Lieber Journalismus, wir müssen reden: Das Verhalten der Medien im Fall Schumacher

Tagesthemen

Michael Schumachers Skiunfall ist zweifelsfrei tragisch. Er ist eine deutsche Sportlegende, für viele Fans ein Vorbild oder ein Held. Dementsprechend groß ist auch das öffentliche Interesse an seinem Sturz, bei dem er sich am Kopf verletzt hat und nun im künstlichen Koma in einem französischen Krankenhaus liegt. Doch rechtfertigt dieses große Interesse, dass wir all unsere journalistischen Grundsätze über Bord werfen? Dass wir wie ein Haufen aufgeschreckter Hühner durch den digitalen und multimedialen Stall hüpfen und wie wild geworden herumgackern? Dass wir die Relevanz eines Unfalls vor die eines Terroranschlags stellen?

Lieber Journalismus, wir müssen reden. Jeder Journalist kennt das: Irgendwo auf der Welt passiert etwas und der Chefredakteur oder Ressortleiter sagt, man müsse dazu nun unbedingt, dringend, sofort und besser vorgestern auch etwas auf der Seite haben. Nun sitzt man dort, inmitten einer überschaubaren Quellenlage, ohne Ansatzpunkte, vielleicht mit einer halbgaren Agenturmeldung. Daraus versucht man dann, eine halbwegs brauchbare Nachricht zu schreiben, die die Leser sachlich, kurz und knackig informiert – und das am besten so, dass keiner merkt, wie wenig Stoff man eigentlich zur Verfügung hatte. Das per se ist schon traurig genug, aber leider gängiger Alltag in den (Online-)Redaktionen.

So wird es vorgestern auch einigen Kollegen der sonntaglichen Spätschicht gegangen sein. Eine franzöische Zeitung, „Le Dauphiné Libéré“, hat berichtet, dass Michael Schumacher nun doch in Lebensgefahr schwebe. Quellen nannte die Zeitung dabei keine, eine offizielle Stellungnahme ließ da auch noch auf sich warten. Kurz um: Es gab keine Quellen, die die Aussagen verifizieren konnten. Aber weil Online-Medien von Anzeigenkunden respektive Klicks abhängig sind und Schumachers Skiunfall Klicks in Zehntausender-Paketen brachte, mussten die armen Redakteure schnell teils wirre Meldungen über ein unbestätiges Gerücht raushauen. Warten, bis die versprochene Stellungnahme kommt, wollte offenbar kaum einer. Man will ja der Erste sein, Google und so.

Ich ärgere mich über ein solches Verhalten. Es ist scheinheilig, weil es dabei rein um Klickgeilheit geht. Würde Schumacher keinen interessieren, würde es keine Liveticker, Eilmeldungen und zig überarbeitete Artikel zu ein und demselben Thema geben. Selbiges gilt für etliche Bilder-Strecken, die mit Nicht-Informationen und Archiv-Bildern vollgestopft wurden. Es ist aber auch nicht sonderlich hilfreich beim Versuch, den Online-Journalismus endlich auf eigene Füße zu stellen. Ganz im Gegenteil: Ein so aufgeschrecktes Verhalten der Journalisten – und hier sind ausnahmsweise mal nicht nur die üblichen Boulevard-Verdächtigen, sondern auch „Süddeutsche“, „ZEIT ONLINE“ und „Frankfurter Rundschau“ gemeint – wirkt eher abstoßend und wenig seriös.

 

Besser wäre gewesen, man hätte ordentlich recherchiert, eine Stellungnahme abgewartet und dann unaufgeregt über die weiteren Entwicklungen berichtet. Über den Unfall an sich war ja längst geschrieben worden. Als ich das Thema etwas verstimmt auf Twitter ansprach, gab es eine sehr aufgeladene, aber dennoch wichtige Diskussion (hier nachzulesen) über Sinn und Unsinn der Meldungen, die sich vorschnell mit der Lebensgefahr beschäftigten, in der Schumacher schweben sollte. Nicht mehr zur konstruktiven Diskussion zähle ich dann die Einmischung von Ralph Stanger, stellvertretender Redaktionsleiter „BILD“ Saarland. Erwähnen möchte ich sie hier trotzdem, weil sie mich gleich auf die nächste Fragestellung bringt. Und nun bitte nicht wundern, das Gespräch lief – inklusive Einstieg – wirklich so ab.

