#Tweetception: Wenn Tweets Links zu Tweets enthalten…

Tweetception
Gestern wurde viel über Twitter gesprochen. Meist ging es dabei um das neue Design. Andere fragten sich hingegen, warum um Himmelswillen ständig irgendwelche Links zu Tweets auf Links zu Tweets auf Links zu Tweets führten. Der Grund: Ein ebenso fröhlicher wie sinnloser Kettenbrief 3.0, die #Tweetception.

In der Schule gab es schon diese Zettel, die immer weiter bekritzelt werden und am Ende eine möglichst große Anzahl an Kindern erreichen sollten. Dann bekam man ständig E-Mails mit folgendem Inhalt:

Wenn du diese Nachricht nicht innerhalb von [hier Zeit einsetzen] an [hier Zahl einsetzen] Personen gesendet hast, passiert [hier beliebige Drohung einsetzen].

Anschließend ähnliche Facebook-Nachrichten. Der Kettenbrief ist uralt – und erfindet sich im Laufschritt mit seinen technischen Möglichkeiten immer wieder neu. Letztes Jahr war es etwa der „Lesebefehl!“, der durch Twitter ging. Dabei verwiesen Nutzer immer wieder mit dem Text „Lesebefehl!“ (wahlweise mit Ausrufezeichen oder Doppelpunkt) auf einen Link. Der führte hingegen zum Tweet eines ähnlichen Posts, der darufhin … ihr wisst schon.

Davor gab es eine Zeit lang das #rickrolling, bei dem möglichst ansprechende Botschaften einen Link anpriesen, der aber auf „Never Gonna Give You Up“ von Rick Astley zeigte – und dann irgendwann von der GEMA gesperrt wurde, was wiederum zu etlichen Vorschlägen mit neuen Linkzielen führte.

Der neuste Trend ist die #Tweetception, also eine kleine Adaption von Christopher Nolans Film „Inception„, bei dem Träume in Träume in Träume gepflanzt werden. Hier funktioniert das ähnlich, nur eben mit Links. Eine Kostprobe?

Und so weiter. Welcher Tweet genau das Ende – beziehungsweise der Anfang – dieser Kette ist, ist kaum mehr nachzuvollziehen. Er ist wohl inzwischen gelöscht worden, wie die investigative Fleißrecherche von @adlerweb beweist:

Letztlich ist es diese Form von unabgesprochenem Unsinn, die auf Twitter so herrlich funktioniert. Ob das Hashtags sind, die plötzlich trenden (man denke an #SteinbrückFilme und ähnliches) oder solche zwar wenig geistreichen aber auf ihre Art auch wieder komischen Kettenbriefe: Twitter macht einfach Spaß. Und wer nicht gerade einen Rick-Astley-Link oder einen Tweet im Tweet im Tweet im Tweet im Tweet erwischt hat, der kann sich nebenbei ja auch wieder den ernsten Dingen in diesem Internet zuwenden.

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

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