Von Schrödingers Katze zur GmbH: Hallo, BASIC thinking GmbH

Tim Schumacher Tobias Gillen

Schrödingers Katze ist ein Gedankenexperiment aus dem Jahr 1935 des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger. Seine These: Solange sich eine Katze von der Außenwelt abgeschirmt in einer Kiste mit einer Giftampulle befindet, kann man sie sowohl als tot als auch als lebendig ansehen. Gewissheit über ihren Zustand hat man erst, wenn man die Kiste öffnet. 

Vor etwas über 10 Monaten war ich Schrödingers Katze. Es ist Anfang des Jahres als man mir mitteilt, dass BASIC thinking verkauft werde. Der Spiegel macht das etwas später, Mitte April, dann publik. Es ist eigentlich paradox, dass ich mich mit um die Vorbereitung der Auktion kümmern soll. Das fühlt sich an, wie seinen eigenen Grabstein zu beschriften. Ich bin in diesen Wochen so gut wie arbeitslos. Oder auch nicht, schließlich weiß man nicht, was der zukünftige Käufer mit der Seite vorhat. Es ist, wie in dieser Kiste zu sitzen. Man weiß erst was Sache ist, wenn sie geöffnet wird. Schrödingers Katze eben.

Um meine Verbindung zu BASIC thinking zu verstehen, muss ich etwas ausholen. Im März 2013 bewerbe ich mich auf eine freie Stelle als Blogger. Ich habe zu dieser Zeit diverse private Tiefschläge hinter mir, BASIC thinking ist eine gute Chance, wieder auf die Beine zu kommen. Zwei Probetexte später werden wir uns einig, bauen das Arrangement über die nächsten Wochen aus, bis die Arbeit für mich zu einem festen Standbein wird. Mir stehen zu dieser Zeit einige Türen offen, ich schlage sie zu. Warum, weiß ich nicht. Denn zufriedenstellend ist die Arbeit nicht. Sie fordert mich nicht, News abschreiben ist öde. Aber es ist ein Job, der mir finanzielle Sicherheit gibt in einer Zeit, in der ich genau das brauche.

Gehen? Bleiben.

Anderthalb Jahre später, im August 2014, bietet man mir die Chefredaktion an. Ich akzeptiere, auch wenn die Mittel knapp und die Freiheiten begrenzt sind. Etwas verändern, das sinkende Schiff umdrehen – so ist das nicht drin. Das Scheitern von BASIC thinking ist vorprogrammiert. Und nötig. Auch hier bin ich dem Abschied nah, schaffe ihn aber nicht. Der Reflex abzuspringen erreicht sein Maximum, als ich von der Auktion erfahre. Warum mich dem Spott aussetzen? Warum den Stress mitmachen, wenn die Seite doch vor dem Aus steht? Ich bleibe. Warum, weiß ich nicht. Erneut.

In den folgenden Wochen gibt es diverse Telefonate mit Interessenten der Seite, die natürlich auch mit mir sprechen wollen – ich bin schließlich am nächsten dran. Mit ein paar gibt es Sympathien meinerseits, mit vielen nicht. Mir widerstrebt vor allem der Gedanke, aus BASIC thinking eine PR-Klitsche zu machen. Der Domain wegen, sagen sie. Die ranke ja gut bei Google, sagen sie. Ich höre längst nicht mehr zu. BASIC thinking hat zu dieser Zeit seine besten Zeiten hinter sich, ohne Frage. Aber das ist der Marke einfach unwürdig.

Tick, tack, tick, tack. 15:30 Uhr.

Zwei Telefonate führe ich in dieser Zeit mit Unternehmer Tim Schumacher. Er ist der erste und einzige Interessent, der mich nach meinen Ideen für die Zukunft fragt. Ich erzähle ihm davon, die Währung Klicks abzuschaffen. Verweildauer, Social Signs, Kommentare – alles viel aussagekräftiger als billige Klicks. Zudem nervt mich das Newsabgeschreibe von CaschyHeise oder Spiegel Online. Deren Abläufe sind auf News ausgerichtet, die machen das schnell, zuverlässig und gut. BASIC thinking ist nicht dafür gemacht – nicht mit den Abläufen, nicht mit den Mitteln, nicht mit dem Personal. Warum nicht mehr Zeit nehmen? Längere Stücke. Eins pro Tag, statt drei News.

