Blogger vs. Journalisten: „Premium-Blogger“ bitte hier entlang

Der Deutschlandfunk reagiert auf "Premium-Blogger" schneller
Der Deutschlandfunk unterteilt in „Premium-Blogger“

Die Diskussion, ob Blogger nun Journalisten sind und auch so behandelt werden sollten, beschäftigt derzeit die Medienmacher. Radiowatcher Ekki Kern ist der Frage in seinem Blog nachgegangen und hat bei mehreren Pressestellen von Radiosendern nachgefragt, was sie darüber denken – mit zum Teil bedenklichen Antworten.

Es fing an mit netzpiloten.de-Projektleiter und Blogger Tobias Schwarz, netzpolitik.org-Macher Markus Beckedahl und Videoblogger Tilo Jung. Alle drei haben in jüngster Vergangenheit ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Deutschen Bundestag gemacht: Tobias Schwarz erhielt beim Akkreditierungsantrag eine Absage, weil „zu viele Blogger“ versucht hätten, dem Besuch der Kulturstaatsministerin Monika Grütters beizuwohnen. Markus Beckedahl wurde eine Jahresakkreditierung verwehrt, weil er mit seinem Blog „keine parlamentarische Berichterstattung“ mache – wer netzpolitik.org kennt, weiß, dass das völliger Unsinn ist. Ein ähnliches Problem hatte Videoblogger Tilo Jung, der den Zugang für sein YouTube-Format „Jung & Naiv“ beantragt hatte.

Die anschließende Debatte, die auch munter öffentlich diskutiert wurde, nahm radiowatcher.de-Betreiber Ekki Kern zum Anlass, bei Pressestellen von Radiosendern anzufragen, wie man dort zu der Frage stehe, wer Journalist ist und wie man mit Bloggern umgehe. Die zeitgleich per E-Mail an die Pressestellen gesendeten Anfragen sind eigentlich eine Einladung, feines PR-Blabla loszuwerden und den ach so löblichen Umgang mit Bloggern zu preisen. Dennoch scheinen einige Pressestellen ein zumindest fragwürdiges Bild von dieser neuen Medienwelt zu haben. Beispiele? Na, aber gerne doch.

Von „Premium-Bloggern“ und „unserem Berufsstand“

Der Leiter der Pressestelle des Deutschlandradio, Carsten Zorger, stellt fest:

Blogger sind keine Journalisten, aber Journalisten sind Blogger.

Das ist so nicht ganz richtig. Journalisten können Blogger sein, wenn sie denn möchten und sich ein eigenes Blog zulegen. Aber pauschal sind Journalisten natürlich keine Blogger. Aber auch Blogger können – insofern sie denn den Anspruch haben – Journalisten sein. Das liegt einerseits daran, dass Journalismus in Deutschland kein geschützter Beruf ist und sich somit theoretisch jeder halbwegs sprachbegabte Grundschüler Journalist nennen könnte. Aber auch an der Tatsache, dass es inzwischen genügend Blogger gibt, von denen sich so mancher Journalist eine saftige Scheibe abschneiden könnte. Was zum Beispiel ein Markus Beckedahl (und sein Team) bei netzpolitik.org leisten, sucht in der Berichterstattung über netzpolitische Zusammenhänge hierzulande seinesgleichen.

Aber Carsten Zorger geht noch weiter. Der Deutschlandfunk gewichte jede Anfrage nach gewissen Kriterien:

Fragen Blogger oder Journalisten an, spielt natürlich die Reichweite des jeweiligen Mediums eine große Rolle.

Es gibt einen Unterschied zwischen „Reichweite“ und „Relevanz“. Sortiert eine Pressestelle Anfragen nach der Relevanz des Mediums, halte ich das bei einem möglicherweise sehr hohen Aufkommen an Anfragen sogar für nachvollziehbar. Auch wenn prinzipiell keine Unterscheidung unter Journalisten gemacht werden sollte: Dass eine Pressestelle dem auf Nachrichten getrimmten „SPIEGEL ONLINE“ vor dem erst nächste Woche wieder erscheinenden „Hinterwälder Wochenblatt“ antwortet, macht schon zeitlich Sinn. Anfragen aber rein nach der Reichweite eines Mediums zu gewichten, erachte ich als grundlegend falsch.

