Schon 2009 erschien “Zeitungszeugen” in den deutschen Zeitungsregalen. Damals erregte die Sammlung von Printmedien, die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland erschienen sind, große Aufregung. Es entbrannte eine Diskussion, ob es nicht zu gefährlich sei, teilweise härteste Hitler-Propaganda allen zugänglich zu machen. Der Freistaat Bayern hat sogar gegen die Edition geklagt und vor Gericht verloren. Nun ist das immer donnerstags erscheinende Magazin wieder da und bietet neben zwei bis drei ausgewählten, original nachgedruckten Zeitungen aus der Hitler-Zeit Analysen, Einschätzungen und Erklärungen von vier Journalisten und zehn Wissenschaftlern und Historikern.

Das Konzept ist, die Publikationen kritisch zu betrachten und Propaganda von freiem Journalismus zu trennen. Dabei ist es wichtig, genau hinzuschauen und zu wissen, welche Zeitung für was stand. Die beigefügten Zeitung werden dann genau durchleuchtet und Artikel für Artikel analysiert, stets mit der Einschätzung eines Experten.

In der ersten Ausgabe liegen die “Deutsche Allgemeine Zeitung” (DAZ), “Der Angriff” und “Der Kämpfer” bei, die vor der Analyse mit Fakten und Informationen charakterisiert werden. Man erfährt also schon vorab viel über die politische Richtung, Auflagenzahlen, Einfluss der Regierung und Finanzierung. Außerdem gibt es Infos über das, was von Deutschland in die Welt drang und was in der internationalen Presse über die Entwicklungen zu lesen war. Eine weitere Kategorie nennt sich “Propaganda”. Dort werden auf etwa einer halben Seite Propaganda-Bilder oder -Plakate gezeigt und ähnlich wie bei den Zeitungen analysiert.

Die einzelnen Ausgaben beschreiben chronologisch einzelne Ereignisse. Eine Art Inhaltsverzeichnis in der ersten Ausgabe legt das wie folgt grob fest:

    1933 – Reichstagsbrand; Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund
    1934 – “Röhm-Putsch”; Hindenburgs Tod
    1935 – Nürnberger Gesetze
    1936 – Militarisierung des Rheinlandes; Olympische Spiele in Berlin
    1937 – Hitlers geheime Kriegspläne
    1938 – Einmarsch in Österreich; Reichspogromnacht
    1939 – Besetzung Prags; Angriff auf Polen
    1940 – Niederlage Frankreichs; Mord an Kranken und Behinderten
    1941 – Op. Barbarossa: Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion; Angriff der Japaner auf Pearl Harbor
    1942 – Massenmord an den Juden; Bomben auf deutsche Städte
    1943 – Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad
    1944 – Landung der Aliierten in der Normandie; Stauffenbergs Attentat
    1945 – Kapitulation am 8. Mai; Hitlers Selbstmord

“Zeitungszeugen” erscheint jeden Donnerstag und kostet 3,90 € pro Ausgabe (mit Ausnahme der ersten Ausgabe für 1,00 €). Zwar sind es je nur acht Seiten mit Expertenanalysen und Einschätzungen, allerdings sind diese im DIN A3-Format vollgepackt mit Fakten und Informationen.

Das Konzept “Zeitungszeugen” überzeugt mich bislang voll und ganz. Auch ich sehe eine Gefahr darin, die Ausgaben der damaligen Zeit komplett und unzensiert abzudrucken, allerdings entkräften die Wissenschaftler die Aussagen und die Propaganda fachkundig und ausführlich. Besonders gespannt bin ich auf die zweite Ausgabe, die die konträre Berichterstattung über den Reichstagsbrand behandelt. Für Geschichtsfans und Solche, die es werden wollen, ist die Edition “Zeitungszeugen” definitiv eine Alternative zu schnöden Geschichtsbüchern. Daumen hoch!

Mehr Infos: ZEITUNGSZEUGEN.de

3 Responses to “Zeitungszeugen”: Zeitungen aus der Hitler-Diktatur kritisch betrachtet

  1. Marcel sagt:

    Die Ausgaben der damaligen Zeit müssen komplett und unzensiert gedruckt werden. Andernfalls erfolgt keine richtige, 100% Aufklärung. Man kann dem Menschen nicht immer nur Häppchen zu werfen manchmal muss es auch die unverblümte reale Wahrheit sein.

  2. Mal ganz ernsthaft….welcher Historiker, Forscher, Lehrer oder sonstig historisch Interessierter kauft sich diese Zeitung? Niemand!Diese bedienen sich anderen sriösen Quellen, wie z.Bsp. Archiven. Hier wird irgendein Dokumantationswert suggeriert, der meines Erachtens nur als Deckmantel dient. Statt dessen versucht der Herausgeber ganz geschickt die Klientel, wie die der “National Zeitung” des Dr. Gehrhard Frey, zu erreichen. Eine ideale Lektüre für Alt-Nazis und die, die es noch werden wollen. Hier geht es lediglich darum, an dem leider immer noch viel zu großen braunen Sumpf zu verdienen und der restlichen Gesellschaft dieses als harmlos zu verkaufen.

    • tobiasgillen sagt:

      Welcher Historiker kauft sich denn auch eine Zeitung mit Inhalten, die er genau kennt? “Zeitungszeugen” ist eben für die Menschen gemacht, die nicht die Möglichkeiten haben, in Archiven zu buddeln oder wenn, dann an die, die das aus Archiven nicht verstehen. Die Gefahr besteht natürlich, wie ich auch geschrieben habe, aber es ist vertretbar.

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