Einmal zum Mond und zurück

Mondkarte 26.12.201

Ich interessiere mich sehr für alles oberhalb unserer Atmosphäre. Dieses Interesse fängt bei der ISS an und endet: nirgendwo – klar. Nun versuche ich mich mit meinem ersten Teleskop ein bisschen in der Himmelsbeobachtung und Astrofotografie und möchte hier ab und an mal davon berichten.

Hinweis: Anfänger! Wer es besser weiß, Tipps hat, Fehler findet, Kniffe kennt: Lasst es mich bitte wissen, ich bin um jeden Baustein dankbar, der mir hilft, dieses weite Feld besser zu verstehen und zu erschließen.

Das Setup: Einsteiger-Teleskop von Bresser

Zunächst einmal zum grundsätzlichen Setup. Ich nutze aktuell ein Einsteiger-Teleskop von Bresser für rund 100 Euro (aktuell bei Amazon mit 65 Euro günstiger*). Klar ist, das schon mal vorweg, dass man mit einem solchen Teleskop keine Wunder erwarten darf. Wer hofft, damit nun den gesamten Weltall klar und deutlich in Full-HD zu sehen, sollte nochmal auf den Preis schauen und sich ein teureres Teleskop raussuchen. Für den Einstieg dürfte das Bresser Arcturus 60/700 aber für klein und groß eine ganz gute Wahl sein.

Mitgeliefert werden neben dem Teleskop ein Hartschalenkoffer, ein Alu-Stativ (ca. 75cm bis 120cm), ein Zenit-Spiegel, eine 1,5-fache Umkehrlinse, eine Zubehörablage, ein kleiner Kompass, eine Sternkarte, das Sucherfernrohr sowie drei Okulare (SR-4 mm, H-12,5 mm, H-20 mm). Der Objektivdurchmesser liegt bei 60mm, die Brennweite bei 700mm. Folglich kann man mit den drei Okularen eine Vergrößerung vom Faktor 35, 58 und 175 erreichen.

Erste Gehversuche: Trial and Error

Wer sich nicht mit der Materie auskennt (so wie ich), der kann entweder stundenlang Foren, Anleitungen und Wikipedia-Artikel durchackern bis der tolle Vollmond wieder untergegangen ist. Oder er versucht es mit Trial and Error und macht einfach mal. Nach einigen Versuchen, Okular-Wechselspielchen und vielen gedrehten Rädchen habe ich gegen 3 Uhr in der Nacht zum 2. Weihnachtsfeiertag dann endlich ein scharfes Bild vom Mond. Der Wind hat es in dieser Nacht gut mit mir gemeint und im Fenster von ca. 2 Uhr bis 4:30 Uhr die Wolken in Schach gehalten.

Bei der 35-fachen Vergrößerung mit dem 20mm-Okular bekommt man den Mond ganz gut komplett ins Bild. Mit dem 12,5mm-Okular und folglich 58-facher Vergößerung hat man in etwa ein 1:1-Bild – der Mond füllt also das Sichtfeld komplett aus und kann so ziemlich gut genauer betrachtet werden. Die 175-fache Vergrößerung mit dem 4mm-Okular ist mir bislang nicht gelungen – ich arbeite dran. Damit sind wohl nähere Betrachtungen von einzelnen Kratern drin. Mit dem 12,5mm-Okular und meinem iPhone 6s ist also folgendes Bild entstanden:

Mond, 26.12.2015, Köln

Der Vollmond vom 26.12.2015, iPhone 6s, Bresser 60/700, 12,5mm

Zum Vergleich mal ein Bild vom so genannten Superblutmond am 28. September ohne Teleskop und ebenfalls mit iPhone 6s (zu finden auf meinem Instagram-Profil):

Superblutmond

Der Superblutmond vom 28. September 2015, iPhone 6s

Zu erwähnen sei noch, dass ich noch keine Halterung für mein Smartphone oder einen Kamera-Adapter für die Nutzung mit Teleskop habe. Beim Bild des Superblutmondes habe ich ein Stativ genutzt. Bestellt habe ich nun testweise diesen Smartphone-Adapter*, ebenfalls von Bresser (auch wenn ich den Preis von 40 Euro unverschämt hoch finde). Wer hier gute und günstigere Tipps hat: Gerne her damit!

Beschriftung von Kratern und Mondmeeren

Wie man sieht, erhält man mit meinem Setup kein gestochen scharfes Bild. Allerdings kann man einige Krater und Mondmeere erkennen, etwa den Krater Plato im Norden, den großen Oceanus Procellarum oder Tycho (im Zentrum des hellen Bereichs im Süden). Mithilfe der ebenfalls mitgelieferten Mondkarte habe ich dann versucht, so viele Details wie möglich zu erkennen und selbst zu beschriften. Wichtig für Mit-Neueinsteiger: Das Foto ist spiegelverkehrt und muss zunächst gespiegelt werden, bevor ihr mit den Details anfangt. Sonst könnt ihr leicht durcheinander kommen beim Umdenken.

Mondkarte 26.12.201

Beschriftung des ersten Mondbildes – alle Angaben ohne Gewähr!

Auch hier gilt: Falls ich mich irgendwo vertan haben sollte, bitte ich um Hinweise. Für den ersten Versuch bin aber ganz zufrieden.

Der zweite Versuch zu humaner Uhrzeit

Den zweiten Versuch habe ich tags drauf, also am 26.12., zu einer etwas humaneren Uhrzeit gegen 19 Uhr gewagt, Blickrichtung auf ca. 65° Nordost. Der Mond steht zu dieser Zeit sehr tief und ist trotz vereinzelter Wolken gut zu sehen. Im Gegensatz zum ersten Versuch bin ich nun allerdings draußen und habe durch relativ starken Wind Probleme, das Teleskop richtig auszurichten und vor allem ein halbwegs annehmbares Bild zu schießen. Das zeigt sich dann auch auf den Ergebnissen, hier mit 20mm-Okular:

Vollmond

Und hier mit 12,5mm-Okular:

Vollmond

Seltener Vollmond an Weihnachten

Der Vollmond am 1. Weihnachtsfeiertag ist übrigens ein seltenes Ereignis. Es sei der höchste und am längsten sichtbare Vollmond des Jahres, sagt Thomas Kraupe, Direktor des Hamburger Planetariums, gegenüber heute.de. Zuletzt fiel er 1977 auf Weihnachten, das nächste Mal wird noch 19 Jahre dauern.

Entsprechend zufrieden bin ich mit den ersten Ergebnissen. Was man bei all dem leicht vergisst, ist, dass man es immernoch mit einem Einsteigermodell zu tun hat, mit dem man nicht den Nachbarn von Gegenüber beobachtet, sondern ein Objekt, das 384.400 km entfernt ist und das Foto von einem nicht fixierten Smartphone stammt. Dafür bin ich ziemlich glücklich mit meinen Beobachtungen.

Ziele: Mond mit 4mm-Okular und Orion-Nebel

Als nächstes stehen die Mondbeobachtung mit dem 4mm-Okular auf dem Plan sowie der Versuch, den Orion-Nebel in 1.344 Lichtjahren zu finden sowie mit dem 4mm-Okular halbwegs festzuhalten. Laut Bresser soll das auch mit diesem Modell funktionieren – ich bin da noch skeptisch, werde aber mein bestes geben.

Von meinen Fortschritten werde ich hier, auf Instagram, Twitter und bei Facebook berichten.

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

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