Was wäre dann nämlich die Konsequenz? Ein Blogger, der es mit Sensationsgier und Boulevard auf Klicks abgesehen hat, würde eher eine Antwort bekommen als ein solcher, der seriös und unaufgeregt berichtet. Und das nur, weil er am Ende des Monats mehr Seitenaufrufe hat? Relevanz und Reichweite gehen zwar häufig einher. Eine so pauschale Äußerung halte ich aber für fragwürdig.

Im Gespräch mit Ekki Kern geht Zorger noch weiter – und gibt den reichweitenstarken Bloggern gleich einen Namen:

“Premium-Blogger”, wie er sie nennt, hätten ein besonderes Gewicht und würden demnach mit Priorität behandelt. “Wir müssen unseren Berufsstand schützen!” – auch das sagt Carsten Zorger.

„Premium-Blogger“ klingt so, als haben sich die Blogger eines dieser teureren Tickets gekauft, mit denen man im Kino dann in den hintersten drei Reihen mit der gepolsterten Rückenlehne sitzen darf. Mal im ernst: Reichweite = Premium? Das bedeutet, dass BILD.de durch seine enorme Reichweite nun auch Premium-Journalismus macht? Oder wie genau darf man das verstehen? Wenn Blogger untereinander auf diese Art und Weise ab- und aufgewertet werden, ist der Deutschlandfunk – was Internet und Betrachtung der heutigen Medienlandschaft betrifft – rückständiger als ich dachte. Da fügt sich der Satz „Wir müssen unseren Berufsstand schützen“ sehr geschmeidig ins Bild ein.

Doch nicht nur der Deutschlandfunk hat unter den Radiosendern etwas verschobene Ansichten. Antenne Bayern, die radiowatcher.de bereits mehrfach genauer unter die Lupe genommen hat, scheint ein Problem mit kritischen Bloggern zu haben. So verweigert der Sender dem Watchblog seit April 2013 jegliche Aussage mit folgender Begründung:

Leider haben wir nach dem Beantworten Ihrer letzten Anfragen ein gewisses Maß an Fairness und kollegialem Respekt im gegenseitigen Umgang vermisst. So möchten wir bis auf Weiteres davon absehen, Ihnen zusätzliche Auskünfte zu geben, die über unsere normale Berichterstattung on air und online hinausgehen.

Ziemlich unsouverän dafür, dass Antenne Bayern der größte Privatsender in Deutschland ist. Bei Betrachtung der radiowatcher.de-Berichterstattung sind stets Nachfragen beim Sender und mitunter auch Updates bei Nachbesserungen seitens des Senders zu finden. Was genau Antenne Bayern mit mangelnder Fairness und fehlendem „kollegialem Respekt“ meint, bleibt trotz Nachfragen von radiowatcher.de bislang unklar. Vermutlich aber, dass sich radiowatcher.de an etlichen fragwürdigen Aktionen des Senders in der Vergangenheit abgearbeitet hat – getreu der Aufgaben eines Watchblogs eben. Auch die jüngste Anfrage zum Verhältnis zu Bloggern blieb unbeantwortet, so Kern.

Blogger vs. Journalisten: „Get over it“

Tobias Schwarz bringt es eigentlich ziemlich genau auf den Punkt: „Get over it!“ Die Frage, ob Blogger oder Journalist, ist längst nicht mehr zeitgemäß. Sind journalistisch arbeitende Blogger nun auch Journalisten? Natürlich! Dafür muss man heute nicht mehr in der „Süddeutschen“ oder auf spiegel.de schreiben. Wer sich eine journalistische Plattform schafft und auf dieser Arbeit nach journalistischen Grundsätzen betreibt, der ist genauso Journalist, wie der Lokalzeitungsredakteur oder der ARD-Korrespondent auch.

Diese Debatte im Jahr 2014 sagt viel über die Entwicklung der Medienlandschaft in Deutschland aus. Das ist der eigentliche Punkt.


