„And we danced, we cried, we laughed and had a really really really good time“ – (M)Ein Jahresrückblick 2013

Dankeschön!

Es ist Freitag, Anfang September, etwa 19 Uhr. Während viele schon seit zwei Stunden Feierabend haben und ins Wochenende starten, ist an der Ericusspitze in Hamburg noch helle Aufregung. Die Produktion vom „SPIEGEL“ steht an, Texte müssen fertiggestellt werden, die Rückläufe aus der Chefredaktion werden erwartet, letzte Autorisierungen von Interviewpartnern trudeln ein. Manchmal geht das alles schneller, manchmal dauert es eben länger – in jedem Fall aber gehen einige Mitarbeiter erst lange nach Mitternacht aus dem Haus. Für mich ist es ein trauriger Freitag. Ich sitze auf einem Stuhl im Büro des Ressortleiters, meine Verabschiedung aus der zweimonatigen Hospitanz im Medienressort steht an. Zuvor habe ich mich schon von einigen Menschen, die ich über die acht Wochen sehr lieb gewonnen habe, verabschiedet. Ich bin schlecht in sowas: Auch wenn ich mich auf Zuhause freue, es war eine wunderbare Zeit und ich bin den Tränen nah. Im Büro des Ressortleiters läuft Musik, aktuell spielt die Playlist „Read all about it“ von Emeli Sandé, ein trauriges Lied. Das macht den Abschied nicht einfacher.

Die letzten Zeilen sind geschrieben, die letzten Worte gewechselt. Im Aufzug fahre ich mit einem Kollegen, der mir ganz besonders ans Herz gewachsen ist. Nicht nur, weil er der Ursprung dieser tollen Hospitanz war, sondern weil er für mich mehr als nur ein Kollege ist. Er ist ein Freund geworden – und ich bin froh, ihn kennengelernt zu haben. Wir laufen gemeinsam gen Jungfernstieg, unterhalten uns über das, was war – und über all das, was noch kommt. Am Rathaus trennen sich unsere Wege. Am nächsten Morgen wird er Hamburg wenige Stunden vor mir verlassen. Mit dem Unterschied, dass er zurückkommt. Ich schaue noch mal auf die Alsterfontäne, genieße die angenehme Spätsommerluft. Hamburg ist mir ans Herz gewachsen, Hamburg ist ohne Zweifel die schönste Stadt unseres Landes – und das sage ich, obwohl ich jedes Mal einen Anflug von Gänsehaut habe, wenn ich den Kölner Dom sehe, obwohl ich trotz aller Höhen und Tiefen begeisterter Effzeh-Fan bin und obwohl ich die Kölner Mentalität jeder anderen direkt vorziehen würde.

Hamburg war für mich das einschneidendste Erlebnis in diesem Jahr. Ich durfte viel lernen, habe tolle Menschen kennengelernt, war mittendrin, als Mathias Döpfner das Erbe von Axel Springer an die Funke Mediengruppe verkaufte und als Kamerateams versuchten, in die erste Redaktionskonferenz von Wolfgang Büchner zu filmen, der kurz zuvor den „BILD“-Vize zum „SPIEGEL“ holte. All das möchte ich nicht missen, auch wenn der Abschied schwer war.

Doch das Jahr hatte noch viel mehr zu bieten. Einige Türen schlossen sich, umso mehr öffneten sich wieder. Kapitel wurden geschrieben, neue angefangen. Ich erinnere mich zurück an ein Neujahr in Berlin mit meinem besten Freund, an meinen Spontantrip zur ProSieben-Pressekonferenz von Joko und Klaas zu „Circus Halligalli“ im Januar in Hamburg, an meinen Arbeitsbeginn bei „BASIC thinking“, an mein „SPIEGEL ONLINE“-Debüt, an viele kritische Diskussionen mit meinen Lesern. Oder an mein Grünen-Ferrari-Bild, das abging „wie eine Rennmaus nach dem dritten Espresso“ („Thuner Tagblatt“) und mir Blog-Zugriffe aus der ganzen Welt, dreihundert neue Fans und Follower und einen mental unfassbar anstrengenden Shitstorm inklusive drei Tage Arbeitsunfähigkeit einbrachte.

Das alles zu einer Zeit, in der ich ohnehin mehr als angespannt war. Mein erstes E-Book, „Verschlüsselt! Wie ich sichere Kommunikation im Netz lernte“ war gerade raus, ich durfte ein Interview nach dem anderen geben, fand meinen Namen und meine Stimme unter anderem in der „taz„, bei „t3n.de„, im RBB und auf Antenne Düsseldorf. Covergestaltung, Konvertierung und Marketing machten das „Projekt E-Book“ zu einer der vielseitigsten Erfahrungen, die ich bislang machen durfte. Und viele tolle Rezensionen, kritische und lobende E-Mails und wochenlanges Halten auf Platz 1 in meiner Kategorie machten es unter dem Strich zu einem gelungenen Erlebnis.

Nun vielleicht noch ein Blick auf die harten Fakten in diesem Jahr, die sich insgesamt alle sehr positiv entwickelt haben. 2013 habe ich ziemlich genau 1.000 Twitter-Follower dazugewonnen, 450 Facebook-Fans begrüßen dürfen und wurde von 180 neuen Abonnenten auf Google+ „eingekreist“. Die Zahlen hier auf dem Blog sind zwecks einiger Wochen Stillstand zwar eingebrochen und ich konnte die 170.000 Klicks aus dem letzten Jahr nicht ganz halten, aber auch mit 150.000 bin ich mehr als zufrieden.

Zum Schluss möchte ich noch einigen Menschen aus meinem privatem und beruflichem Umfeld danken. Danken dafür, dass ihr mich in schlechten Zeiten stets über Wasser haltet und mich in sehr guten Zeiten auch mal mit dem Kopf unter Wasser tunkt, damit ich nicht allzu sehr abhebe. Danken für viel guten Zuspruch, ein immer offenes Ohr, viel Zeit, Zuwendung, Hilfe, Rat, Tat und das Glück, euch kennengelernt zu haben. Danken dafür, dass ihr all den Blödsinn mitmacht, den ich mir so ausdenke („ICH SCHREIB JETZT EIN E-BOOK!“ – „Schatz, leg dich wieder hin, es ist halb drei Uhr morgens…“) und stets hinter mir steht. Euch alle zu nennen, würde den Rahmen sprengen und das Risiko beinhalten, jemanden zu vergessen. Aber ich bin sicher, ihr wisst, wen ich meine.

Und nun habe ich euch lange genug aufgehalten. Habt ein frohes Fest, genießt die besinnlichen Tage mit der Familie und kommt gut ins neue Jahr. Wir lesen uns 2014.

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

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