Printmedien nach der Wulff-Trennung

Christian Wulff, Ex-Bundespräsident und zukünftig auch Ex-Mann. Gestern hat Kai Diekmann auf Bild.de über die Trennung exklusiv aus dem Silicon Valley berichtet und binnen weniger Minuten poppten etliche Nachrichten-Apps (auch „SPIEGEL Online“, was mich persönlich sehr enttäuscht hat) mit „+++ EIL +++“-Meldungen auf, die von dem Ehe-Aus berichteten. Natürlich ist die Trennung des Bundespräsidenten a.D. ein Thema, natürlich ist es von großem öffentlichem Interesse und natürlich wird darüber berichtet. Aber mit Pop-ups und Eilmeldungen? ZDF-Redakteur Martin Giesler hat auf seinem Blog daraufhin unter anderem beklagt, dass das Thema gestern Aufmacher bei vielen großen Nachrichtenseiten war. Hier ein Blick auf die Tageszeitungen von heute.

Hier ein Überblick:

via Meedia.de

Außerdem…

… waren diese Blätter gute Beispiele:

„Süddeutsche Zeitung“ geht gar nicht darauf ein auf der Titelseite.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bringt es als kleine Meldung oben links auf der Titelseite.
„taz“ bringt es ebenfalls nur mit Verweis auf die Innenseiten oben links.
„Berliner Zeitung“ bringt es nur im Header oben links mit Verweis auf die Innenseiten.

… hielten sich diese Blätter ebenfalls im Rahmen:

„Berliner Morgenpost“ bringt die Trennung unten zentral als Meldung.
„Hamburger Abendblatt“ bringt es im Header als Einzeiler mit Verweis auf die Innenseiten.
„Augsburger Allgemeine“ bringt es wie die „Berliner Morgenpost“ unten zentral als Meldung.

… zeigten sich diese Blätter eher schwach:

„Stuttgarter Nachrichten“ bringen es mittig als Meldung.
„Südwest Presse“ bringt es auf der Eins als Aufmacher.
„Rheinische Post“ macht ebenfalls auf der Eins mit den Wulffs auf.

Was Martin Giesler auf seinem Blog kritisiert, kommt auch hier klar zum Ausdruck. Es gibt deutlich wichtigere Themen als das Ehe-Aus Christian Wulffs.

Klar, wenn ansonsten nichts los wäre, dann könnte man das unter Umständen nachvollziehen wollen. Aber an einem Tag, an dem bekannt wird, dass die Eröffnung vom Flughafen Berlin Brandenburg erneut verschoben wird, was den deutschen Steuerzahler Milliarden kostet, lässt sich die Entscheidung journalistisch nicht begründen!
Martin Giesler

Bei den Blättern, bei denen Familie Wulff nicht das gesamte Titelblatt bekommen hat, ging es dann auch tatsächlich um Klaus Wowereit und den neuen Flughafen, der vermutlich dann gegen 2025 eröffnet wird.

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

5 Gedanken zu „Printmedien nach der Wulff-Trennung“

  1. Naja, ihr wisst ja – die „altmodische“ Zeitung ist am Aussterben – Klatsch und Tratsch ist eine Methode, auch den „normal seriösen“ Zeitungen heutzutage Geld einzubringen. Auch ich denke, dass sowas eher in die Gala gehört oder so, aber verstehen, vorallem da Wulff eine Person ist, die mit Politik zu tun hat(te), kann ich das ein bißchen.

    1. Es ist in der Tat so, dass sich gerade die seriösen Blätter, die damit groß und breit aufgemacht haben, erhoffen mehr gekauft zu werden. Das verhält sich wie mit den Klickzahlen im Netz. Wie gesagt: Meldung ja, Titelseite nein. Liebe Grüße!

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