Offenlegungen: Ich stehe mit Ekki Kern in freundschaftlichem Verhältnis und hatte vor Veröffentlichung Einsicht in seinen Artikel. Zudem bin ich für netzpiloten.de als Autor tätig. Dennoch spiegelt dieser Blogpost natürlich meine eigene, unabhängige Meinung wieder.

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

19 Gedanken zu „Blogger vs. Journalisten: „Premium-Blogger“ bitte hier entlang“

  1. Schön. Ein interessanter Artikel, den ich gerne auch in anderen Branchen lesen würde. Wenn Du diese Umfrage auf die Automobil-Branche ausweitetest, dann nehme ich die Ergebnisse gerne im Blog auf.

    Liebe Grüße,
    Bjoern

  2. „Die Frage, ob Blogger oder Journalist, ist längst nicht mehr zeitgemäß. “ – mehr gibt es zu dem Thema eigentlich auch nicht zu sagen. Und wo man als Blogger nicht weiterkommt, da hilft man eben mit dem Presseausweis nach. Man mag es nicht glauben, aber auch Blogger sind auf die Idee gekommen, sich so ein Kärtchen zu besorgen ;)

    Im Beispiel des Bundestages ist es wohl eher eine Grundsatzdebatte ums Prinzip. In einer Branche, die ohnehin ein paar Jahre hinterher ist.

    1. Hallo Kai, ja, Presseausweis ist eine Möglichkeit. Aber auch da halte ich es für fragwürdig, sich mit einem Kärtchen bestätigen zu lassen, dass man Journalist ist. Ich habe zum Beispiel inzwischen keinen Presseausweis mehr. Liebe Grüße, Tobias

      1. Aber die Frage lautet doch, wie komme ich am effektivsten an mein Ziel. Über den Sinn oder Unsinn eines Presseausweises will ich gar nicht debattieren, weil es Zeit raubt. Der Punkt ist einfach, dass man ihn als mögliche Lösung auch nicht einfach ignorieren sollte. Es ist dann Mittel zum Zweck (in dem Fall Zutritt) und nicht sich als Journalist zu verkleiden.

        LG, Kai

  3. Jeder gute Journalist ist – so er bloggt – ein Premium-Blogger. Die Debatte „darf ein Journalist bloggen?“ oder „ist ein Blogger Journalist?“ ist nicht mehr aktuell. Richtig ist allerdings nach meiner Auffassung auch nicht, dass jeder, der irgendetwas „publiziert“ in gleicher Weise Journalist/Journalistin ist. Wer über seine Hobbies, sein Privatleben, seine Befindlichkeiten bloggt, ist nicht zwangsläufig journalistisch aktiv (Ausnahmen nicht ausgeschlossen). In Deutschland neigen wir dazu, für alles Schubladen zu finden. Wenn ich etwas mit hohem Interesse lese, ist mir eigentlich egal, ob der Autor/die Autorin unserem Beruf zuzuordnen ist oder nicht. Dann lese ich aus Interesse. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

      1. Ich schreibe mich mehr an dem irrigen Begriff „Premium-Blogger“ (aufgetaucht in einem Medien-Statement bei E. Kern). Bevor sich einige bemühen, das zu „kultivieren“, sollten wir – und ich weiß sehr wohl, dass Du dabei zu den Ersten gehörst, Tobias – uns auf die Akkreditierungsdebatte fokussieren.

  4. Leider gibt es in anderen Branchen offensichtlich ähnliche Ansichten. Mir sind mehrere Fälle bekannt, wo Blogger trotz zweifelhafter Inhalte regelmäßig eingeladen werden. Ihr Vorteil: Sie sind bei Google News gelistet. Das hilft offensichtlich, obwohl Verantwortliche unter vier Augen regelmäßig die mangelde Qualität der betreffenden Inhalte beklagen.

