„TV total Quizboxen“ kann nicht überzeugen

Stefan Raab ist ja bekannt dafür, neue Dinge auszuprobieren. Mit dem am Donnerstag erstmalig live aus Köln ausgestrahlten „TV total Quizboxen“ will er – der Name verrät es – den Boxsport mit klassischem Eins-gegen-Eins-Quiz verbinden. Ein Fazit der Premiere.

„Die TV total Stock Car Crash Challenge“, „Das TV total Turmspringen“ oder „Die TV total Wok-WM“ sind inzwischen fest etablierte Showformate im deutschen Fernsehen. Mit dem „Quizboxen“ versucht Stefan Raab nun, neuen Wind in die in die Jahre gekommenen „TV total“-Formate zu bringen. „Dumme Boxer haben wir genug“, sagte Raab zu Beginn der Show, die er selbst moderiert. „Nun suchen wir die klügsten Boxer!“

Das soll mit einer Kombination aus fünf Box- und fünf Quizrunden geschehen, die sich je immer abwechseln. Nach zwei Minuten Boxen (kommentiert von Frank „Buschie“ Buschmann) gehen die Kandidaten auf direktem Weg zu Raab ans Quizpult. Dort werden sie vom Entertainer höchstpersönlich zwei Minuten lang mit Fragen, Länderfahnen, Spitzensportlern und Co. bombardiert. Pro gewonnene Runde bekommt der Kandidat einen Punkt, wer am Ende der 10 Runden die meisten Punkte hat, erhält 25.000 €, insgesamt wird in drei Gewichtsklassen gespielt.

Wenig Qualitätsboxen

Nachdem die erste Runde zwischen den Mittelgewichtlern Murat und Thomas schwach begann, sah ich das Format schon gefährdet. Als Thomas aber dann mit 2:0 Treffern in Führung ging, Murat innerhalb der letzten 15 Sekunden den Ausgleich schaffte und somit eine Punktteilung in der ersten Runde erzwang, wurde es plötzlich wieder interessant. Am Quizpult musste sich Murat nach null Punkten in den zwei Minuten dann schon dem Quiz-K.O. stellen – einer Art Finalfrage, die das Spiel sofort beendet hätte, wenn er sie falsch beantwortet hätte. Doch Murat kam wieder ins Spiel, gewann die Quiz- und verlor die Boxrunden. Vor dem letzten und entscheidenden 10. Spiel stand es also unentschieden zwischen den Kontrahenten und Thomas konnte die 25.000 € am Pult für sich entscheiden.

Bei den Leichtgewichtlern hingegen entschied sich das Spiel bereits nach der 2. Boxrunde, als Christoph seinen Gegner Ole zwei Mal auf die Bretter schickte und das Spiel für sich entschied. Gerade bei diesen beiden Kandidaten hatte man stark das Gefühl, es mit Amateurboxern zu tun zu haben. Es hatte etwas von einer „Kirmesschlägerei“, wie Frank Buschmann es nannte, und war ehrlich gesagt wenig ansehnlicher Sport.

Die große Hoffnung lag also nun bei den Schwergewichtlern Sascha und Helge. Doch als Sascha eine Minute lang wie wild auf seinen Gegner einschlug und dann in der zweiten Minute kaum mehr einen Schlag raus bekam, war auch hier die Hoffnung auf wenigstens ein bisschen Qualitätsboxen verschwunden. Für den Unterhaltungswert nicht schlecht und vermutlich auch so gewollt. Das Duell zwischen Sascha und Helge blieb spannend bis zum 9. Spiel, indem Helge den Sack nach Runden zu machte. Saschas einzige Chance war das Quiz-K.O. in der letzten Runde, das er nicht erreichen konnte.

