Netzwelt – Jeden Tag erreichen mich zwischen zwei und fünf Anfragen per E-Mail, ob ich denn auf meinem Weblog nicht einen Artikel über ein neues Produkt, eine Website oder einen Dienstleister schreiben möchte. Meistens ist von “finanzieller Entschädigung” die Rede, manchmal von “gewünscht neutraler Berichterstattung”. Dabei stand, steht und wird für mich immer fest stehen: Kein (!) sponsored Content (gesponsorter / bezahlter Inhalt). Leider sehen das nicht alle Blogger so und somit wird das Problem der “gekauften Artikel” langsam sehr nervig.
Transparenz sollte für jeden Blogger ein Muss sein
Verständlich ist natürlich, dass Blogger in der Regel unentgeldlich arbeiten. Kosten für das Hobby des eigenen Blogs zahlt man meistens komplett aus eigener Tasche, von der Zeit, die man tagtäglich investiert, brauchen wir an dieser Stelle nicht anfangen. Es ist natürlich der große Traum, an namhafte Blogger anzuknüpfen, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen und den lieben langen Tag ‘nur’ zu bloggen, zu schreiben oder Videos zu produzieren. Um diesem Traum näher zu kommen, ist es aber vor allem wichtig, seiner Selbst stets treu zu bleiben. Niemand braucht versteckte Werbungen und Links in bezahlten Artikeln. Transparenz als Ideal, das wär’s doch. Jeder Blogger sollte gegenüber seinen Kollegen und Lesern so ehrlich sein und jegliche Werbung stets kennzeichnen. Ob mit einem “sponsored”, einem “Werbung” oder einem “Anzeige”, Möglichkeiten dazu gibt es genug.
Werbe-Emails können auch Ideengeber sein, niemals aber Brötchengeber
Am Anfang habe ich es erwähnt: Ca. zwei bis fünf solcher E-Mails erreichen mich Tag für Tag. Mal geht es um eine App, mal um ein großes “innovatives” Versandprojekt und mal um ein neues Weblog, das dringend mehr Aufmerksamkeit braucht. Die “finanziellen Entschädigungen”, wie man sie bei diesen PR-Leuten scheinbar nennt, belaufen sich immer zwischen 30 € und 100 €. Nicht schlecht, der Specht. Sind wir mal ehrlich: Wenn ich davon ausgehe, dass ich im Schnitt jeden Tag drei E-Mails erhalte, die mir im Schnitt 50 € anbieten, könnte ich am Ende des Monats über 4.000 € auf meinem Konto verbuchen. Davon kann man schonmal gut leben, oder? Aber nein, das ist nicht der Sinn der Sache! Ich schreibe, weil ich es liebe und weil ich die Rückmeldungen meiner Leser liebe, nicht wegen versteckter Werbung und einem vollen Konto. In den Statistiken zu lesen, dass ein paar hundert Leser auf einen Werbelink geklickt haben, würde mich vermutlich fertig machen. Dennoch ziehe ich teilweise, wenn auch wirklich sehr selten, einen Nutzen aus diesen E-Mails. Sie können Ideengeber sein. Nachdem ich stets eine freundliche Absage zurücksende, schaue ich mir das Produkt, für das ich schreiben sollte, immer an. Und wenn es mir tatsächlich gefällt, schreibe ich vielleicht auch darüber. Ohne Geld, ohne “Entschädigung” und nur aus dem Grund, weil es ein gutes Produkt ist. Ob und wo ich dann letztendlich einen Link setze, das bleibt allein in meiner Hand.
Verkauft nicht euer Herz!
“Ja, aber mit Kennzeichnung ist doch alles O.K.?” Nun, wenn man einen Hinweis gibt, dass man Geld für einen Artikel genommen hat (und somit dem oben angesprochenen Ideal der Transparenz entspricht), dann ist das zwar schon ein guter Schritt in die richtige Richtung, bringt aber den Leser wenig weiter. Ob das Produkt nämlich gut ist oder schlecht, das entscheidet in diesem Fall nicht der Blogger, sondern die PR-Agentur oder der Auftraggeber. Der Sinn des Bloggens ist doch, dass man vielleicht nicht journalistisch korrekt arbeiten muss, dass man auch mal subjektiv sein darf und dass man das schreibt, was einem gefällt. Also bitte, liebe Blogger, die ihr sponsored Content auf euren Seiten verwendet: Minimum ist die Kennzeichnung, am besten lasst ihr es aber ganz. Verkauft nicht euer Herz an eine PR-Agentur für 4.000 € im Monat. Eure Leser werden es euch danken!
Bild: “Jannik Schall” / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz (by-nc)








So halte ich es auch auf meinem Blog. Keine bezahlten Artikel! Auf Werbung wird auch verzichtet.
Hallo Tobias,
generell gebe ich Dir Recht, ich reagiere auch nicht auf Anfragen, ob ich mir vorstellen kann, irgendwas zu verbloggen, egal, wieviel mir geboten wird.
Ja, es gibt sponsored Content bei mir, allerdings bisher nur 1 Artikel, ein zweiter wird folgen, da bin ich an die Firma (den Versand) ran getreten und habe gefragt, ob die Möglichkeit bestehen würde, Artikel zum testen zu erhalten.
Es sind auf jeden Fall Artikel, die thematisch ins Blog passen, ich verblogge nicht irgendwas, um Content zu haben, ich habe sogar ein Thema vor kurzem einem anderen Blogger gegeben mitsamt den Bildern, da es bei mir nicht rein passte, er hat es verbloggt und einen Trackback gesetzt.
Nun magst Du mich deswegen aus dem Feedreader werfen, wenn ja, dann ist das so, ich würde es verstehen.
LG
Michael
Hi Michael,
Moment: Testberichte sind ein meilenweiter Unterschied von bezahlten Texten! Zumindest solange DU an die Firma (den Versand) rantrittst und nicht umgekehrt.
LG
Hey Tobias :)
Was hälst du von Artikeln, die zwar bezahlt sind, aber bei denen keinerlei Meinung vom Auftraggeber vorgegeben wird? Bzw.: Was hälst du von gesponserten Artikeln, bei denen die Inhalte genau die Meinung des Bloggenden widerspiegeln?
Gruß Kiwi
PS: Ich warte noch auf ein Bild von dir ;)
Hi Kiwi,
Das ist zwar besser, aber dennoch werben wir für ein Produkt und erhalten Geld für einen Link zu ihm, den wir in aller Regel nicht kennzeichnen.
LG
P.S.: Stimmt :-D