Wie „Mediapart“ unabhängigen Journalismus im Netz vormacht

In Deutschland suchen Medienhäuser händeringend nach Erlösmodellen. Die französische Seite „Mediapart“ ist da schon weiter: Sie verzichtet auf Werbung, finanziert sich mit Abos – und ist damit auch noch rentabel. Wie das funktioniert und was hiesige Medien in dem Bereich machen.

In Deutschland suchen Medienhäuser händeringend nach Erlösmodellen. Die französische Seite „Mediapart“ ist da schon weiter: Sie verzichtet auf Werbung, finanziert sich mit Abos – und ist damit auch noch rentabel. Wie das funktioniert und was hiesige Medien in dem Bereich machen.

„Wie „Mediapart“ unabhängigen Journalismus im Netz vormacht“ weiterlesen

„Ist das Zukunft oder ist das Quatsch?“ – Wie viel journalistisches Potenzial steckt in Meerkat?

Es war noch nie so einfach, Livestreams per Smartphone um die Welt zu schicken: Die App Meerkat erobert aktuell die Herzen von Hunderttausenden Twitter-Nutzern, Journalisten und Selbstdarstellern. Über das journalistische Potenzial der Erdmännchen-App.

Hinweis: Dieser Beitrag ist zuerst erschienen bei torial.

Als Comedian Jan Böhmermann am Montagnachmittag über seinen Twitter-Account zum „spontanen Livestream-Meerkat-Q&A aus dem Büro“ einlädt, schalten binnen fünf Minuten über 250 Menschen ein. „Das ist ja mehr, als jemals bei ZDFneo eingeschaltet haben“, witzelt er. Und: „Ich glaube, das ist die Zukunft.“

Ganz so sicher war er sich wenige Minuten vorher da noch nicht. Denn zu Beginn seines Meerkat-Streams fragt er in die Runde: „Man umgeht sämtliche Publikationswege und streamt das einfach ins Netz. Ist das jetzt das, was später Fernsehen wird?“ Zugegeben, das war noch weit weg von dem, was Meerkat ist und irgendwann mal sein kann. Sein zweiter Versuch – „eine Art Video-Konferenz, nur dass keiner antworten kann“ – ist da schon näher dran.

Meerkat ist aktuell in aller Munde, zumindest in der twitterschen Filter-Bubble. Aber genau darauf hat es die App, die mobile Livestreams ermöglicht, ja auch abgesehen. Wer die App herunterlädt, wird zur Anmeldung über seinen Twitter-Account aufgefordert. Ist die erfolgt, sieht man die aktuellen Streams der abonnierten Personen, die bislang synchron zu den abonnierten Twitter-Nutzern gehalten wurde. Eine Funktion, die Twitter wegen seiner „internen Richtlinien“ inzwischen unterbunden hat. Es ist mehr als eine Randbemerkung wert, dass Twitter gleichzeitig Meerkat-Mitbewerber Periscope gekauft hat.

Interaktion am unteren Bildschirmrand

Aber zurück zu Meerkat: Ein ausgewählter Livestream – der eigentlich gar nicht so live ist, da er eine Verzögerung von 10 bis 30 Sekunden hat – lässt sich nun nicht nur favorisieren oder teilen, was analog dazu bisher auch selbige Funktionen bei Twitter auslöste, sondern auch kommentieren. Am unteren Bildschirmrand sehen dann sowohl der Sender als auch seine Zuschauer die einlaufenden Interaktionen.

Wer genügend Akku-Leistung und Datenvolumen hat, kann nun sowohl Streams anschauen, als auch selbst einen starten. So wie Daniel Fiene, Radiomoderator und Podcaster, der einen Vortrag auf dem „South by Southwest“-Festival (SXSW) in Austin gestreamt hat. Knapp über 60 Nutzer waren dabei, haben sich die leicht verwackelten Bilder seiner iPhone-Kamera und ab und zu, wenn er das Gerät ein bisschen geneigt hat, auch ihn angeschaut.

Damit bietet Fiene ein Beispiel für eine neue Abwandlung des mobile Reporting. Denn bislang war es nicht so simpel, einen interaktiven Livestream anzubieten, der es relativ einfach hatte, sich über soziale Netzwerke zu verbreiten und entsprechend auch viele Zuschauer zu bekommen. Durch die Anbindung an ein Netzwerk, das ohnehin für Schnelligkeit und Einfachheit steht, lässt sich Meerkat also ausgezeichnet für Reporter nutzen, die ihre Abonnenten mitnehmen wollen zu ihrer Recherche vor Ort.