„Nicht zu viel durchschnaufen, das muss eine Aufgabe sein!“

Prinzipiell ist das Format nicht schlecht gedacht. Die Kontrahenten werden stark gefordert und müssen sich auch nach insgesamt zehn Boxminuten noch einmal in der letzten Quizrunde konzentrieren können. Leider wirkt die Umsetzung aber schnell konfus. Es ist nicht wirklich klar, wie schnell die Kämpfer ans Pult kommen müssen. Mal begeben sie sich sofort zu Raab, mal halten sie zwischendrin noch eine Beratung mit den Trainern ab. Frank Buschmann sah sich mit Recht in der Aufgabe, recht häufig einzuwerfen, dass das Quiz nur eine Aufgabe ist, wenn die Boxer nicht zu viel durchschnaufen können. Besser wäre beispielsweise, Raab würde nach einer Runde direkt in den Ring kommen und die Boxer mit mobilen Buzzer-Geräten ausstatten. So wäre mehr Spielfluss gewährt und der eigentliche Sinn der Spiels würde betont werden.

Zudem ist es seltsamer Weise keine gute Idee, wenn Stefan Raab seine Formate selber moderiert. Das hat damals bei den Anfängen von „Schlag den Star“ nicht funktioniert und das funktioniert auch beim Quizboxen nicht. Er sollte Steven Gätjen die Moderation überlassen und sich nur aufs Quizzen konzentrieren oder moderieren und Elton hinter das Pult stellen.

Dennoch ist es spannend zu sehen, wie die Antwortzeiten von Boxrunde zu Boxrunde länger werden und die Kandidaten mehr und mehr nachlassen. Den Unterhaltungsfaktor kann man Raabs neuester Idee wohl kaum abschlagen, bezweifeln darf man aber, ob sie eine solch große Zuschauerschaft erreichen wird, wie die sonstigen „TV total“-Formate. Dafür fehlen sowohl die Promis, als auch das wirklich Spektakuläre an der Idee.

Spannend wird das Format hoffentlich erst richtig in der zweiten Ausgabe, denn dort sind die Sieger der jeweiligen Gewichtsklassen wieder am Start und versuchen, ihre Gewinne zu vervielfachen. Die Premiere enttäuscht leider durch wenig Struktur. Hier sollte nachgebessert werden.


Mich interessiert: Wie fandet ihr die Premiere des „TV total Quizboxen“? Was hat euch gefallen und was sollte man eurer Meinung nach besser machen?

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

9 Gedanken zu „„TV total Quizboxen“ kann nicht überzeugen“

  1. es war unterhaltung der extraklasse, es hat echt spaß gemacht zuzugucken und war auch teilweise echt spannend.
    Natürlich sibd hier und da noch einige verbesserungen möglich aber die idee und auch der show-wert ist wieder einmal grandios

  2. War gut. Finde auch, dass der Übergang zwischen Quiz und Boxen fließender und schneller geschehen müsste, eben durch zum Beispiel oben genanntes. Auch hat mir die Moderation von Raab nicht wirklich so gut gefallen. Das passt bei ihm irgendwie nicht, aber es ist zu verkraften, da es ja sein Format, seine Idee ist und er bei der ersten Austrahlung seine Präsenz deshalb zeigen wollte. Aber da könnte man es eben wir du gesagt hast ändern, dass zum Beispiel Elton moderiert. Sonst finde ich noch, dass man auch bei jeder Frage die Antwort preisgeben sollte, sonst kann man zu Hause nicht gescheit mitraten. Aber das kann alles schnell korrigiert werden und sonst auch fand ich das Format toll. Hoher Unterhaltungswert und auch jetzt relativ hoher Bekanntheitsgrad, da der Time-Slot nach The Voice klasse gewählt war. Bitte mehr davon ;)

    1. Ich fand auch beim vor letzten Spiel im Schwergewicht (mit den Symbolen) hätte man das Bild auch länger einblenden müssen. Hier war leider wenig Chance für den TV-Zuschauer mitzuzählen und -zuraten. Die Quoten dürfte Raab mit Sicherheit durch The Voice auf seiner Seite haben, da hast du Recht!