Stanger: Person des Zeitgeschehens!
Gillen: Und das rechtfertigt jetzt was genau?!
Stanger: Nachricht und Bericht
Gillen: Das ist doch nicht Ihr ernst, oder? Quellen sind dann unwichtig?

Eine Antwort von Stanger darauf blieb aus. Ich bin noch unschlüssig, ob er die Diskussion einfach nicht richtig verfolgt hat und dadurch sein etwas wirrer Einwurf zustande kam oder ob man seinen Tweet einfach unter „BILD“ ablegen sollte. Jedenfalls sind wir bei „Person des Zeitgeschehens“ beim nächsten Punkt. Michael Schumacher hat sich aus dem Formel 1-Zirkus zurückgezogen, ist bis auf das ein oder andere Benefiz-Fussballspiel nicht mehr sonderlich auffällig medial aufgetreten. Sein Unfall ereignete sich zudem bei der Ausübung seines Hobbys in einem privaten Urlaub. Ist er also noch so sehr eine Person des öffentlichen Lebens, dass sich eine solch hysterische Berichterstattung rechtfertigen lässt? Die Meinungen gehen dabei auseinander, ich weiß. Und zugegeben: Ich bin auch noch nicht zu einer finalen Antwort gekommen. Aber die Frage muss erlaubt sein und sollte vor einer derart groß angelegten Berichterstattung zwingend gestellt werden. Problematisch wird es nämlich dann, wenn sich ein solches Verhalten, eine solche Berichterstattung, standardisiert – und das hat sie zweifelsfrei. Denn genau dann kommt es zu einer Situation wie mit Herrn Stanger: Stellt jemand mal eine Frage nach dem Sinn und Zweck dieser Berichterstattung, fehlen uns plötzlich die Antworten. „Person des Zeitgeschehens!“ ist da zu wenig.

Das alles gilt übrigens nicht nur für die Online- und Print-Kollegen. Sondern auch für die Damen und Herren der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Während in Russland eine Bombe nach der anderen hochgeht, ist der Aufmacher der gestrigen „Tagestehemen“ (nach zweimaligem Eilmeldungs-Laufband während „Iron Man 2“) natürlich Schumacher. Und weil die fleißige ARD-Frankreich-Korrespondentin genauso wenig Informationen hatte wie der Rest der Welt, wurde natürlich noch über die vielen Genesungswünsche auf Twitter gesprochen, die nun wirklich der Gipfel der Irrelevanz sind. Am Ende der „Tagesthemen“ befand Thomas Roth dann noch wichtig zu erwähnen, dass es in der Zwischenzeit keine neuen Informationen von Schmumacher gibt. Die Kollegen der „Tagesschau“ halten aber weiter auf dem Laufenden, klar.

Doch das alles ist noch nichts gegen einen „WELT“-Artikel von Sportchef Stefan Frommann. Der nämlich war faktentechnisch genauso schlecht ausgestattet wie die ARD-Korrespondentin. Macht aber nichts, weil wo nichts ist, kann man ja munter was herbeifantasieren, Franz-Josef Wagner lässt grüßen:

Natürlich kann es einfach ein dummer Unfall gewesen sein. Wahrscheinlicher aber ist etwas anderes. Ich stelle mir vor, wie Michael Schumacher und sein 14-jähriger Sohn Mick in den französischen Alpen durch den Tiefschnee wedeln. Der Sohn fährt exzellent Ski, vielleicht sogar schon besser als der Vater. Sie kennen die Pisten, denn sie fahren im Winter regelmäßig hier.
Also heizen sie abseits der Strecken. Als Erwachsener liegt es an Michael Schumacher, die Kontrolle zu behalten, über sich, über seinen Sohn, über die gesamte Situation. Doch in der Euphorie, das kennen wir alle, macht der Mensch Sachen, die er sich sonst nie vorstellen könnte.

