„Das Jenke-Experiment“: 10 Dinge, die wir nicht lernten

Jenke von Wilmsdorff, der sympathische Fernsehjournalist von RTL, wurde 2012 mit dem Juliane-Bartel-Medienpreis für seine Reportage „Das Jenke-Experiment“ ausgezeichnet. Dort fungierte er als „alleinerziehende Mutter“ in einer Gastfamilie und schaffte kurzweilige Einblicke in das Leben seiner „Familie“. Nun dehnt RTL die Serie aus und schickte Jenke am Montagabend – kurz, nachdem bei „Wer wird Millionär“ mal wieder die Million geknackt wurde – in vier Wochen Dauersuff. Einen Monat sollte Jenke durchgehend einen Alkoholpegel von ein Promille halten. „Mein Arbeitgeber zahlt“, gab dieser gleich zu Beginn zum Besten. Kein Mehrwert, einfachste Quotengeilheit.

„Warum, RTL, warum?“, schrieb die Medienjournalistin und Schülerin der Deutschen Journalistenschule Sara Weber auf Twitter. Mir ging in etwa das Gleiche durch den Kopf, als ich den Anfang des Formats sah. Von Wilmsdorff feierte seinen Geburtstag mit einer Horde Facebook-Fans und Dschungel-Kandidatin Olivia Jones. Er trank, trank weiter, stürzte ab, musste sich von seiner Freundin mit den Worten „peinlich, Jenke, peinlich“ ins Hotelzimmer buxieren lassen und stellte am nächsten Morgen überraschenderweise fest, dass ihm tierisch schlecht sei und er sich nicht mehr an den vorherigen Abend erinnern könne.

Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, die vier Stufen des Alkoholkonsums zu beschreiben und eine auffallend innovative Grafik des Gehirns war natürlich auch mit am Start. Ansonsten lernte man zwischen den zwei Werbepausen vor allem ganz viele spannende Dinge, die man garantiert vorher noch nicht gewusst hat. Hier mal eine Auswahl:

    1) Männer trinken am Tag früher als Frauen, weil – Zitat eines Kneipengastes – „die Frauen noch kochen müssen.“
    2) Einen Schnaps mit „49 Umdrehungen“ sollte man „nippen“, nicht – wie Jenke – „kippen“
    3) Alkohol verursacht nach 25 Tagen Dauersuff Schmerzen.
    4) Alkohol ist heimtückisch.
    5) Durch Alkoholkonsum steigt die Reaktionszeit im Straßenverkehr.
    6) Nach 25 Tagen Dauersuff ist man auf dem direkten Weg in die Abhängigkeit.
    7) Für Ungeborene kann Alkohol sehr, sehr schädlich sein.
    8) Frauen vertragen weniger Alkohol als Männer.
    9) Für Kinder ist der Alkoholkonsum der Eltern schlimm.
    10) Alkohol macht träge, man fühlt sich „leicht betäubt“ und „dumpf im Kopf“

Bitte nicht falsch verstehen: Alkoholabhängigkeit ist eine ganz schlimme Sache, die ich hiermit nicht in irgendeiner Weise ins Lächerliche ziehen möchte. Aber: Sind das wirklich solch neue Erkenntnisse? Von Wilmsdorff trug letztlich tatsächlich kurzfristige Schäden aus dem Experiment und das für den Mehrwertsgehalt von einer Woche „Galileo“ auf ProSieben?

Es ist Quotengeilheit „at its best“. Nicht ungewöhnlich für RTL, aber schade für ein Format, das eigentlich viel Potenzial hat. Der Ansatz, über Dinge nur dann zu urteilen, wenn man sie auch selbst erlebt hat, ist ja nicht verkehrt, doch sollte man mehr Wert auf die Themenauswahl legen. Einen Menschen vier Wochen lang in den Dauersuff zu schicken, hat im deutschen Fernsehen – ob mit pseudo-wissenschaftlichem Hintergrund oder ohne – nichts verloren.

Mir ist bewusst, dass sich am „Jenke-Experiment“ die Geister scheiden werden. Ich persönlich halte es jedenfalls für vollkommen am Sinn vorbei geschossen. Jenke von Wilmsdorff kann spannende, kurzweilige Reportagen liefern. Man muss ihn nur richtig einsetzen.

Was meint ihr?

"Das Jenke-Experiment"

Montag, 11. März 2013. 21:15 Uhr. RTL.

