Wieso kommt der große Threema-Hype erst jetzt?

Threema verspricht als WhatsApp-Konkurrent sichere Kommunikation
Threema verspricht sichere Kommunikation | Bild: Threema

Die Übernahme von WhatsApp durch Facebook ist nicht das Ende der Welt – auch wenn viele aktuell so tun. Zumindest aber bekommt nun endlich ein toller Player auf dem Messenger-Markt mehr Aufmerksamkeit: Threema. Etwas spät, wie ich finde.

Ich bin großer Threema-Fan. Nicht seit der ersten Stunde, aber zumindest, seit ich mich mit Verschlüsselungs-Technologien beschäftige. Threema ist ein schicker, schlanker Messenger, der verschlüsselte Kommunikation anbietet. So etwas wie WhatsApp eben, nur in sicher. Seit der Bekanntgabe, dass Facebook den Marktführer im Messenger-Bereich, WhatsApp, für 19 Milliarden US-Dollar übernehmen wird, erleben die Schweizer von Threema wohl den Traum ihres Lebens. Überall wird die App gehypt, der Dienst stürmt die Downloadcharts in den App Stores und kaum einer kommt aktuell daran vorbei. Etwas spät, wie ich finde.

Ich begrüße es sehr, dass Threema aktuell einen so großen Zuwachs genießt. Aber der Zeitpunkt ist schon arg wunderlich. Schließlich diskutieren wir seit nunmehr fast einem Dreivierteljahr über den Abhörskandal, die NSA, Geheimdienste – und mindestens doppelt so lange darüber, wie unsicher WhatsApp eigentlich ist. Das fängt bei unverschlüsselten Backups an und hört bei diversen Lecks im Code auf. Alles, was dazwischen liegt, ist viel zu viel, um es hier aufzuzählen. Und Threema? Das hat bis auf ein paar Umsteiger bis gestern kaum einen interessiert.

Nun aber da bekannt ist, dass WhatsApp in die Hände von Facebook fällt, steigen plötzlich gefühlt alle um. Nicht, dass das zu bedauern wäre, aber WhatsApp wird durch die Kooperation mit Facebook nicht unsicherer, als es bislang schon war. Ganz im Gegenteil: Facebook hat a) das Geld, b) die Infrastruktur und c) die Kapazitäten, WhatsApp voran zu bringen – auch sicherheitstechnisch (man mag es bei Facebook kaum glauben). Wenn allein die Sicherheit also der einzige Grund für den Umstieg ist – und das haben mir viele Freunde und Kontakte auf Rückfrage bestätigt – ist das nicht zuende gedacht.

#Threema auf Twitter
So oft wurde das Hashtag #Threema im letzten Monat auf Twitter verwendet | Quelle: Topsy

Der eigentliche Punkt an der WhatsApp-Facebook-Kooperation ist, dass nun ein Großteil der Kommunikation über ein einziges, gewinnorientiertes Unternehmen läuft, das durch die Übernahme nicht unbedingt weniger Interesse an den Daten seiner Nutzer hat. So sind natürlich noch detailliertere Nutzerprofile möglich, noch mehr Verknüpfungen von Metadaten, Interessen, Vorlieben. Und das wirkt sich dann anschließend wieder in Werbung und Co. aus. Das sollte der Grund für den aktuellen Umstieg sein. Ich möchte nicht kleinlich sein, aber ohne Bewusstsein für diese Themen und die Mechanismen dahinter wird sich nichts verändern, auch nicht mit Threema.

Es bedarf an Aufklärung, was Facebook im Hintergrund mit unseren Daten macht und inwieweit sich WhatsApp in diese Mechanismen einfügen wird. Genauso wie es noch mehr Aufklärung im Abhörskandal braucht. Dann kommen sichere Kommunikation, Verschlüsselungen und Alternativdienste auch im Mainstream an.

Und nun freue ich mich an den vielen neuen Threema-Kontakten. Bislang hat die App nämlich in etwa so viel Sinn gemacht wie PGP: Schicke Idee, aber ohne Gesprächspartner ziemlich ruhig, genauso wie die vielen anderen verschlüsselten Alternativen.


Nutzt ihr Threema? Oder WhatsApp? Oder beides parallel?

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

4 Gedanken zu „Wieso kommt der große Threema-Hype erst jetzt?“

  1. Gut auf den Punkt gebracht. Ich muss zwar selber zugeben, dass ich Threema auch erst jetzt gefunden habe, aber schon länger nach so etwas suche. Bei mir ist es einfach so, dass ich schon lange von Facebook weg wollte. Nicht wegen Sicherheit sondern weil mir das Unternehmen nicht gefällt. Doch jetzt geht das noch etwas schwieriger.

  2. Also ob man bei Threema sicher ist weiß ich nicht. Klar ist man sicherer als bei WhatsApp, aber auch bei Threema ist nicht alles perfekt. Man läd die Sachen immer noch auf deren Server hoch, wenn auch verschlüsselt.
    Was mich aber ein wenig wundert bzw. was ich mich frage ist, wie lange Threema am Markt bestehen kann. Das Geschäftsmodell ist doch ein reines Schneeball-System oder nicht? Ich zahle einmal 1,8€ und kann dann so lange es die App gibt sie nutzen. Reichen diese 1,8€ wirklich aus um mir lebenslang einen Server bereitzustellen? Es müssen also ständig neue User generiert werden um den laufenden Betrieb zu garantieren. Oder sehe ich das falsch?

  3. Die verfolgen halt das gleiche Modell wie WhatsApp:
    „Wir sind die guten“, Nutzer sammeln und dann an Facebook, oder wenauchimmer verkaufen.

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