Meerkat: Das nächste große Ding?

Ein Meerkat-Stream lässt sich dabei aber nur live in der App verfolgen. Wer möchte, kann das entstandene Video anschließend bei YouTube hochladen und so den Interessierten auch anschließend noch zur Verfügung stellen. Ansonsten bleibt es ein einmaliger Stream, der an die Idee von Snapchat erinnert, wo man Bilder und Videos verschicken kann, die sich anschließend wieder löschen.

Zweifelsfrei hat Meerkat einen Bilderbuchstart hingelegt: Innerhalb von 14 Tagen sind die Nutzerzahlen in den sechsstelligen Bereich geschossen, die Technik- und Medien-Berichterstattung ist überfüllt von Berichten, die in der App entweder das nächste große Ding sehen oder die nächste große Blase, die bald schon wieder zu platzen droht.

In jedem Fall aber bietet Meerkat für Journalisten vielfältige Möglichkeiten zur Recherche, etwa über die Suche von Twitter, oder um selbst als Reporter Eindrücke zu vermitteln und weiterzugeben. Es ist noch zu früh für eine Prognose, wie es mit Meerkat weitergeht. Fest steht aber: Schaffen es die Entwickler, Meerkat mit einer großen Nutzerbasis zu etablieren, sollten Journalisten ihr Potential nicht unterschätzen.

Oder wie Jan Böhmermann sagen würde: „Ist das Zukunft oder ist das Quatsch?“

„Die Punchline muss catchen“: Wie Memes neugierig auf Journalismus machen können

Die Jugend entfernt sich vom Journalismus – neue Wege müssen her, um sie wieder auf Texte in Print und Online aufmerksam zu machen. Ein Weg sind sogenannte Memes, mit denen zwei junge Journalisten den Spagat zwischen Unterhaltung und Information schaffen wollen.

Das Meme Journal

Die Jugend entfernt sich vom Journalismus – neue Wege müssen her, um sie wieder auf Texte in Print und Online aufmerksam zu machen. Ein Weg sind sogenannte Memes, mit denen zwei junge Journalisten den Spagat zwischen Unterhaltung und Information schaffen wollen.

„„Die Punchline muss catchen“: Wie Memes neugierig auf Journalismus machen können“ weiterlesen

Der journalistische Nutzen von „Plague – The Network“

Ist eine App, die auf das mehr oder minder blinde Verteilen von Nachrichten setzt, ein journalistisches Werkzeug? Die Frage stellt sich derzeit bei der App „Plague – The Network“, die Nachrichten wie eine Virus-Erkrankung behandelt.

plague-app

Ist eine App, die auf das mehr oder minder blinde Verteilen von Nachrichten setzt, ein journalistisches Werkzeug? Die Frage stellt sich derzeit bei der App „Plague – The Network“, die Nachrichten wie eine Virus-Erkrankung behandelt.

„Der journalistische Nutzen von „Plague – The Network““ weiterlesen

Die Medien und das Germanwings-Unglück: Wie Überschriften die Wahrnehmung beeinflussen

Beim Absturz der Germanwings-Maschine 4U 9525 zeigen sich seit Tagen die Abgründe des (Online-)Journalismus. Erneut heute, als die Staatsanwaltschaft bekannt gegeben hat, dass Andreas L., der Kopilot der Maschine, vor Erlangen des Pilotenscheins wegen „Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung war“. Eine kleine Sammlung an Meldungen, die zeigt, wie Überschriften die Wahrnehmung beeinflussen können. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass immer weniger Menschen wesentlich mehr als Schlagzeilen, Google-News-Ausschnitte oder Tweets lesen.

Germanwings
Beim Absturz der Germanwings-Maschine 4U 9525 zeigen sich seit Tagen die Abgründe des (Online-)Journalismus. Erneut heute, als die Staatsanwaltschaft bekannt gegeben hat, dass Andreas L., der Kopilot der Maschine, vor Erlangen des Pilotenscheins wegen „vermerkter Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung war“. Eine kleine Sammlung an Meldungen, die zeigt, wie Überschriften die Wahrnehmung beeinflussen können. „Die Medien und das Germanwings-Unglück: Wie Überschriften die Wahrnehmung beeinflussen“ weiterlesen

Warum ich einen Adblocker nutze – eigentlich aber doch nicht

Drüben bei lousypennies.de hat der sehr geschätzte Karsten Lohmeyer einen wichtigen Beitrag zum Thema Adblocker geschrieben. Seine Kernaussage: „Ich würde mir eher einen Arm abhacken, als einen Adblocker zu benutzen.“ Ich habe das lange genauso gesehen. Inzwischen differenziere ich bei dem Thema aber etwas mehr – und nutze tatsächlich seit einigen Monaten auch einen Adblocker. Meine 5 Cent zu dem Thema.

