A never ending Story: iOS und das Werbe-Tracking

Privatsphäre hin, Datenschutz her: Ich nutze Twitter, ich nutze Facebook, ich nutze WhatsApp und ja, werft Steine nach mir, ich google auch ab und an mal. Es gibt aber eine Sache in dem alltäglichen Wahnsinn der Apps und der Netzwerke, die für mich gar nicht geht: Standortbestimmung. Apps wie Foursquare oder die Standortbestimmung von Facebook-Fotos sind für mich absolut tabu. Ich möchte nicht, dass mein Standort verbreitet wird. Nicht in meinem mehr oder minder privaten Freundeskreis und schon gar nicht öffentlich. Diese Meinung kann man teilen, muss man aber nicht. Apple teilt sie scheinbar nicht. Denn nach dem großen Tracking-Drama 2011 gibt es in iOS 6 erneut eine Standortbestimmung und ein Nutzungstracking – für Werbezwecke.

Angepasste Werbeanzeigen

Kleine Frage an die Vielzahl der Keynote-Verfolger unter euch: Hat Tim Cook oder ein anderer der Apple-Verantwortlichen bei der iOS 6-Vorstellung im Sommer irgendetwas von einer „Werbungs-ID“ gesagt? Meines Wissens nach nicht. Diese „Werbungs-ID“ nennt sich „Identifier For Advertisers“, kurz: IFA. Sie ermöglicht es werbetreibenden Unternehmen, die iPhone-Nutzer bei ihrer Nutzung auf Schritt und Tritt – wenn auch anonym – zu verfolgen. So wird die IFA beispielsweise mit Apps und dem Safari-Browser verknüpft und verschafft den Unternehmen genaue Daten über unser Nutzungsverhalten.

Schade ist, dass Apple hier nicht mit offenen Karten spielt. Unter dem in iOS 6 neu angelegten Menüpunkt „Datenschutz“ ist nämlich von „Ad-Tracking“ nichts zu lesen. Hier können einzig die „ortsabhängigen iAds“ deaktiviert werden, die – wie ich finde – auch schon zu weit gehen, da sie den Standort der Nutzer an werbetreibende Unternehmen vermitteln und diese so – genau passend zu unserem Aufenthaltsort – Werbeanzeigen anpassen können.

Offene Karten, bitte!

Die „Werbungs-ID“, „Ad-Tracking“ oder „Identifier for Advertisers“ ist ganz versteckt am hintersten Ende der Einstellungen-App zu finden. Unter Allgemein -> Info -> Werbung findet man dann den Punkt „Ad-Tracking beschränken“, der standardmäßig deaktiviert ist. Deaktiviert klingt gut? Falsch! Einzig die Beschränkung wurde deaktiviert. Wer also das Ad-Tracking deaktivieren möchte, muss die Option aktivieren. Kompliziert? Genau!

Es wird hier wieder bewusst um die Daten der Nutzer gekämpft, was schade ist. Apple hätte den Dienst, der ja wirklich eine Verbesserung zur früheren UDID ist, offen vorstellen sollen. Nun bekommt die IFA wieder einen faden Beigeschmack, etwas Geheimnisvolles.

Wer nicht möchte, dass Firmen standortbezogene Werbung schaltet, sollte also einmal unter Datenschutz -> Ortungsdienste -> Systemdienste -> Ortsabhängige iAds schauen. Wer das „Ad-Tracking“ deaktivieren will, der sollte es in den allgemeinen Einstellungen deaktiv… ehm, aktivieren.

Wusstet ihr von Anfang an vom „Ad-Tracking“? Was haltet ihr davon? Ist es bei euch schon deaktiviert?

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

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