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Die Liebe fürs Leben suchen viele bei RTL - oft scheitert dieses Vorhaben | Simone Hainz / pixelio.de

Iris Schmitz (Name geändert) ist 53 Jahre alt und Single. Nach vielen gescheiterten Beziehungen und langer Zeit alleine entscheidet sie sich vor einiger Zeit, bei der RTL-Show ‘Schwiegertochter gesucht’ mitzumachen um dort ihren Mann für’s Leben zu finden – doch auch dieser Vesuch scheitert. Jetzt erzählt sie im Exklusivinterview mit dem tobiasgillen Blog über ihre Zeit bei der Sendung und was bei der Produktion hinter den Kulissen alles passierte.

Man sieht im Fernsehen immer, wie die Männer Post von den vielen Frauen bekommen. Ist das wirklich so, dass man einen Brief direkt an den Mann schickt? Oder geht dieser durch andere Hände?

Nein, so ist das nicht. Erst bewirbt man sich telefonisch, nach einiger Zeit wird man zurückgerufen und dann bekommt man allerhand Fragen gestellt. Zum Beispiel, warum man sich bewirbt, wie man wohnt, was man verdient und so weiter. Anschließend wird man zum Casting nach Köln eingeladen. Dort werden dann Bilder gemacht, es wird weiter gefragt und am Ende muss man einen Brief mit Foto abgeben.

Was passiert dann?

Wenn sich der Mann dann für einen entschieden hat, bekommt man einen Anruf mit dem Termin, wann die Produktion beginnt und wann man dazusein hat. Dann bekommt man ein Zugticket per Post und die Anreisedaten und musst dir für die Zeit Urlaub nehmen.

Als Sie dann bei dem Mann zu Hause waren, hatten Sie das Gefühl, dass das Produktionsteam, Kamera, Ton, Regie, das ernst nehmen oder machen die sich darüber lustig?

Also ich hatte immer das Gefühl, dass man ernst genommen wird. Nur wenn das Team merkt, dass man sich selbst lustig macht, machen sie natürlich mit und das sieht man dann nachher auch im Fernsehen. Die Zuschauer sehen solche lustigen Dinge nun mal sehr gerne.

Wie war das, als Sie dem Mann gegenüber standen? War er so, wie Sie sich ihn vorgestellt haben?

Nein, und darum hat es auch nicht geklappt! In den Vorstellungen im Fernsehen vor Beginn der Staffel wird der Mann ganz anders rübergebracht. Man bekommt kein ehrliches Bild von ihm und das ist schade! Bei ‘meinem’ Mann war es so, dass seine geistige Behinderung verschwiegen wurde. Er konnte kaum ein Wort alleine sprechen, jeder Satz wurde ihm vom Team vorgesprochen, bis er ihn auswendig konnte. Hinzu kommt, dass er nicht den Job hatte, der vorgestellt wurde. Und auch jetzt, bei den neuen Staffeln stelle ich das immer wieder fest: Von den negativen Seiten wird bei der Vorstellung nicht gesprochen und am Schluss sind die Frauen immer total geschockt.

Wie läuft das denn genau ab bei dem Dreh?

Ja, das ist so eine Sache. Jede Szene muss vier bis fünf mal gedreht werden, aus allen Positionen und Blickwinkeln. So bekommt man natürlich nicht das Gefühl, dass da irgendetwas authentisch und echt ist. Und auch die Themen werden einem immer vorgegeben. Es wird zum Beispiel gesagt, jetzt müsst ihr euch begrüßen oder so etwas. Wie man das dann aber umsetzt, ist egal!

Kann denn überhaupt romantische Stimmung aufkommen bei einem Drehtag?

Nein, bei fünf Leuten im Raum, die Kamera und Mikrophone halten ist das nicht möglich.

Was ist denn mit dem Programm, dass man in der Woche bei dem Mann erlebt?

Das ist vorgegeben. Man sagt beim Casting, was man mit dem Partner gerne mal unternehmen möchte und was man erleben möchte und dann wird das Programm vorgegeben…

… das heißt der Mann muss gar nicht kreativ werden, sich Gedanken machen?

Nein! Selbst der Picknick-Korb ist von RTL.

