„TV total“ wird 15: 2.000 Folgen Quatsch auf der Latenight-Bühne

Stefan Raab mit seinem TV total ist nun 2000 Folgen auf Sendung
Seit 2.000 Folgen auf Sendung: Stefan Raab mit seinem „TV total“ | © Raab TV

Kurz vor ihrem 15. Geburtstag feiert Stefan Raabs Latenight-Show „TV total“ seine 2000. Folge. Damit ist sie die älteste Sendung ihrer Art. Ein Glückwunsch von einem regelmäßigen Zuschauer in Richtung Köln-Mülheim.

Nicole hat alles im Griff im „TV total“-Studio. Und nicht nur dort: Wo auch immer Stefan Raab eine Sendung produziert, steht seine Aufnahmeleiterin neben der Kamera, koordiniert Raabs Moderationstexte und achtet darauf, dass er sich pünktlich in die Werbung verabschiedet. Tut er das nicht, hört auch der Zuschauer zuhause hin und wieder ein dezentes „STOOOP!“ oder „NEIN, WERBUNG!“ aus dem Hintergrund. Sie ist sicher auch einer der Gründe für Raabs Erfolg im deutschen Fernsehen.

Fast 15 Jahre, heute genau 2.000 Folgen lang, steht der Entertainer nun schon jeden Spätabend von Montag bis Donnerstag auf seiner Bühne, einige Pausen mal ausgenommen. Immer dabei: Die Heavytones, die Bigband. Und Elton, natürlich. Das Studio ist kleiner als man vermuten würde, wenn man es nur aus dem Fernsehen kennt – auch hier wird natürlich etwas getrickst. Und längst nicht mehr sind bei jeder „TV total“-Sendung alle Karten ausverkauft.

Dennoch lässt sich kaum eine Sendung nennen, die im deutschen Privatfernsehen über so einen langen Zeitraum so wegweisend war. Die besten Zeiten hatte „TV total“ am Anfang, als Raab noch nicht so berühmt war und das machen konnte, was ihm am meisten liegt: Draußen auf der Straße mit derbem Humor, flachen Witzen und mutigen Einlagen rumalbern. Er hat das gemacht, was sich sonst keiner getraut hat – und ist deswegen auch so schnell aufgestiegen.

Von der Werbesendung zu größeren Bühnen

Als der Ruhm durch seinen Berufsquatsch auf ProSieben zunahm, wurde die Sendung immer schlechter. Neue Formate wie „Raab in Gefahr“ und etliche eltonsche Demütigungen mussten her und gaben dem Format immer wieder neuen Aufschwung. Dennoch fiel die Sendung, so hatte man den Eindruck, in den letzten Jahren in ein Loch. Kurzes Standup-Programm mit immer seichteren Witzen, wenig Action und keine Innovationen waren das Problem – Ausnahmen bestätigen die Regel. Für Action und Innovationen sorgte Raab dann auf anderen Bühnen: Wok WM, Turmspringen, Musikvorentscheide, Autoball, Boxen, Pokern, Stock Car, „Schlag den Raab“ und diverse Stars – und vergaß darüber dann seine eigentliche Idee.

„TV total“ verkam zu einer Werbesendung. Nichts anderes als eine gewöhnliche Talkshow auch, wo Gäste nur dann vorbeischauen, wenn sie ein neues Buch, einen neuen Film oder eine neue Platte möglichst unscheinbar unter die Leute bringen wollten. Das ist es bis heute geblieben – leider. Auch wenn man dazu neigt, es bei „TV total“ zu tolerieren.


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Mit seinem Ausflug nach New York Ende Januar hat Raab dann pünktlich zum großen Jubiläum noch einmal gezeigt, warum ProSieben ihm seinen Sendeplatz seit 15 Jahren zugesteht: In New York konnte der Entertainer noch munter auf der Straße herumtollen – ohne direkt von jedem erkannt zu werden. Back to the roots also, zurück zu seinen Anfängen. Und auch das Rahmenprogramm wird seit einigen Monaten wieder derber. Die Stärke von Raab ist einfach das Derbe. Das, was einst ein Harald Schmidt ebenfalls so prächtig beherrschte – in Zeiten, als man den Eindruck hatte, Raab und Schmidt würden einen Wettkampf daraus machen, wer mehr Anzeigen von Witzeopfern einsammelt.

Den großen Harald Schmidt hat Raab in der Latenight überlebt. Und man kann sicher sein, dass er daran arbeiten wird, dass „TV total“ so schnell auch in den nächsten Jahren nicht untergeht.

Herzlichen Glückwunsch also zur 2000. Folge von einem unregelmäßigen, aber treuem Zuschauer.


Einer meiner Lieblingsausschnitte aus 2000 Folgen „TV total“:

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

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