Storified by Tobias Gillen· Mon, Mar 11 2013 14:49:32

RTL lässt #Jenke vier Wochen saufen. Mehrwert gleich null, Quotengeilheit at its best. #undausTobias Gillen
Finde den #Jenke echt mega sympathischTanja
Nächste Woche: Wie fühlt sich ein Mörder nach der Tat? #Jenke geht der Sache auf den Grund. ;-) #RTLpowerphil
War ein sehr interessantes #jenke #experiment heute #alkoholsuchtRebecca
Großes Lob an das #Jenke Experiment. Hoffe, dass weiter solch wichtige Themen im Privatfernsehen gezeigt werden. #RTLChristian Hansen
Sorry, hab kein Verständnis für das #jenke #jenkeexperiment. Es soll abschrecken und so ok .. Aber für wieviel Geld zerstört man sich so??C▲RO
Deswegen gibt’s nur am Wochenende Alkohol #JenkeRobert L.
#Jenke könnte ja mal untersuchen was exzessives @RTLde schauen mit den Nervenzellen im Gehirn anrichtet. Gleich früh ab 6Uhr anfangentomkov
#jenke #RTL Fakt ist, dass man dann eindeutig dann ein Alkoholproblem hat,wenn man über sein Trinkverhalten nachdenkt.Serravina Scorpio
#Jenke macht auch alles / erst 3 Wochen nur Fast Food in sich reinstopfen & dann "Alkoholiker" werden / das ist kein #Experiment / #dummheitMel
Wenn #jenke schon nach 3 wochen vom alkohol furunkel am hintern bekommt, müssten ja alle flieger zurück von mallorca stehplätze haben.Schweiki
Bester Mann #jenkeeinzigartig
Was ist der #Jenke eigentlich für ein Mädchen? Manch Twitterer trinken das was er da in 25Tagen trinkt an einem WE. ;) #JenkeExperiment #RTLBlubbsi
An dieser Stelle ein Compliment an #Jenke und #RTL – super #doku (!)Tom
Ich habe ja lange in der Gastro gearbeitet, da haben sehr viele ein Alkoholproblem… #JenkeJeanneS
1/2 Das #Jenke #Experiment!Sehr gut recherchiert, erschreckende Ergebnisse und schockierend dargestellt.• Zerrissen •
So dämlich, wie viele meinen, finde ich das #Jenke Experiment gar nicht. Für viele #RTL Zuschauer ist es wohl sogar aufklärend…Kathi
#Jenke, Respekt und Prost ;) So schnell kann es gehn. #RTLKevin Zender
Dieses #Jenke-Experiment ist mal eben schweinelangweilig.Michael Keen
“Das #Jenke-Experiment”: 10 Dinge, die wir nicht lernten http://www.tobiasgillen.de/das-jenke-experiment-10-dinge-die-wir-nicht-lernten/Tobias Gillen

© RTL / Willi Weber

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

7 Gedanken zu „„Das Jenke-Experiment“: 10 Dinge, die wir nicht lernten“

  1. Kann dir nur zustimmen. ABER auf deine Frage: „Sind das wirklich solch neue Erkenntnisse?“ – sicherlich sind das keine neuen Erkenntnisse, aber was muss man denn tun, damit diese Erkenntnisse wahrgenommen werden? Darüber zu sprechen hilft bekanntlich nicht viel, da finde ich so eine Art „Versuch“ aka Experiment, visuell gesehen, keine schlechte Idee. Vielleicht bleibt da eher was hängen bei den Zuschauern. Und nun mal überlegen, was für ein Publikum gerne um die Zeit RTL schaut. :P

      1. Auf jeden Fall! Aber du sagst es ja schon: „Quotengeilheit“ braucht eben was gefährliches. Und außerdem hat Jenke wohl die letzte uns wichtigste Entscheidung zu treffen.
        Ich habe leider nicht zu Ende geschaut, glaube aber nicht, dass er irgendwelche bleibende Schäden hat, oder? Und apropos, musste die ganze Zeit an diesem Fast Food Experiment Film denken.

  2. Anfangs war ich absolut deiner Meinung. Teilweise respektlos erschienen mir die Passagen, wenn sich süffisant über Jenny Elvers ausgelassen wird oder der Suff gleich zu Beginn zelebriert/genossen wird.
    Jetzt bin ich mir aber schon nicht mehr sicher, ob nicht doch genau das Ziel erreicht worden ist: Die banale bis erbärmliche Wirkung vom Alkohol darzustellen, um eine Diskussion entstehen zu lassen.
    Hier klappt das ja schon mal…

      1. Der Preis ist ja erstmal relativ unwichtig. Solange der Reporter nur seine Gesundheit riskiert und nicht die anderer geht das für mich in Ordnung. Außer ein wenig Fremdschämen seiner Freundin und anderen Bekannten wurde ja niemand „benutzt“.
        Natürlich schwingt das Thema Quotengeilheit immer mit bei solch provokanten Formaten.
        Durch den Stellenwert von Alkohol in der heutigen Gesellschaft ist dies meiner Meinung nach aber gerechtfertigt. Vor allem die immer wieder geführten Interviews mit verschiedensten Betroffenen waren, wie ich finde, absolut auf den Punkt geführt und weit entfernt davon, das Thema nicht ernstzunehmen.
        Die meisten Kritiken gehen heute in die andere Richtung; ich fands jetzt im Nachhinein gelungen.

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