Manning als Feind der US-Intransparenz

Am 16. Dezember 2011, in Pressefreiheit, von tobiasgillen

USA – 17 Monate lang sitzt der ehemalige Geheimdienst-Analyst der USA, Bradley Manning, nun schon in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, 250.000 geheime Depeschen des diplomatischen Dienstes der USA an die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks weitergegeben zu haben. Angeklagt wurde er von einem Informanten, bei dem er sich per Chat verraten haben soll. Inzwischen ist er in 30 Anklagepunkten angeklagt und sein Prozess begann heute vor einem Militärgericht im Stützpunkt Fort Meade nahe der US-Hauptstadt Washington. Er ist scheinbar der Feind der US-Intransparenz.

Schuld an Korruption und Gewalt

Nicht nur, dass er menschenunwürdig behandelt wurde während seiner überlangen Zeit in Untersuchungshaft, nein, auch die Tatsache, dass er theoretisch zum Tode verurteilt werden könnte, schockiert. Er wurde gebrandmarkt als eine Art Terrorist, der sein Land verraten haben soll. Er wurde schon lange vor dem Beginn des Prozesses verurteilt – vom Verteidigungsministerium und von all denen, die Schuld haben. Schuld am vor Korruption und überharter Gewalt nur so sprießenden Irak-Krieg. Schuld am Tod von vielen unschuldigen Irakern durch rachsüchtige Soldaten.

Dabei ist das, was Manning vorgeworfen wird, nur ein weiterer Beweis dafür, wie Intransparenz die USA sind. Ihm wird – und dafür kann er mit seinem Leben bezahlen – die “Unterstützung des Feindes” vorgeworfen. Dabei ist er selbst ein Feind. Ein Feind der US-Intransparenz. Klar, Verrat wird in jedem Land bestraft. Aber einen US-Soldaten derart zu behandeln, als sei er ein Schwerverbrecher, steht in keinem Verhältnis. Insofern er es tatsächlich war, wollte er nur Missstände aufdecken: “Ich will, dass die Leute die Wahrheit kennenlernen … egal, wer sie sind … denn ohne Informationen kann man als Öffentlichkeit keine informierten Entscheidungen treffen”, schrieb er mutmaßlich in einem Chat.

Die USA als Feind der Transparenz

Dass die USA mit Julian Assanges Leaking-Website WikiLeaks auf Kriesfuß steht, ist kein Geheimnis. Doch nur wer sich fürchtet vor einer solchen Seite, hat auch etwas zu verbergen. WikiLeaks war an vielen politischen, gesellschaftlichen oder sozialen Revolutionen und Umdenken maßgeblich beteiligt. Würden sich die USA – und auch alle anderen machtgierigen, profitgeilen Politiker, Länder oder Regimführer – einfach nur an die Regeln halten und Geld und Macht einen Moment hinten anstellen, wären WikiLeaks und seine Informanten gar keine Gefahr.

Manning hat, immer vorrausgesetzt er war es, genau richtig gehandelt. Die Welt musste erfahren, welche Zustände im Irak herrschten. Die USA ist der wahre Feind. Der, der Transparenz nämlich.

Bild: Poster Boy NYC, flickr.com, CC

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