Drüben bei lousypennies.de hat der sehr geschätzte Karsten Lohmeyer einen wichtigen Beitrag zum Thema Adblocker geschrieben. Seine Kernaussage: „Ich würde mir eher einen Arm abhacken, als einen Adblocker zu benutzen.“ Ich habe das lange genauso gesehen. Inzwischen differenziere ich bei dem Thema aber etwas mehr – und nutze tatsächlich seit einigen Monaten auch einen Adblocker. Meine 5 Cent zu dem Thema. 

„Warum ich einen Adblocker nutze – eigentlich aber doch nicht“ weiterlesen

Von einem, der auszog, das analoge Leben leben zu lernen (+ 5 Tipps für den Anfang)

Ich liebe meinen Beruf. Journalismus ist für mich eine Leidenschaft, gewissermaßen auch ein Hobby. Doch ist es auch ein Beruf, der sich in Zeiten von Internet und Smartphone auf den gesamten Tagesablauf auswirken kann. Ich habe meist die Mails gecheckt, die neusten Newsletter überflogen und die Themenlage auf Twitter, Facebook und via RSS-Reader gescannt, noch bevor ich einen Fuss aus dem Bett bewegt habe. Ständiger Kontakt mit den Lesern, Erreichbarkeit für die Auftraggeber – ein Leben für die Arbeit. Ich lese Bücher über Journalismus, soziale Netzwerke, Netzpolitik, schaue Sendungen und neue Formate im Fernsehen, um später darüber zu schreiben, treffe mich mit Kollegen zum Essen, um über Medienthemen zu sprechen. Ich bin froh, noch nicht von meinem Job zu träumen. Ein Experiment. „Von einem, der auszog, das analoge Leben leben zu lernen (+ 5 Tipps für den Anfang)“ weiterlesen

„Crowdsourcing-Effekte für die tägliche Arbeit“

Social Media / © Sean MacEntee, CC-by
Social Media / © Sean MacEntee, CC-by

Ein Journalist ist heute oft mehr als Journalist. Im Social Web bekommt er neue Möglichkeiten, die Leser nicht mehr nur an ein Medienprodukt zu binden, sondern auch an sich als Marke. Ein Überblick über transparente Medienmenschen und spannende Projekte. „„Crowdsourcing-Effekte für die tägliche Arbeit““ weiterlesen

Crowdsourcing: Journalistisch sinnvolle Anwendungszwecke für #Vine

Vine ist die neueste Social Media-Spielerei aus dem Hause Twitter. In maximal sechs Sekunden kann der videointeressierte Nutzer kurze Filme produzieren und auf der Plattform teilen. Eine Erklärung, was Vine ist und wie es funktioniert, habe ich hier letzte Woche für die „Netzpiloten“ mal zusammengeschrieben. Für uns Journalisten sind solch neue Ansätze immer sehr spannend, weil sich hieraus durchaus auch journalistisch sinnvolle Anwendungszwecke ergeben können. Um diese zu finden möchte ich hier eine Plattform für Diskussionen und Ideen, Kreativität und Experimentierfreudigkeit geben. Crowdsourcing für Vine. Weiterlesen…

Journalisten: Selbstdarsteller, die

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich mir denn anmaßen könne, als Journalist eine Fanpage zu betreiben. Und auch vielen Kollegen – das weiß ich aus vielen langen Gesprächen – ergeht es meist nicht anders. In Zeiten des Internets, wo Blogs, Twitter, Tumblr und Facebook zum obligatorischen Handwerkszeug eines jeden Journalisten gehören sollten, wird die berichtende Zunft gerne als Ansammlung eingebildeter Selbstdarsteller betitelt. Warum das nicht stimmt und warum wir uns dennoch auf einem schmalen Grat bewegen. „Journalisten: Selbstdarsteller, die“ weiterlesen