Flappy Bird-Löschung: Alles nur geschickte PR?

Super Mario (links) und Flappy Bird (rechts)
Super Mario (links) und Flappy Bird (rechts)

Ein bisschen komisch ist diese „Flappy Bird“-Geschichte schon: Von jetzt auf gleich ist das – sagen wir mal – grafisch sehr einfach gehaltene Spiel mit dem kleinen Vogel, den man mit Taps aufs Display durch die Super-Mario-ähnliche Kulisse navigieren muss, auf gefühlt jedem Smartphone installiert. Und bei Werbeeinnahmen von 50.000 US-Dollar pro Tag nimmt der Entwickler es wieder vom Markt. Warum genau, bleibt sein Geheimnis.

Flappy Birds Aufstieg kann man vergleichen mit dem von Quizduell: Plötzlich hat es jeder, in der U-Bahn oder dem Uni-Hörsaal wird um die Wette geflattert und die Frustrationsgrenze nicht nur einmal erreicht. Die schon seit Mai 2013 erhältliche App feiert durch eine klassische Kettenreaktion über ein halbes Jahr nach ihrer Erstveröffentlichung plötzlich große Erfolge: Platz 1 der Download-Charts unter anderem in USA, China, Großbritannien und Deutschland. Dabei ist die Idee mal wieder sehr einfach: Kaum grafischer Aufwand, simple Steuerung und mutmaßlich bei der Aufmachung ein bisschen von einem beliebten Spiele-Klassiker abgeschaut (siehe Vergleich oben).

Offenbar ein Erfolgsrezept: 50 Millionen Mal sei Flappy Bird insgesamt heruntergeladen worden, heißt es. Werbeeinnahmen von im Durchschnitt 50.000 US-Dollar pro Tag sind die Folge, berichtet „The Verge“. Doch nun soll erst einmal Schluss sein mit der Goldgrube „Flappy Bird“. Zumindest kündigte das der Entwickler, Dong Nguyen, am Samstagabend via Twitter an. Gegen 20 Uhr deutscher Zeit eröffnete er einen 22-stündigen Countdown, an dessen Ende die App aus den Stores verschwinden solle. „I cannot take this anymore“, so der Vietnamese.

Zudem gab er in folgenden Botschaften bekannt, dass seine Entscheidung nichts mit Urheberrechtsverstößen oder einem Verkauf der App zu tun habe, er könne einfach nicht mehr. Verständlich, bei den vielen Anfeindungen, die er wegen der Super-Mario-Ähnlichkeit und dem hohen Schwierigkeitsgrad der App in den letzten Wochen abbekommen hat. Seine Botschaft jedenfalls hat längst eine satte Sause durchs Internet gemacht: Über 70.000 Retweets und 20.000 Favs erreichte sein Tweet in den ersten fünf Stunden nach seiner Veröffentlichung.

Ob die Aktion nun geschicktes Marketing oder tatsächlich ernst ist, wird sich spätestens um 18 Uhr am Sonntagabend zeigen. Aber schon im letzten Update zeichnete sich ab, dass Nguyen seiner App ein bisschen den Wind aus den Segeln nehmen wollte: Seither fehlt die Sharing-Funktion des erreichten Punktestandes. Auch auf Twitter äußerte sich der Entwickler eher negativ gestimmt zu der großen Aufmerksamkeit:

Dennoch wird sich Dong Nguyen einigen kritischen Fragen stellen müssen. Zum Beispiel, warum er die Löschung nicht einfach erst bekannt gibt, nachdem sie vollzogen ist, statt der Botschaft noch 22 Stunden Zeit zu geben, sich munter zu verbreiten. Schließlich wird die App auf den bereits über 50 Millionen Geräten weiter funktionieren – und mächtig Geld abwerfen. Der zusätzliche Wirbel, ausgerechnet ausgelöst von jenem Mann, der diesen Wirbel eigentlich gar nicht haben möchte, wird da noch mal nachhelfen.

Nun denn, wer also seine Frustrationsgrenzen noch ein wenig ausreizen möchte, kann sich also bis 18 Uhr in den einschlägigen Stores an der kostenlosen App bedienen, der man einen gewissen Spaßfaktor nicht abstreiten kann. Ansonsten heißt es abwarten, was Dong Nguyen aus dem großen Rummel um die umstrittene Erfolgs-App macht. Spiele, so der Entwickler, werde er sich aber auch weiterhin ausdenken.


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Kluge PR oder nachvollziehbare Reaktion?

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

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