Die Medien und das Germanwings-Unglück: Wie Überschriften die Wahrnehmung beeinflussen

Beim Absturz der Germanwings-Maschine 4U 9525 zeigen sich seit Tagen die Abgründe des (Online-)Journalismus. Erneut heute, als die Staatsanwaltschaft bekannt gegeben hat, dass Andreas L., der Kopilot der Maschine, vor Erlangen des Pilotenscheins wegen „Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung war“. Eine kleine Sammlung an Meldungen, die zeigt, wie Überschriften die Wahrnehmung beeinflussen können. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass immer weniger Menschen wesentlich mehr als Schlagzeilen, Google-News-Ausschnitte oder Tweets lesen.

Germanwings
Beim Absturz der Germanwings-Maschine 4U 9525 zeigen sich seit Tagen die Abgründe des (Online-)Journalismus. Erneut heute, als die Staatsanwaltschaft bekannt gegeben hat, dass Andreas L., der Kopilot der Maschine, vor Erlangen des Pilotenscheins wegen „vermerkter Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung war“. Eine kleine Sammlung an Meldungen, die zeigt, wie Überschriften die Wahrnehmung beeinflussen können.

Wichtig sind vor allem folgende Punkte, die man der Erklärung der Staatsanwaltschaft (PDF) entnehmen kann:

1) Andreas L. war in psychotherapeutischer Behandlung, bevor er überhaupt zum Pilot wurde.

2) Andreas L. war deswegen vor mehreren Jahren in psychotherapeutischer Behandlung.

3) Andreas L. wurde bis zuletzt keine „Suizidalität oder Fremdaggressivität“ mehr attestiert, trotz weiterer Behandlung.

Losgelöst von den dahinter stehenden Meldungen zeigen die folgenden Beispiele, dass auch bei Überschriften im Online-Journalismus gilt: „Be first, but first be right.“

HuffPost

„Huffington Post“ (inzwischen korrigiert)

sz

„Süddeutsche Zeitung“

faz

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“

stern

„Stern.de“

bild

„Bild“

Handelsblatt

„Handelsblatt“

… leider unbegrenzt erweiterbar.

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

2 Gedanken zu „Die Medien und das Germanwings-Unglück: Wie Überschriften die Wahrnehmung beeinflussen“

  1. Wer Boulevard-Medien liest, erwartet solche Headlines. Das Boulevard-Niveau wird weiter sinken, denn die Leserschaft mag das offensichtlich und konsumiert wacker. Schlimm und äußerst bedenklich ist, dass nun auch bis anhin seriöse Zeitungen und Leitmedien auf diesen Zug aufspringen. Die Frage ist also, wer kann diese Perversion stoppen: Der Anbieter oder der Konsument? Wenn die Nachfrage sinkt, werden die Medien umdenken müssen.

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