Der 30. April, Stichtag der Auktion, ist ein dunkler Tag für mich. Heute öffnet sich die Kiste. Lebendig oder tot? Ich bin schlecht drauf, habe wenig geschlafen, bin dazu noch krank, mein Abschiedstext ist geschrieben und liegt bereit. Nun entscheiden Gebote und Glück über die Zukunft von Marke, Redaktion und mir. Wem ich die Daumen drücke, bleibt mein Geheimnis. Schwer zu erraten dürfte es nicht sein. Gegen 15:30 Uhr, als die letzten Sekunden runterlaufen, verfolgt meine Freundin das Geschehen am Laptop auf der Couch. Ich bin nicht im Raum, höre ihr aber an, dass es gut ausgegangen sein muss.

Luxus, fernab des Anspruchs

Sie weiß natürlich von den Abmachungen mit ein paar der Interessenten. Sie weiß, mit wessen Ideen ich sympathisiere. Und sie weiß von meinen vielen Ablehnungen. Als klar ist, dass Tim die Seite für über 27.000 Euro gekauft hat, fällt die Last ab. Schrödingers Katze lebt. Denn die Abmachung mit Tim ist, dass ich die Seite entsprechend meiner Ideen weiterführen kann. Ohne Einmischung. Ohne Einschränkungen. Einfach das umsetzen, was ich für richtig halte. Neben der Chefredaktion erhalte ich die Geschäftsführung, bin mit völlig neuen Aufgaben konfrontiert. Gehälter, Abrechnungen, Excel-Tabellen, Verträge – not my business. Bis dahin.

Denn irgendwann, von jetzt auf gleich, empfinde ich die neuen Aufgaben nicht mehr als Last. Es macht Laune, das Ding zu entwickeln und die ersten Erfolge zu sehen. Im Mai schreiben wir noch Verluste, im Juni war BASIC thinking auf Null und ab Juli macht das Ding Gewinne. In Anbetracht des dauerhaft defizitären Zustands in der Vergangenheit ein Umstand, auf den ich nicht nur ein bisschen stolz bin.

Hallo, BASIC thinking GmbH!

Das ist nun auch Grund genug, den nächsten Schritt zu gehen. So waren Tim und ich am vergangenen Mittwoch beim Notar in Köln und haben dort zum 1.1.2016 die BASIC thinking GmbH gegründet. Tim hält 74,9 Prozent, ich übernehme 25,1 Prozent von ihm und werde (bzw. bleibe) Geschäftsführer. Am Aufbau ändert sich also nicht viel (außer eben die Beteiligungen). Im Hintergrund aber arbeiten wir bereits an einigen Projekten, die die BASIC thinking GmbH im neuen Jahr umsetzen wird. Dazu später aber mehr, nun heißt es erstmal: Die letzten Tage in 2015 genießen!

Es ist aber nun auch mal an der Zeit, all den tollen Menschen zu danken, die stets an meiner Seite sind und mich bei diesen Dingen unterstützen. Die mich über Wasser halten, wenn es mir bis zum Hals steht. Und die mich ab und zu auch mal untertauchen, damit ich nicht allzu sehr abhebe. Meiner Familie, allen voran Christina, die all den Sinn und Unsinn mitmachen muss, den ich mir tags und nachts so ausdenke. Tollen Freunden und Kollegen, die immer ein offenes Ohr haben. Der BASIC thinking-Redaktion, die eine unglaubliche Arbeit leistet und über die vergangenen Monate – so mein Eindruck – noch mehr zusammengerückt ist. Und natürlich Tim, für sein Vertrauen und die einzigartige Chance, meine beruflichen Träume zu verwirklichen.

Am Ende steht eine Erkenntnis. Man muss nicht immer wissen, warum. Manchmal passieren Dinge einfach. In meinem Fall die zugeschlagenen Türen, die verpassten Abschiede, die letzten Sekunden der Aktion. In diesem Sinne: Habt eine schöne Weihnachtszeit, kommt gut ins neue Jahr, lasst es euch gut gehen!

Wir lesen uns hier 2016 wieder, bis dahin natürlich noch bei BASIC thinking.

Euer Tobias

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

5 Gedanken zu „Von Schrödingers Katze zur GmbH: Hallo, BASIC thinking GmbH“

  1. Toll, einfach nur toll zu lesen, dass Du es geschafft hast, BT zu dem zu machen, was andere nie wollten. Ich kann sagen, dass ich mich sehr für dich und den Blog freue. Mach weiter so! :-)

  2. Mein größter Respekt für die Geduld, die du BT entgegen gebracht hast. Als alter Hase im Redaktionsteam stand ich auch immer wieder vor dem Absprung, habe jedoch an deine Vision geglaubt und bin deshalb gerne auch durch dürre Zeiten gegangen. Was das Team über die Monate geleistet hat, ist aller Ehren Wert. In diesem Sinne, auf 2016! :)

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