  5. Ich mache mir gelegentlich aus Neugier, was passiert, den Spaß, meine Mails an Pressestellen mal als Bloggerin und mal als Dipl.-Journ. zu unterschreiben. Völlig unrepräsentativ, aber ja, wenn das Diplom drunterstand, habe ich schneller und ausführlicher Antwort bekommen. Und nein, ich habe keinen Presseausweis und hab ihn bisher auch nicht gebraucht.

    Wen es interessiert: Hier könnt ihr die ausfschlussreichen Antworten des Pressereferats des Bundestags lesen. Da hatte ich als Freie Journalistin angefragt.

  6. Relevanz und Reichweite als Maßstab dafür, wer akkreditiert wird bzw. Informationen bekommt oder nicht? Das geht gar nicht, jedenfalls nicht, wenn es um öffentliche oder quasi öffentliche Stellen geht. Man stelle sich nur mal vor, im Verbreitungsgebiet oder Lokal- oder Regionalzeitung geschieht etwas, was bundesweit oder darüber hinaus Aufsehen erregt, etwa ein außergewöhnlicher Kriminalfall. Und dann sortiert die Staatsanwaltschaft in der Pressekonferenz dazu die Medien nach Relevanz und Reichweite. Spiegel, Bild und Süddeutsche dürfen rein, die Redakteure des Regionalblatts müssen draußen bleiben. Ein Unding. Und deshalb ist die Gleichbehandlung auch klar in den Landespressegesetzen geregelt.

    Hier §4, Abs. 4 Landespressegesetz Baden-Württemberg:

    „(4) Der Verleger einer Zeitung oder Zeitschrift kann von den Behörden verlangen, daß ihm deren amtliche Bekanntmachungen nicht später als seinen Mitbewerbern zur Verwendung zugeleitet werden.“

    Von Relevanz oder Reichweite steht da nichts. Von Bloggern allerdings auch nicht. Geht man jetzt aber davon aus, dass es journalistisches Bloggen gibt, und das dürfte unbestritten sein, gebührt diese Gleichbehandlung natürlich auch Bloggern. Nehmen wir jetzt das oben genannte Beispiel oder die Parlamentsberichterstattung, dürfte ziemlich klar sein, dass sich Kochblogger oder Handarbeitsbloggerinnen wohl kaum dafür akkreditieren lassen wollen. Warum also denen, die sich für das Thema interessieren, den Weg versperren? Schade nur, dass sich offenbar immer noch nicht überall herumgesprochen hat, was Bloggen ist und was Blogger tun. Angsichts ihrer journalistischen Arbeit muss man auch die Frage stellen, ob die Landespressegesetze den Begriff Medium nicht weiter fassen müssen. Der Gleichbehandlungsgrundsatz wie oben zitiert bezieht sich sogar nur auf Zeitungen und Zeitschriften, da kommen Radio und Fernsehen gar nicht vor. Und das mehr als 20 Jahre nach Beginn des privaten Rundfunks und Fernsehens.

    1. Hallo Susanne, vielen Dank für den sehr aufschlussreichen Kommentar – bei dem ich dir in jeder Hinsicht zustimme: Die Gesetze sind veraltet, was die Medien(-anbieter) betrifft, im Kern aber völlig richtig. Danke dir! Liebe Grüße, Tobias

    2. Doch – genau das (dass sich Medien und oder Blogger um einen Sitz im Gerichtssaal beworben haben, die sich bei freier Platzwahl und ausreichend Platz nicht mal ansatzweise für das Thema interessiert hätten – bis hin zu Technikblogs und Anzeigenblättchen, die über ein solches bundesweites Thema noch nie geschrieben haben) ist 2013 im Rahmen der Berichterstattung über den Tschäpe-Fall geschehen. Schau Dir mal an, wer sich damals alles um einen Platz im Saal beworben hat. Und es ist ein Indiz mehr dafür, dass das Presserecht in diesem Punkt überarbeitet gehört. Was allerdings die gerechteste Lösung ist – nach Deiner Lesart müssten bei Platzknappheit einige große Medien draußen bleiben, weil ja stur gelost wird – weiß ich auch nicht.

