Mobbing – Bis zum Tod

Am 11. April 2011, in Online, von tobiasgillen

Bei Kerner auf SAT1 bin ich auf eine Dokumentation gestoßen über eine Website, über die ein 13-jähriger bis zum Selbstmord gemobbt wurde. Sie nennt sich iShareGossip (z. Dt.: Ich teile (meinen) Klatsch) und ist vollkommen anonym. Mit Sitz in Lettland (so steht es zumindest im Impressum) bietet iShareGossip die Möglichkeit, frei von IP-Adressen-Speicherung und ähnlichem seine Meinung über andere Menschen kundzutun. Was mich schockiert ist jedoch, dass es Schülern so unglaublich einfach gemacht wird, über andere herzuziehen. Man kann seine Schule nach Bundesland filtern und dann seinen Kommentar schreiben. Hier zwei Beispiele:


Es jungen Menschen so leicht zu machen, andere zu mobben, ist fahrlässig und dumm! Wir sehen es am 13-jährigen Joel. Die Seite führte ihn bis zum Gang auf die Gleise. Das allerbeste finde ich ja noch den Satz “Bitte wahren Sie in Ihren EMails einen Ansatz von Form” auf der “Missbrauch”-Seite. Kein Sterbenswörtchen von Mobbing oder ähnlichem, einzig und alleine ein Hinweis, was bei geschütztem Material zu tun ist. Wahren denn die Menschen, die auf der Seite posten einen “Ansatz von Form”? – Da platzt mir ja die Hutschnur!
Sitz in Riga in Lettland und dann auf richtig dick machen. Das mag ich ja! Hut ab, Leute, Hut ab! Wenn ich dann unter “Haftung für Inhalte” den Satz “Die Inhalte unserer Seiten wurden mit größter Sorgfalt erstellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen” lese, frage ich mich doch wirklich, wer auf die brilliante Idee kam, das dort einzufügen. (Naja, es ist wenigstens nur mittels STRG + C, STRG + V aus dem Generator). Ich bin sprachlos. Ich dachte, wir sind auf dem Weg, das Netz für Kids ein wenig sicherer zu gestalten. Grade zwei Haare am Sack und schon über lutschen, bumsen, blasen schreiben – So ist das richtig! Ihr dürft euch nun offiziell cool fühlen! Was mir grade auffällt: Gegen wen ist der Artikel hier eigenlich? Gegen iShareGossip oder gegen die kleinen, nichtswissenden Kinder, die auf die Seite posten und verlinken was sie wollen? Wäre die Seite nicht da, dann würden sich die Kinder eine andere Möglichkeit suchen, das ist klar! Mobbing gab es schon immer und wird es immer geben, aber dann doch bitte ins Gesicht! (Seid doch nicht feige, sagt es frei raus. Alles andere ist unfair!). Welchen Weg wird unsere immer netzfokusiertere Gesellschaft noch nehmen? Ist denn bald niemand mehr sicher? Was wird aus den sozialen Netzwerken, die eigentlich zur friedlichen Verbindung gedacht sind? Bricht das alles auseinander? – Fragen, auf die eine Antwort zu finden momentan sehr schwer fällt.

Hier die Dokumentation von “KERNER” auf SAT1:

Unglaublich, nicht?
Hiermit starte ich den Aufruf: Leute, lasst euch nicht unterkriegen, geht gegen soetwas vor und macht den Mund auf! Bitte nicht noch ein Fall Joel.

Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

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11 Responses to Mobbing – Bis zum Tod

  1. “Ein Ansatz von Form” soll wohl bedeuten, daß man die Menschen lächelnd in den Suizid treiben soll.

    Mobbing ist ein Fluch. Und in der Anonymität des Netzes ist dem nur schwer Einhalt zu gebieten. Mobbing ist feige. Und Cybermobbing ist für Leute, die selbst für “normales” Mobbing zu feige sind. Durch die Entfernung zum Opfer schwinden die Hemmungen.

    • tobiasgillen sagt:

      Ja, Feigheit wird ja leider immer öfters groß geschrieben. Es ist aber scheinbar cool, das Netz für oben geschriebenes zu missbrauchen..

  2. Julia sagt:

    An der Geschichte von Joel sieht man die Folgen von Mobbing. Es kann nicht sein, dass sich Kinder umbringen.
    Mobbing ist einfach nur schrecklich, ich verstehe nicht wie man Menschen nicht in Frieden leben lassen kann. Es gibt immer den ein oder anderen den man nicht so gern hat als andere, aber man verhält sich doch trotzdem respektvoll. Wenn es Probleme gibt, dann klärt man diese. Damit meine ich nicht im Internet über die Person herziehen, sondern man geht zu der Person und sagt es mit geeigneten Worten ins Gesicht.
    Diese Seite im Internet müsste GELÖSCHT werden!!!
    Aber am wichtigsten ist es, dass sich JEDER einmal selber an die Nase fasst und überlegt was man macht.

    • tobiasgillen sagt:

      Die Seite muss definitiv gelöscht werden. Das ganze wird allerdings zum Problem, da der Sitz in Lettland ist. (Nach KERNERs Recherchen ist dort allerdings auch niemand anzutreffen!)

  3. Linny sagt:

    Ich finde es immer wieder schlimm, wie feindseelig die Leute sein können und dann schon im Jugendalter. Eigentlich sollte denen ein Riegel vorgeschoben werden und nicht noch eine Webseite zur Verfügung gestellt werden.

    Unverantwortlich, assozial und abstoßend!

    Aber die Kinder, die sowas machen, sind meiner Meinung nach nicht besser. Feiges Pack. Wenn die was zu sagen haben, sollen sie es doch von Angesicht zu Angesicht machen, aber da haben die keinen Arsch inner Hose!

    Da kann man nur jedem Opfer raten: MACH DEN MUND AUF, ZEIGE DIE LEUTE AN UND WEHRE DICH!!!

    Mobbing ist kein Kavaliersdelikt!!!

  4. Alles für lau….

    Das ehemalige Nachrichtenmagazin schreibt heute, Depressionen kosteten zweiundzwanzig Milliarden Schleifen im Jahr. Mag sein, kann sein, glaube ich gerne. Ich würde meine zwar für lau abgeben,……

  5. Emil Blume sagt:

    Ich hab vorhin im Bus Nr.: 59 (jaha Ersatzverkehr) zwei eta 12/13 Jahre alte Mädchen beobachtet. Die eine saẞ rechts vom Gang und die andere Links. Beide hatten ein Smartphone dabei und waren bei Facebook eingeloggt. Die Konversation miteinander haben die beiden über Facebook geführt.

  6. Sara sagt:

    Hallo, zur Info, die Diskussion rund um isharegossip nutzte eine Berliner Initative gegen Cyber-Mobbing und gründete die Seite http://www.ihategossip.org/

  7. Piratenweib sagt:

    http://isharegossip.com/ wurde gehackt. Die Betreiber etc. wurden von einer unbekannten Hacker_innengruppe, die sich selbst 23timesPi nennt, aufgefordert, sich selbst der Polizei zu stellen. Mensch darf gespannt sein.
    Eine Verurteilung der Seitenbetreiber wäre ein wichtiges Signal gegen Cybermobbing und Cyberstalking.

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