Interview: Was tun bei unfairen E-Book-Bewertungen?

Screenshot von Amazons Bewertungen für E-BooksRezensionen und Bewertungen sind beim Selfpublishing ein heikles Thema. Sie sind wichtig, werden manchmal aber auch missbraucht – etwa ganz bewusst von Konkurrenten oder unbewusst von Lesern, die zum Beispiel den Inhalt eines Krimiromans vorwegnehmen. Mit „Selfpublishing-Papst“ Matthias Matting habe ich über negative und unfaire Bewertungen gesprochen.

Jedem sein Geschmack. Wenn einem Leser mein E-Book nicht gefällt, er meinen Sprachstil nicht mag oder gar grobe Fehler entdeckt, ist es sein gutes Recht, mir das mitzuteilen. Ob das per E-Mail, Social Media oder als Rezension passiert, ist mir eigentlich egal, da ich auf jede Kritik reagiere – egal, wo ich sie zu lesen bekomme.

Rezensionen bei Amazon und in den anderen Stores sind für Selfpublisher aber besonders wichtig. Schließlich wirken sie sich a) auf das Ranking und damit die Sichtbarkeit aus, geben b) potenziellen Käufern im besten Falle eine Kaufempfehlung und steigern c) meist das Vertrauen in das E-Book.

Es kommt aber hin und wieder vor, dass Nutzer – vielleicht meist sogar unbeabsichtigt – unfaire Rezensionen verfassen und mit negativen „Sterne-Bewertungen“ den Durchschnitt nach unten ziehen. Jüngst ist das so bei meinem E-Book „Verschlüsselt!“ geschehen. Wider der Erwartung, dass es etwas bringen würde, habe ich die Rezension bei Amazon als „Missbrauch“ gemeldet – wenige Stunden später war sie restlos entfernt.

Selfpublishing-Papst Matthias MattingDaraufhin habe ich mich mit „Selfpublishing-Papst“ Matthias Matting unterhalten, der mit seinen vielen E-Books regelmäßig die Bestseller-Listen stürmt und als einer der erfolgreichsten deutschen Selfpublisher gilt. Auf seinem Blog Selfpublisherbibel.de gibt er hilfreiche Tipps zum verlagsfreien Veröffentlichen. Im Kurz-Interview spricht er mit mir über unfaire Bewertungen bei Amazon, was man dagegen tun kann und wie man sich bei Kritik am besten verhalten sollte.

Matthias, muss man sich alles gefallen lassen bei unfairen Bewertungen?

„Gefallen lassen“ ist vielleicht der falsche Begriff – der Leser hat grundsätzlich immer recht. Aber es gibt doch immer wieder Fälle, in denen eine Leserbewertung extrem unfair ausfällt. In diesem Fall kann man direkt auf der Seite „Missbrauch melden“ anklicken.

Bei mir hat genau das funktioniert. Was bringt es deiner Erfahrung nach?

In vielleicht einem von zehn Fällen ist die Bewertung irgendwann plötzlich verschwunden. Eine darüber hinaus gehende Rückmeldung gibt es nicht. Dadurch weiß der Autor natürlich auch nie mit Sicherheit, ob sich nicht vielleicht doch der Rezensent eines Besseres besonnen hat.

Was sind die Bedingungen für eine Löschung der Rezension?

Wenn eine Rezension gegen die Amazon-Bedingungen verstößt, erreicht man die Löschung eher. Dazu gehören zum Beispiel werbliche Inhalte oder Obszönitäten. Ansonsten hält Amazon allerdings die Freiheit der Rezensenten sehr hoch. Kollegen passiert es beispielsweise regelmäßig, dass in Rezensionen die Handlung verraten wird – das schadet etwa Krimiautoren sehr, wird aber von Amazon toleriert. Auch heftige Kritik an Text und Autor ist erlaubt, solange sie nicht mit Schimpfworten arbeitet. Es scheint aber grundsätzlich auch von der Laune der Support-Mitarbeiter abzuhängen – deshalb ist es zum Teil Usus, eben im Abstand mehrerer Tage den Missbrauch zu melden.