Bekommt man Geld für die Produktion?

Ja, das waren 150 € pro Folge. Und dann bekommt man natürlich auch noch die Anreise bezahlt und wenn man mal essen gehen möchte auch. Wenn man nicht bei seinem Partner bleiben will, kann man ja bekanntlich in’s Hotel gehen. Das ist auch von RTL bezahlt. Also vom Geld her ist das schon in Ordnung.

Was denken Sie denn, ist das größte Problem bei diesem Format?

Nun, die Wahrheit sieht anders aus! Und am Ende ist die Enttäuschung für den Mann doch sehr groß. Er wird anders gezeigt, als er wirklich ist und dementsprechend verdutzt sind dann die Frauen, wenn sie ihn kennenlernen. Wenn es dann nix wird, sind die Männer natürlich enttäuscht, obwohl sie eigentlich am wenigsten dafür können.

… also fordern Sie?

Eine reale Darstellung des Mannes mit wirklicher Statur, dem echten Job und eventuellen Behinderungen! Ich habe nichts gegen behinderte oder eingeschränkte Menschen, aber ich möchte doch vorher etwas davon wissen. Ich hoffe, das ist verständlich?

Ja, absolut. Was denken Sie denn, warum so viele Frauen mitmachen? Sind es wirklich die Partnerschaften, die sie interessieren?

Also einige sind wirklich dabei, weil sie den Mann kennenlernen wollen, aber viele machen nur mit, um ins Fernsehen zu kommen oder eine Woche Urlaub zu haben. Das ist schade!

Herrscht denn wirklich der Konkurrenzkampf zwischen den Frauen?

Ja, aber manchmal geht es den Frauen nicht um die Partnerschaft, sondern nur ums “gewinnen”. Wenn sie dann gewonnen haben, ist es meist schnell vorbei mit der Beziehung.

Frau Schmitz, das waren tiefe Einblicke in das Innenleben der Show. Abschließend möchte ich Sie aber noch fragen, würden Sie nocheinmal teilnehmen?

Ich denke ja. Es war eine gute Erfahrung, wenn sie auch ein schlechtes Ende genommen hat!

Dann wünsche ich Ihnen bei der zukünftigen Partnersuche viel Glück und bedanke mich für Ihre Zeit!

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Hinweis: Ich bitte von abwertenden Kommentaren abzusehen. Dass sich Frau Schmitz meinen Fragen gestellt hat, ist mehr als lobenswert. Warum sie teilgenommen hat, weiß sie selbst am besten. Ich behalte mir vor, beleidigende, abwertende und sexistische Kommentare zu löschen, zu zensieren oder zu ignorieren.

Bild: Simone Hainz / pixelio.de

8 Responses to Exklusivinterview: Eine ehemalige ‘Schwiegertochter’ erzählt: “Seine geistige Behinderung wurde verschwiegen!”

  1. mahrko sagt:

    Als #bsf-Laie frage ich mal, wie viele Folgen gibt es denn?
    Pro ausgestrahlte Folge am Abend, in der man selbst drin vorkam, gabs 150 Euro?

  2. Ich habe mal ein Opfer der Supernanny kennengelernt. Die hat gar nicht begriffen, das sie nur verarscht wird da. Die war so doof wie das Klischee vorgibt. Ich finde diese Formate und deren Umsetzung menschenverachtend. Die Leute werden da vorgeführt und lächerlich gemacht und begreifen teilweise gar nicht, was passiert.

    Ein Glück, wenn jemand, der begriffen hat, sich dazu äußert. Danke!

  3. Punter sagt:

    “Also einige sind wirklich dabei, weil sie den Mann kennenlernen wollen, aber viele machen nur mit, um ins Fernsehen zu kommen oder eine Woche Urlaub zu haben. Das ist schade!”
    Hier würde mich interessieren, auf welcher Grundlage die Kandidatin das beurteilen kann. Ich gehe davon aus, dass sie außer ihrer direkten Konkurrentin keine weiteren “Schwiegertöchter” kennengelernt hat und somit eigentlich nicht viel mehr dazu sagen kann als ein gewöhnlicher Zuschauer?

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