      1. Der Zschäpe-Prozess ist sicher ein Ausnahmefall gewesen. Aus meiner Erfahrung sind es in Gerichtsprozessen eher Schulklassen, die den Berichterstattern die Plätze streitig machen. Von einer gewissenhaften Behörde erwarte ich im übrigen, dass sie bei spektakulären Themen mit großem Medienandrang die Platzknappheit beseitigt, in dem sie in größere Räume umzieht (für ein Gericht sicher schwer, für alles andere aber machbar). Das habe ich selbst schon erlebt, dass eine Staatsanwaltschaft eine Pressekonferenz in eine Halle verlegt hat.

  7. Also, da geht mir vieles durcheinander. Zum einen ist die Diskussion Blogger vs. Journalist so zuwider. Dazu hast Du schon das eine oder andere (richtige) geschrieben. Dass wir sie 2014 noch führen, ist schade, aber wenig verwunderlich (und wird übrigens auch in anderen Ländern noch so geführt). Immerhin eines ändert sich: Auf Presse-Events trifft man immer öfter auf Blogger jeglicher Couleur und jeden Alters.
    Davon abgesehen: Dass eine Pressestelle mit einem Medium nicht zusammenarbeitet, ist (wenn es sich um privatwirtschaftliche Unternehmen handelt) ihr gutes Recht. Selbst ein namhaftes Softwareunternehmen hat über Jahre hinweg nicht mit einer großen deutschen Computerzeitschrift gesprochen. Dass sich Carsten Zorger auf das Reichweiten-Ding rausredet, ist ehrlich… man mag es schlecht finden, aber es ist auch im Journalismus so, dass die Zeit oder der Spiegel anders behandelt wird als „Hallo Hund“. Auch das kann eine Pressestelle so machen, sofern sie nicht öffentlich-rechtlich ist. Übrigens bekommt man von manchen Pressestellen selbst als Fachmedium der jeweiligen Branche (gerade große amerikanische Unternehmen sind da teils recht zickig) keine Antwort, noch nicht einmal eine ablehnende.
    Und noch etwas: „Was wäre dann nämlich die Konsequenz? Ein Blogger, der es mit Sensationsgier und Boulevard auf Klicks abgesehen hat, würde eher eine Antwort bekommen als ein solcher, der seriös und unaufgeregt berichtet.“ – Wird er auch von vielen Pressestellen – schon mal was vom Klout-Score oder anderen Monitoring-Lösungen gehört? Vor allem Agenturen schauen sehr genau, welche Reihenfolge sie da einhalten und wen sie milde stimmen. Übrigens immerhin hier gibt es keinen Untschied zwischen „alten Medien“ und Blogs. Das kann man als Journalist, Blogger oder Normalmensch gut finden oder nicht – es ist aber Fakt.

  8. Mh….
    Relevanz ohne Reichweite ist aus Werbersicht irrelevant.
    Gleiches gilt für Reichweite ohne Relevanz.
    Allerdings gibt es durchaus Produkte und Dienstleistungen deren Zielgruppe so breit gefächert ist, dass pure Reichweite ausreicht.

    Blogger im Allgemeinen nehmen sich gerne sehr wichtig, aber es gibt leider nur sehr wenige wirklich gute Blogger.
    Diese stehen meiner Meinung nach auf einer Stufe mit Journalisten, wenn nicht sogar darüber.
    Leider ist die Bloggerszene nicht gerade für Kritikoffenheit bekannt ;)
    Niemand hört gerne “ sorry, aber du hast keinen impact auf unsere Zielgruppe“
    Setzt man also auf sehr kleine Blogs erreicht man nur etwas durch Masse, da bringen oft einzelne große Blogs mehr.

    Erst dieses Jahr bei der re:publika musste ich sehen wie abschätzig Blogger auf Youtuber schauen.
    Kein Applaus für Youtube mit über 1000.000 Abonenten und views von jedem einzelnen Video von mehreren Hunterdtausend.
    Das war bezeichnend für die Bloggerszene.
    So wie die Journalisten sich durch Blogger bedroht fühlen so fühlen sich Blogger von Youtubern bedroht oder betrachten sie von oben herab.