Du beschäftigst dich viel mit Chartplatzierungen und Rankings. Wie wirken sich Bewertungen und Rezensionen im Allgemeinen auf das Ranking aus?

Es gibt zwei magische Grenzen. Titel mit weniger als zehn Bewertungen sehen die Käufer skeptischer als andere. Und wenn die mittlere Bewertung unter 3,8 fällt (Amazon zeigt dann nur noch 3,5 Sterne), schadet das dem Verkauf eines Buchs normalerweise definitiv. Der Mittelwert über die Top 1.000 liegt übrigens bei 4,4 von 5 Sternen.

Das bedeutet, bei wenigen Bewertungen würde eine negative Bewertung (wie die bei mir) den Durchschnitt und damit die Verkäufe stark beeinflussen?

Ja und nein. Ein Buch, das nur 5-Sterne-Rezensionen erhalten hat, gerät schnell in schlechten Ruf – waren das vielleicht Gefälligkeiten von Freunden und Verwandten? Da stellt ein Verriss geradezu die Glaubwürdigkeit wieder her. In deinem speziellen Fall, wo die Qualität gar nicht angezweifelt wurde, hätte sich die schlechte Rezension sogar positiv auswirken können. Ja, die Käufer-Psychologie schlägt manchmal seltsame Haken. Aber wenn ein Titel gleich mit schlechten Rezensionen startet, hat er es natürlich in Zukunft schwerer.

Zum Schluss vielleicht noch ein paar Tipps für die richtige Reaktion auf Kritik vom Experten?

Ich würde immer versuchen, positiv und konstruktiv auf eine kritische Rezension einzugehen. Wenn es nicht gerade ein Troll ist (die gibt es überall): Da hat sich ein Mensch ja richtig Arbeit gemacht, sich mit meinem Buch auseinanderzusetzen. Wie kann ich den (als Autor) glücklich machen? Wenn sich da einer z.B. eine Druckversion wünscht, könnte ich ihm ein PDF anbieten und auf Wunsch auch noch ausdrucken. Wenn es auf diese Weise gelingt, den Leser umzustimmen, hat man oft einen Fan fürs Leben gefunden.

Matthias, vielen Dank!


Verschlüsselt!“ kann man hier günstig herunterladen:
» Amazon » iBookstore » XinXii » Weltbild » Thalia » Hugendubel

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

2 Gedanken zu „Interview: Was tun bei unfairen E-Book-Bewertungen?“

  1. Was mir noch unklar ist, was heißt „unfaire Rezension“ ganz konkret? Als Rezensent habe ich in meiner Besprechung immer Punkte, die eher faktenmäßig kontrollierbar sind: Rechtschreibung, Grammatik, Figurenentwicklung, Plotbrüche etc. Natürlich ist und bleibt eine Rezension darüber hinaus eine Meinung des Rezensenten. Deswegen meine Frage an Autoren, unter welchen Bedingungen sie eine Besprechung als unfair ansehen.

    1. Hallo Wenke, also in meinem Fall hat beispielsweise der Rezensent kritisiert, dass es das E-Book nicht auch gedruckt gebe – und mir dafür einen Stern gegeben. Und das, obwohl es diverse Kontaktmöglichkeiten gibt, um mit mir darüber zu sprechen. Das habe ich als unfair erachtet, weil mein E-Book, das er ja damit bewertet, dafür nichts kann (kenne auch andere Kollegen, die ähnliches regelmäßig erleben). Andere Dinge sind etwa, wie Matthias Matting im Gespräch auch sagte, wenn Handlungen in Krimiromanen vorweggenommen werden. Ist natürlich nicht sonderlich förderlich für die Verkäufe – wird aber anders als bei meinem Fall eher nicht von Amazon gelöscht. Liebe Grüße, Tobias

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