fand selbst die „taz“ die „Produktinformationen“ wichtig genug, sie ihren Lesern mitzuteilen. Die letzten Wortspiele, die zum Thema Dusch-Kopf noch frei waren, sind mittlerweile von anderen Medien gemacht ;-) schöne Grüße TT

    1. Lieber Herr Tuma,

      natürlich „ist Raabs Ausflug als Unternehmer eine kleine SPIEGEL-Story wert“ – ich habe nichts gegenteiliges behauptet, so weit ich weiß. Meine Kritik richtet sich gegen die unrelevante Vorabmeldung und gegen die „Produktinformationen“, wie Sie sie nennen. Zudem habe ich meinen Beitrag als Stammleser des „SPIEGEL“ verfasst, was die „taz“ macht, ist mir weitestgehend egal, wenngleich ich das – insofern es so war – auch nicht gut fände. Zudem orientiert sich der „SPIEGEL“ doch nicht an der „taz“, oder? Nur weil andere Medien den gleichen Fehler machen, ist er beim „SPIEGEL“ doch nicht gleich in Ordnung. Das Argument halte ich für wenig hilfreich. Preisschild und Co. gehören nicht in einen solchen Artikel, bei der Meinung bleibe ich und diese Meinung vertreten – gemessen am Feedback, das in den letzten zwei Tagen auf allen möglichen Wegen bei mir eingegangen ist – auch viele andere („SPIEGEL“-)Leser. Und eine Vorabmeldung ist die Geschichte nun wirklich nicht wert, darüber brauchen wir ja nicht diskutieren. Wenigstens dort sollte es beim „SPIEGEL“ noch „bierernst zugehen“, finde ich.

      Vielen Dank für Ihren Kommentar und beste Grüße, TG

      P.S.: Die Lektüre der Titelgeschichte kann auch ich nur empfehlen ;-)

  14. hihi,

    so schön kann schadensbegrenzung sein.

    immerhin, kein 1:1 textbaustein, den man halt so in die blogs posten kann. heute müssen sich journalisten, so faul, dreist und selbstgefällig sie auch sein mögen, sie arbeit schon machen in post-plag-zeiten, wo hinz und kunz sowas googeln kann.

    ich könnt mich beömmeln.

  15. Kurz & schmerzlos: Beim SPIEGEL gibt inzwischen alles, ausser 20% auf Tiernahrung. Bin ja mal gespannt, ob sie die unhandliche Wasserschleuder auch testen, Gestern im Baumarkt hat sich das Sanitär-Fachpersonal die Bäuche gehalten vor Lachen über diese geniale Erfindung des Medien-Metzgers, Stichwort „Absoluter Murks, Tinnef total“.

  16. Nun, ich gönne Raab seinen Erfolg, fand die Berichterstattung im SPIEGEL mit sämtlichen Details, wo und zu welchem Preis das Produkt erworben werden kann, etwas zu „umfassend“.

    Allerdings wundere ich als langhaarige Frau mich eher über die Frauen in Raabs Bekanntenkreis und alle anderen, die es nicht gebacken bekommen, mit Haarwäsche exklusive zu duschen. Das geht bei hochgesteckten Haaren mit jedem handelsüblichen Duschkopf, wenn man ihn nicht über Halshöhe hinaus benutzt. Bei fest montierten Duschköpfen, sei es an Decke oder Wand, bleibt das „Problem“ bestehen, dass man entweder den Kopf geschickt aus dem Wasserstrahl halten oder eine Duschhaube benutzen muss. Bei ausgiebigem Duschen würde bei meinen Naturlocken dann allerdings schon die sich in der Kabine oder dem Bad stauende Luftfeuchtigkeit reichen. ;-)

    Kurz, ich amüsiere mich jetzt schon über den Erfolg, den er mit dieser an sich überflüssigen Erfindung haben wird, weil dann auch kaum jemand zugeben wird, dass die Haare vorher genauso nass wurden oder nicht. Wenn frau das vorher nicht schaffte, dann jetzt auch nicht.

