Quizduell – Eine Hymne

Quizduell

Es ist das „Wer-wird-Millionär-Phänomen“: Ich weiß die Antwort eigentlich, doch unter Druck klingen die anderen drei Optionen plötzlich seltsam verlockend. Der ersten Eingebung folgen und A auswählen? Oder doch noch mal nachdenken? Es muss A sein, es ist A, komm, drück schon auf A. Der Countdown läuft, er wird rot, schnell! Ich drücke C – und A leuchtet grün auf. Warum genau ich mich für C entschieden habe, weiß ich nicht. Vermutlich könnte ein findiger Psychologe eine ganze Menge aus meinem Quizduell-Verhalten rausholen. Eine Hymne auf die neuen Trend-App aus Schweden.

„Von der Couch sieht das immer alles so einfach aus“ – ein Satz, den Günther Jauch in seiner über vierzehnjährigen „Wer wird Millionär“-Karriere sehr oft gehört hat. Mit dem Druck aber, dass es plötzlich um etwas geht, können einige Kandidaten schlecht umgehen, haben das bekannte „Brett vorm Kopf“ oder stehen auf dem gedanklichen Schlauch. Bei Quizduell verhält es sich manchmal ähnlich: Statt seiner Intuition zu folgen und darauf zu vertrauen, dass das Unterbewusstsein die richtige Antwort noch irgendwo gespeichert hat, ärgert man sich anschließend über den verschenkten Punkt.

Oder: Man hält die richtige Antwort schlicht für zu einfach und bildet sich ein, dass es einem die Macher nie so einfach machen würden. Die Folge: Man kommt ins Grübeln, die Zeit läuft ab, man wird hektisch – und verschenkt auch den Punkt. Dazu kommt die latente Sorge, sich vor dem Gegenüber zu blamieren, weil man selbst weiß, dass das Thema eigentlich zum Allgemeinwissen gehört. Die Erleichterung folgt dann meist auf dem Fuss, wenn man sieht, dass der Gegenüber mindestens genauso weit von der richtigen Antwort entfernt war.

Quizduell bald auch im Fernsehen?

Der Reiz ist die soziale Komponente: Man spielt eben nicht Schach gegen einen Computer-Algorithmus, man spielt gegen echte Personen – den besten Kumpel, den Vater oder die Freundin – Runde um Runde, Thema um Thema, Frage um Frage. Inzwischen kann man aber auch gegen über acht Millionen anonyme Nutzer antreten. Wer also spielen will, findet zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Gegner.

Das heimliche Ziel eines jeden Zockers: Die perfekte Runde. Sechs mal drei richtige Antworten in Folge. Vermutlich erst möglich, wenn man alle 25.000 Fragen mehrfach durchgespielt hat. Zu komplex sind die Unterschiede in den Themenbereiche – von Medien & Unterhaltung über Computerspiele bis zu Kunst & Kultur können große Sprünge sein. Mein Schnitt liegt aktuell bei ca. 8,8 bis 9,1 Punkten pro Runde, von den 150 Spielen habe ich ca. 50 Prozent gewonnen und 12 Prozent unentschieden beendet. Zufriedenstellend, aber noch lange nicht meinem Ergeiz entsprechend.

Quizduell ist eine dieser Erfolgsgeschichten. Eine gute Idee, die technische Kompetenz und viel Arbeit, die sich irgendwann auch auszahlt. Ein Jahr lang haben die vier Freunde aus Schweden an den 25.000 Fragen und der App gebastelt. Inzwischen ist ihr Team gewachsen, sie haben freie Mitarbeiter und verbesserte Serverkapazitäten. Und was mit so vielen Millionen Nutzern auf dem Smartphone funktioniert, funktioniert sicher auch in der Buchhandlung oder im Fernsehen, dachten sich die Gründer. Zumindest sei ein Buch geplant und die Fernsehrechte wurden jüngst auch verkauft.

Quizduell gibt es kostenlos für iOS- und Android-Smartphones und ist den Download definitiv wert. Wer mehr Funktionen haben möchte, etwa Statistiken oder Werbefreiheit, kann für 2,69 Euro aufstocken.

Wer mal Lust auf ein Ründchen hat – und gut verlieren kann ;-) – findet mich übrigens unter TG125. Ich freue mich.


Welche Erfahrungen habt ihr mit Quizduell gemacht? Wie schauen eure Statistiken aus? Welche Themengebiete habt ihr besonders drauf – welche nicht? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

Ein Gedanke zu „Quizduell – Eine Hymne“

  1. Ich suche schon seit einiger Zeit nach Anhaltspunkten, anhand man einschätzen kann wie man da steht im Quizduell. Es wäre super, wenn in diesem Blog zukünftig von diversen Spielern (gerne auch anonym) die wichtigsten Fakten eingetragen würden – leider ist so eine Statistik nirgendswo im Net zu finden:
    Daten vom 11.03.2014:
    Spiele: 370 (nach ca. 7 Wochen)
    Rating (Punkte): 2830
    Rang: 19578
    Perfekte Spiele: 0
    Durchschnittspunktzahl: 11,9
    S/U/N in %: 52/19/27
    Beste Kategorie: 76% (Im Labor)
    Schlechteste Kategorie: 30% (Musik und Hits)
    4 Kategorien unter 50%
    7 Kategorien über 66 %

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