    Auf Nachfrage des Moderators wurde dann klar dass nur eine Hand voll Blogger im Auditorium überhaupt auf mehr als 5000 Follower kommen.
    Vielleicht haben diese Blogs mehr Leser und views als 5000 das mit Sicherheit aber eben keine stabile Fanbase.
    Schaut euch mal das Video der re:Publika 2014 an in dem es um youtube geht.
    Wirklich eine klassische Bloggerreaktion.

    Ich will auch nicht Kleinkariert erscheinen und gegen Tippfehler hab ich nichts, tippe selbst nicht besonders gut. Aber eine Kleinigkeit stört mich doch sehr und deshalb möchte ich das hier kurz erwähnen. „etwas widerspiegeln“ schreibt man nicht mit „ie“ denn der Spiegel spiegelt nichts „noch ein Mal“ sondern er spiegelt „etwas entgegen“ ;D nicht böse sein aber bei sowas hab ich eine Zwangsneurose. Gleiches gilt für die falsche verwendung von „das“ und „dass“ sowie von „ss“ und „ß“ oder auch der Klassiker „wie“ und „als“. Beim Rest bin ich aber tolerant.

    Blogger können wichtig sein, aber bleibt realistisch. Nicht alle können wichtig sein das ist nun Mal die Realität.

    Ich bin froh, dass es Blogger gibt, aber ihr habt einfach einige Probleme.
    Beispiel netzpolitik.org
    – Starke Finanzierungsprobleme
    -> der Grund ist die eigene Community
    So hat netzpolitik.org verschiedene Refinanzierungsoptionen getestet.
    Unter Anderem auch die eines kostenlosen eBooks mit der Bitte um Spenden.
    Resultat:
    – über 40.000 downloads
    – keine signifikante Veränderung der Spendeneinnahmen im Vergleich zu den Vormonaten
    Einige Leser waren sogar auf Grund der Tatsache, dass hier Geld eingenommen (nicht Gewinnorientiert sondern Kosten deckend)
    werden soll, gewillt den blog ab sofort zu beukottieren.

    Das ist eines Eurer Probleme – Ihr gönnt Euch nichts
    und die Meisten von euch haben keine guten Ideen.
    Über die Standardanbieter von Werbeeinblendungen verdient Ihr doch kaum. Der Großteil des Umsatzes landet beim Hoster.
    Stattdessen müsst Ihr auch als Agentur agieren und eigene Werbekunden akquirieren. Überlegt Euch Aktionen und findet potentielle Werbepartner die von der Aktion profitieren könnten. Arbeitet mit mehreren Bloggern zusammen, oder sorgt dafür dass die Werbung auf Eruem Blog in sinnvollem Zusamenhang mit Euren Inhalten steht. Denn dann und nur dann ist die Werbung interessant für Eure ganz persönlichen Leser -> was langfristig zu mehr clicks und somit zu mehr Umsatz führt.

    Ach und noch was, macht euren addblocker aus wenn Ihr andere Blogs lest, denn mit addblocker keine Werbeeinnahmen. -> wieder ein Problem durch die Community verursacht.

    Ein weiteres Problem ist, dass ihr von einander abschreibt.
    Das ist erst Mal nicht so schlimm denn so wird die Info verbreitet.
    Ein Problem ist es aber dann, wenn einem Blog die einzigartigen Inhalte fehlen, also der USP, das Alleinstellungsmerkmal.
    Viele Blogs sind eben äkquivalent zu einander. Es kann keine 50 Super wichtigen Politblogs geben, wenn alle die selben Mitteilungen und Meinungen vertreten. Da kristalliesieren sich dann schnell ein paar heraus und der Rest verschwindet in der Bedeutungslosigkeit.

    Das hier ist keines Falls als Bloggerbashing zu betrachten, aber ein paar offankundige Mängel an den Blogs, der Szene und der Community sind einfach nicht schön zu reden und müssen sich ändern, wenn Blogs weiterhin wachsen, sich refinanzieren und an Relevanz gewinnen möchten. -> Blogger in der Masse haben immerhin eine Relevanz aber die meisten Blogger für sich allein genommen haben keine.

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