„Welt“ meldet, dass „SPIEGEL“ meldet, dass „Welt“ nicht bestätigen will, was „SPIEGEL“ meldet

Welt Spiegel

Achtung, es folgt ein Lehrstück für absolut perfekte Unternehmenskommunikation. Präsentiert wird es von der Axel Springer AG – oder, genauer – von der „Welt“. Denn statt eine Pressemitteilung über eine wichtige Neuverpflichtung der „Welt“ herauszugeben, wählen die Berliner Kollegen eine völlig neue Variante: Sie verweisen auf eine Vorabmeldung eines anderen Mediums, in der steht, dass der eigene Verlag nicht bestätigt, was in der Vorabmeldung steht. Ganz großes Kino!

In der aussagekräftigen Kategorie „D-Massenmedien-Medien-Personalien“ findet sich auf welt.de seit gestern eine AFP-Meldung mit der Überschrift „‚Spiegel‘: Stefan Aust wird Herausgeber der ‚Welt‘„. Sie bezieht sich auf „SPIEGEL“-Informationen, die „SPIEGEL ONLINE“ am Samstagabend vorveröffentlicht hat. Der Wechsel des Ex-„SPIEGEL“-Chefredakteurs und jetzigem N24-Miteigentümers solle erst nächste Woche bekannt gegeben werden, heißt es darin.

Der „Welt“ ist das egal, sie meldet trotzdem fröhlich:

Der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust wird laut einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins neuer Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“. Die Personalie solle Anfang dieser Woche verkündet werden, berichtete der „Spiegel“ am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Der Axel-Springer-Verlag und Aust wollten dies demnach weder bestätigen noch dementieren.

Die AFP-Meldung ist wohl automatisch in den Nachrichtenstream von welt.de gelaufen. Vielleicht sollte man aber dann doch vor der Veröffentlichung noch mal drüber schauen… Wer also künftig nicht weiß, wie er wichtige Nachrichten unter die Leute bringen soll, hier ein einfacher Leitfaden für einwandfreie Unternehmenskommunikation:

  • Erstens: Warten, bis ein anderes Medium an die gewünschten Informationen kommt. Wünschenswert wäre natürlich, dass das der „SPIEGEL“ wäre, denn: „Laut einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins“ klingt einfach so schön. (Wahlweise kann man auch nachhelfen und den Kollegen ein paar Informationen zustecken.)
  • Zweitens: Nun warten, bis eine Nachrichtenagentur eine Meldung daraus macht oder das Medium selbst eine Vorabmeldung schreibt.
  • Drittens: Die Meldung in den automatischen Nachrichtenstream laufen lassen – ganz zufällig natürlich, damit es nicht auffällt.
  • Viertens: Fertig! Nun weiß wirklich jeder bescheid und Leute wie ich schreiben über die herausragende Unternehmenskommunikation in ihren Blogs.

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

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