      1. Wollte halt nur nochmal untermalen, dass man das Format auf Grund einiger Unzulänglichkeiten nicht gleich abstempeln sollte. Die Fehler sind bei einem völlig neuen Format üblich und jene sind in diesem Fall relativ leicht zu beheben. Und ich bin mir sich, dass der Raab das Format nochmal gründlich analysieren wird ;) Und das das Format auch wahrscheinlich nicht so oft (eher so oft wie die TV Total Pokerstars.de Nacht) laufen wird, wird das ganze auch nicht so schnell langweilig. Mir gefällt das Format und das du mir dann doch in einigen Dingen zustimmen konntest ;) lG

        1. Du, gefallen tut es mir auch, keine Frage. Aber ich setze an ein Raab-Format einfach andere Standards. Ich habe zu viele kleinere Dinge gefunden, die mir so nicht passen und daher „kann es nicht überzeugen“. Ich denke aber auch, dass das Kinderkrankheiten sind und Raab da ordentlich nachlegen wird. Grüße

  3. Also ich persönlich halte von dieser neuen Sendung recht wenig.
    Ich fande sie auch relativ langweilig und unansprechend, sodass ich schon nach den ersten zwei Runden umgeschaltet habe. Da habe ich mir echt etwas anderes vorgestellt.
    Ich bin mal gespannt, ob und wie sich diese Show weiterentwickelt bzw. verändern wird.

  4. Ich finde auch, dass die Kämpfer die Fragen direkt im Ring beantworten sollten um die Pausen bzw. Quizzeiten besser einhalten zu können.

    Jedoch fand ich den letzten Kampf im Schwergewicht genauso manipuliert wie viele Kämpfe die man sonst im gut bezahlten Profiboxen sieht.

    Erstmal fand ich es komisch, dass man das “ Coaching“ nur der roten Ecke ( Polizist) hörte, den Ton der blauen Ecke ( Werbekaufmann) hörte man nie? Das war bei den Kämpfen zuvor nicht so.

    Viele eindeutige Körpertreffer wurden dem Kämpfer Sascha gar nicht gegeben, dafür wurden viele Treffer vom Polizisten Helge die bei Sascha auf der Deckung landeten gezählt.

    Ich sehe mal ganz von der zweiten, der Quizrunde ab mit den Allgemeinwissensfragen, von denen der Polizist 3 beantworten konnte bevor die Frage überhaupt zu Ende gestellt wurde. Ich möchte hier nicht behaupten, dass der Polizist die Antworten vorgesagt bekommen hat, jedoch waren sie zumindest auf ihn zugeschnitten. Der Polizist kam aus Hessen und die erste Frage lautete wie heißt der Trainer von Eintracht Frankfurt, Raab hat auch nicht sofort gestoppt die Frage zu stellen sobald der Buzzer gedrückt wurde, sehr schön zu sehen bei der Frage mit den Anzahl der Tagen des Monats August 1987. Selbst die KO Frage die der Werbekaufmann gestellt bekam und noch richtig beantworten konnte war eine typische Polizeifrage, welcher Tag ist der Tag der Arbeit? – 1. Mai.
    Das weiß jeder Polizist, da an diesem Tag immer die Mai-Krawalle stattfinden.

    Lustig war auch die Runde als der Werbekaufmann 5:0 führte und dann der Polizist in den letzten 30 sec. noch 9 Punkte holte???

    Selbst bei den Runden die der Werbekaufmann gewonnen hatte, hat man grundsätzlich nur die Treffer des Polizisten in der Zeitlupenwiederholung in den Ringpausen gesehen, der Werbekaufmann muß doch auch Treffer gelandet haben, sonst hätte er die Runde schließlich nicht gewonnen???

    An sich fand ich den Beruf des Polizeibeamten für dieses Format nicht passend, da man gar nicht wußte was für eine Funktion er als Polizist überhaupt ausübt z.B. ist er ein GSG 9 Beamter der jeden Tag trainiert und dafür bezahlt wird die Hells Angels & Co. zum weinen zu bringen…

    und der andere war ein Werbekaufmann, da fand ich die Auslosung nicht ganz gerecht.

    Aber wahrscheinlich mußte der Polizist gewinnen sonnst hätte ja am nächsten Tag in den Zeitungen gestanden Werbekaufmann verprügelt Polizisten…

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