  17. Über das Produkt berichten findet Tobias OK. Aber den Preis und wo man es kaufen kann? Interessiert ihn nicht. Er will sich über ein Produkt informieren, es aber ja nicht kaufen. Der Spiegel soll also unterhalten, aber nicht informieren.

    1. Leider nicht ganz richtig. Über Raabs Drittkarriere zu berichten, „findet Tobias OK“. Als kleine Meldung, vielleicht wirklich unterhaltsame Nachricht. Das Preisschild ans Produkt zu hängen hat aber nichts mit Information zu tun. Der „SPIEGEL“ soll informieren, gerne auch nicht immer „bierernst“. Die Logik hinter deinem Kommentar verstehe ich leider nicht. Magst du sie mir erklären?

      1. Es gibt Leute die der Preis interessiert: Ein Leser der…
        * einschätzen will wie erfolgreich das Produkt sein wird.
        * wissen will unter welchem Preis sich ein solches Produkt herstellen lässt.
        * das Produkt kaufen wollen. <- der Punkt dir mir als erstes eingefallen ist – komisch dass du da bis jetzt noch nicht drauf gekommen bist. Oder duschen sich Spiegel-Leser nicht?
        * etc.

        Da dich der Preis nicht interssiert, trifft auf dich keiner der obigen Punkte zu. Wie groß ist wohl der Teil der Leser auf die mindestens eines davon zutrifft?

        1. Zu deinen ersten beiden Punkten: Das sollte der „SPIEGEL“ einordnen im Text, finde ich. Dafür bedarf es keiner Preisangabe. Zu Punkt 3: Dann soll der Leser sich doch bitte im Geschäft / auf der Website des Handels darüber informieren. Das ist doch nicht Aufgabe eines Nachrichtenmagazins.

          1. „Das ist doch nicht Aufgabe eines Nachrichtenmagazins.“ Da! Du hast es gesagt! Deiner Meinung nach ist die Aufgabe also zu unterhalten, aber ja nicht Informationen zu bringen die der Leser gebrauchen kann.

  18. Sorry dass ich dein Dementi überlesen hatte. Zurück zum Thema:

    Ich denke die Nachricht über Raab’s Duschkopf ist primär nur für eventuelle Käufer nützliches Wissen, und für die meisten Nicht-Kauf-Interessierten pure Unterhaltung. Was kann denn jemand aus zweiter Gruppe – wie zum Beispiel Du – aus dem Spiegel-Artikel schon lernen?

    1. Zum Beispiel etwas über Raabs Drittkarriere. Das ist etwas, das durchaus interessant ist. Der SPIEGEL sollte aber nicht den Anspruch haben „eventuelle Käufer“ mit Preisschildern anzusprechen.

      1. Und das Wissen über Raabs Drittkarriere kann ich nicht umsetzen – unnützes Wissen, wohingegen ich durch Produktinformationen dieses eventuell kaufe = nützliches Wissen das ich umsetze, es nutze. Die Produktinformation ist damit wertvolleres Wissen.

          1. Ich bin Konsument. Mich interssieren Produktinfos mehr als das Leben von Promis wie Raab. Ich will mehr Produktinfos in den Zeitungen, und da gehört auch der Preis dazu,

  19. Ominös ist das ganze schon. Was mich aber am meisten wundert ist, dass unser allseits beliebtes „Wissensmagazin“ über den Duschkopf, seine Entwicklung und seinen Erfinder berichtet. Nebenbei erläutern sie gleich das Problem, was ich zwar vorher nicht als solches erkannt habe, aber von dem scheinbar ein Großteil der Bevölkerung betroffen sein soll. Ich denke, dass letzte was die Welt gebrauchen kann, ist weiterer Plastikmüll.

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