„Günther Jauch“ über Schlaglöcher und das Netz über #Schlaglochfilme

Deutschland spricht über die Überwachungsprogramme PRISM und TEMPORA der National Security Agency (NSA) und des Government Communications Headquarter (GCHQ), über Edward Snowden und seine Enthüllungen, über die vom „SPIEGEL“ eingesehenen Geheimdokumente, über hungerstreikende Asylbewerber in München und über eine Bundestagswahl, die kurz bevor steht. Neben vielen anderen Themen, die man in einer öffentlich-rechtlichen Polittalkshow am Sonntagabend – zur besten Sendezeit nach dem „Tatort“ – hätte behandeln können, hat sich die Redaktion von „Günther Jauch“ für ein ganz besonders heikles Thema entschieden: „Die Schlagloch-Republik – geht Deutschland kaputt?“ Ein Storify über #Schlaglochfilme und die Frage nach der Relevanz von Schlaglöchern in einem ARD-Talk.

Das Gaspedal durchtreten und mit röhrendem Motor über tausende Kilometer glatt asphaltierter Straßen dahingleiten – in den Träumen von Autofans aus aller Welt spielen deutsche Autobahnen bislang eine Hauptrolle. Unsere Schnellstraßen sind so berühmt, dass der Begriff „Autobahn“ sogar in den englischen Sprachgebrauch übernommen wurde. Doch der Traum vom grenzenlosen Fahrspaß muss mehr und mehr der Realität weichen: Die einst makellosen Asphaltpisten sind vielerorts von Schlaglöchern durchsiebt, statt Tempo 200 muss wegen Baustellen und Staus teilweise Schritttempo gefahren werden.
Website „Günther Jauch“

Seit Günther Jauchs Wechsel zur ARD wird er eigentlich permakritisiert – und das – leider, aus Sicht eines Jauch-Fans – meist vollkommen zurecht. Oft ist die Themenauswahl einfach nur unpassend, veraltet oder irrelevant. Ist ein Thema gefunden, das halbwegs akzeptabel ist und sich für eine spannende Diskussion eignen würde, hapert es an der eben dieser. Halbgare Gespräche, zu unkritisch, faktisch inkorrekt – Etiketten, die man auf viele der jauchschen Talks kleben könnte ohne besonders zu übertreiben (das gilt übrigens auch für viele andere deutsche Talkshows, siehe etwa „hart aber fair“ tags drauf).

Das Drama gipfelte am Sonntagabend mit einer Show über Schlaglöcher. Zu Gast waren Peter Ramsauer, Bärbel Höhn, Peter Meyer, Martin Mertens und Werner Hansch. Das Thema: „Wie kaputt sind Deutschlands Straßen und Schienen? Droht uns ein Verkehrsinfarkt? Gefährdet die desolate Infrastruktur den Wirtschaftsstandort Deutschland?“ Das Thema hat sicher irgendwo seine Berechtigung, es betrifft fast jeden, hat ein gewisses öffentliches Interesse und ja, Antworten vom Bundesverkehrsminister sind auch ganz nett. Aber doch nicht zu einer Zeit, in der die Nachrichtensendungen und -magazine schier überlaufen vor neuen Enthüllungen und Fragen, die sich über Fragen häufen.

Das unter Journalisten ungeliebte Sommerloch ist momentan eher mit der Wetterlage zu begründen als mit fehlendem Stoff für ein journalistisches Produkt. Und genau das versucht Jauch mit seinem Talk trotz allem zu sein. Umso trauriger ist es, wenn das Thema eines ist, das – wenn überhaupt – gut und gerne auch in ruhigeren Wochen hätte laufen können und sicher bei „hart aber fair“ und noch schlechteren Konsorten besser aufgehoben gewesen wäre. Man hätte über so vieles sprechen können, die zuschauerfinanzierte Sendezeit so sinnvoll und qualitativ hochwertig füllen können. Stattdessen gibt es nur den langatmigen Versuch, ein langatmiges Thema in ein Format zu zwängen, in das es schlicht nicht gehört.

Im Netz hat der Spott über die Themenauswahl bei „Günther Jauch“ auch nicht lange auf sich warten lassen. Schnell entwickelte sich ein Hashtag, um diesem freien Lauf zu lassen: Unter #Schlaglochfilme werden Filmtitel „ganz nach Jauchs Geschmack“ abgeändert, etwa wie folgt:

Am Ende von „Die Schlagloch-Republik“, dessen Titel eher an einen „ultimativ-investigativen Reporter-Selbstversuch“ bei „Stern TV“ – Jauchs früherem Arbeitgeber – erinnerte, forderte der Talkmaster seine Zuschauer auf, sich fleißig per Mail zu melden. Thema: Bundestagswahl 2013. „Ab Ende August“, nach der Sommerpause von „Günther Jauch“ (25.8.), gehe es dann damit weiter. Jetzt gibt es erst mal Pause – puh.

Kurzes Update: DWDL.de hat bei Jauch nachgefragt: „Natürlich kann man, vor allem nach einer Sendung, zum Ergebnis kommen, dass auch ein anderes Thema möglich oder vielleicht sogar besser gewesen wäre“, gibt er zu.

Auflistung aller „Günther Jauch“-Themen, #Steinbrückfilme

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

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