„RP Online“ hat das Rätsel gelöst: So wird der Journalismus im Netz finanziert!

RP Online kombiniert Werbung mit Werbung

Werbung und Journalismus, das ist immer so eine Sache. Der Journalismus ist meistens von ihr abhängig, die Werbung genießt die Umgebung mit – manchmal – qualitativ hochwertigen Content. „RP Online“ hat sich aber ein ganz neues Geschäftsmodell ausgedacht. Fernab von Paywall, Flattr oder Crowdfunding. Warum Inhalte mit Werbung ausstrahlen, wenn man auch gleich Werbung mit Werbung verbinden kann?

Ich besuche „RP Online“ nicht wirklich häufig. Ich weiß aber, zum Beispiel durch Kollege Stefan Niggemeier, dass dort gerne und viel mit Werbung, naja, nennen wir es mal „experimentiert“ wird. Als ich jüngst auf Themensuche für unseren täglichen Smart Home Report war, einem Newsletter über Smart Home und vernetzt Technik, kam ich um einen Klick auf „RP Online“ nicht herum.

RP Online kombiniert Werbung mit Werbung
Clever: „RP Online“ kombiniert Werbung mit Werbung | Bild: Screenshot

Doch statt einen Text über „Funkschalter und Funkempfänger“ zu lesen, sah ich VW-, Aldi- und Hemden-Werbung, die dann aber von einem fahrenden Auto-Duo inklusive Banner und Stadtpanorama überdeckt wurde.

Dafür gab es dann per Newsletter am nächsten Tag auch prompt die Quittung. Ich habe lange überlegt, ob ich es überhaupt verlinken soll, mich dann aber doch dafür entschieden – eben mit ensprechendem Hinweis.

„RP Online“ hat darauf dann reagiert und sich für den Hinweis bedankt. Nachdem man ankündigte, entsprechende Kampagne abzuschalten, gab ich mich zufrieden.

Ob das wirklich passiert ist – keine Ahnung. Aber heute machte ein ganz ähnlicher Tweet von Jonas Jansen die Runde:

Und nun bitte ich euch, nicht mehr ständig wegen der Finanzierung des Journalismus zu jammern. „RP Online“ zeigt ziemlich deutlich, wie das funktionieren kann: Konsequentes Leservergraulen, maximale Ausschlachtung der Werbeplätze, minimale Aufmerksamkeit für die eigenen Inhalte. Da braucht’s keine Crowd und auch keine Paywalls. Bravo!

P.S.: Wenn Werbung nicht mehr von Werbung zu unterscheiden ist, wie nennt sich das dann? Native Advertising Advertising? Oder geht das schon in Richtung „Inception“?

Update I: Oliver @Prawit Horst, Geschäftsführer der RP Digital GmbH, hat sich per Twitter gemeldet und angekündigt, dass ein Umbau bevor stehe. Die Diskussion hier.

Update II: Tim Bäcker geht es ähnlich wie mir:

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

12 Gedanken zu „„RP Online“ hat das Rätsel gelöst: So wird der Journalismus im Netz finanziert!“

      1. Beim Adblocking geht’s nicht um die „gute“ Werbung, die den Journalismus finanziert.

        – Es geht um Security. Oft werden Trojaner über Werbebanner verbreitet.
        – Es geht um Privatsphäre. Keiner trackt so viel wie die Werbebranche. Und die Werbebranche ist ein manipulierendes Gewerbe, das man mit Skrupeln nicht ausüben kann. Wenn die an die Daten will, macht sie halt Browser-Fingerprinting. Wer soll’s denn nachweisen? Und dann verfolgt sie einen nicht nur pro Website, sondern über alle Websites hinweg.
        – Es geht um Performance. Ein leistungsschwaches Netbook ist ohne Adblocker nicht benutzbar. Performance ist für die Werbetreibenden kein Kriterium.
        – Es geht um Gesundheit. Würde sich die Werbung auf statische Bilder am Rand oder meinetwegen auch mitten im Text beschränken, wäre das ja alles kein Problem. Das Blinken und Piepsen ist aber purer Stress. Wenn dann auch noch der Button, den man für den Schließen-Button des Overlays hält, gerade ein neues Fenster öffnet, geht gelegentlich schon mal der Blutdruck nach oben.

        1. Wenn Sie sich ständig auf Porno- und illegalen Downloadportalen aufhalten, ist der Adblocker sicherlich angebracht.
          Auf seriösen Seiten allerdings gibt es praktisch keine Werbung mit Auto-Sound, die kb-Zahl ist initial auf 50kb beschränkt und Trojaner schon gleich gar nicht verbreitet.

    1. Deswegen habe ich auch so einen Blocker. Wenn ich was aufrufe will ich den Artikel auch lesen können. Wenn die Werbemacher das nicht verstehen, Pech gehabt. Und zwar auch, wenn es für einen Betreiber evt unrentabel wird zu veröffentlichen. Wer sich ärgert und nicht einen Werbeblocker einsetzen will, bleibt ja auch fort.

  1. Endlich sagst mal jemand; danke dafür. Es wird immer schlimmer bei der RP und was meines Erachtens noch viel mehr wiegt ist der Umstand das dort auch inzwischen das Niveau der Nachrichten die Bild schon fast übertrifft. By the way, anscheinend werden dort auch kritische Leserkommentare gelöscht, ich meine entsprechende postings gelesen zu haben. Ich besuche diese Seite schon lange nicht mehr.

  2. auf nw-news.de turnt einem plötzlich von rechts ein turnschuh über den text, schließen kann man die anzeige erst nach fast zehn sekunden und hat manchmal noch das pech, dass der button plötzlich von einem weiteren teil der anzeige (erscheint plötzlich) überdeckt wurde und man stattdessen die beworbene seite öffnet.

  3. Deswegen ist Google, Lieblingsfeind der Verlage, mit Werbung so erfolgreich. Der Leser soll durch die Werbung nicht belästigt werden. Publisher, die das ignorieren, fliegen raus. Vielleicht sollten Verlage Google als Anregung nehmen, wie man im Internet Leser begeistert.

  4. Tja, ob da Print nicht doch im Vorteil ist? Das bimmelt und blinkt nie und die Anzeige bleibt immer, wo sie ist und wird dort auch gesehen und nicht geblockt oder weggeklickt…

  5. Bin hier gelandet, weil ich mich so über rpo ärgere, da die Werbung immer agressiver wird. Leider ist die Nachrichtenaufbereitung für den (linken) Niederrhein immer noch sehr gut. Mit 1, 2, 3 Blicken weiß man, ob was Wichtiges passiert ist.
    Und die Mischung aus Boulevard und Nachrichten ist auch OK.
    Aber ich suche jetzt verstärkt nach einer Alternative.

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