[…]

Ich bin in diesen Stunden in Gedanken bei Corinna, seiner Frau, die mit den beiden Kindern an seinem Bett weint. Gezittert hat sie um ihn schon ihr halbes Leben. Jetzt lebt sie scheinbar im Paradies, gebettet in Millionen, die ihr niemals über den Schmerz und die Ohnmacht dieser Nacht helfen können. Wieder einmal betet sie um sein Leben.

Dem bedarf es eigentlich keiner Worte. Ich wüsste auch gar nicht genau, was ich dazu schreiben sollte.

Lieber Journalismus, mach ruhig so weiter. Aber dann beklag dich bitte nicht ständig darüber, dir ginge es schlecht. Mit solch einem Verhalten von Boulevard-, Qualitäts-, Online-, Fernseh-, Privat- und öffentlich-rechtlichen Medien gleichermaßen ist das nämlich kein Wunder.

Ein guter Vorsatz für 2014? Einfach mal durchatmen.

Ekki Kern über PR-trächtige Genesungswünsche per Twitter an Michael Schumacher
Udo Stiehl über Spekulation vs. Fakten im Fall Schumacher

Autor: Tobias Gillen

ist Medien- und Technik-Journalist aus Köln. Bei seiner Arbeit schreibt er auf Papier und ins Netz über alte, neue und soziale Medien. Er ist Autor des Buchs "Spurlos & Verschlüsselt!" und Chefredakteur von BASIC thinking.

42 Gedanken zu „Lieber Journalismus, wir müssen reden: Das Verhalten der Medien im Fall Schumacher“

  1. HAHAHAHA!

    YOU JUST DID THE SAME!
    (Es gibt da ne Glechung fuer, mit der man ausrechnen kann, dass Tragoedien im naeheren Umfeld einfach mehr Sonderberichterstattung nach sich zieht, auch wenn es ‚gefaehrlichere‘ Dinge zu berichten gab.

    Ein Beispiel: Die Jhd Flut.

    90 std Berichterstattung, keine (?) Toter.
    300 Inder sterben in zusammbrechender Textilfabrik..

    Hoert doch auf Sensationsgeile Aktionnews zu gucken und das regelt sich von alleine.)

    1. Interessant geschrieben, die Frage ist dennoch, ob da nicht ein bisschen Scheinheiligheit dabei ist. Die Frage ist: wieviel Interesse oder Mitgefühl für Tote und Verletzte in Wolgograd ist wirklich da? Genügend, um darüber seriös zu berichten? Mich persönlich macht ein schwer verletzter Schumacher nicht weniger betroffen als ein schwer Verletzter in Wolgograd – immerhin könnten Kinder ihren Vater verlieren und natürlich ist ein derart bekanntes Gesicht zumindest für Deutsche erstmal „wichtiger“ als unbekannte, anonyme Menschen anderswo. Ich gebe zu, auch ich lese in den Nachrichten, ob es Neuigkeiten von Schumacher gibt… und blättere erst dann weiter nach Wolgograd.
      Solche Kommentare wie der von Malik halte ich für Heuchelei und ich bezweifle, daß ihm die Menschen in Bangladesh wirklich so am Herzen liegen.

      Vielen Dank für Ihre Sichtweise, Silvia

    2. Genau!

      Was ist Schumacher? Ein weiterer Skifahrer neben den Pisten, der zu schnell unterwegs ist. Nicht mehr und nicht weniger. In der Schweiz gibt es pro Tag 1000 Ski-Unfälle, immer auch wieder ein paar ganz schwer Verletzte und Tote. So what. Jeder Artikel darüber ist einer zuviel. Schumi ist einzig relevant für die Statistik im Sinne, „wieder einer mehr“.

  2. Hallo Tobias, auch ich habe die Berichterstattung mit Erschrecken verfolgt. Ich verstehe, dass man über den Unfall an sich berichtet, denn die Definition des Begriffs „Person des Zeitgeschehens“ orientiert sich, meines Erachtens, nicht nur an der Gegenwart. Was ich allerdings vollkommen unzumutbar finde, ist die Tatsache, dass die Medien das Verhalten desjenigen unterstützen, der den Unfall mit seinem Handy gefilmt hat, anstatt zu helfen. Denn hier existiert nicht ein einziger Nachrichtenwert. Niemand muss, um den Sachverhalt nachvollziehen zu können, dieses Video sehen. Es handelt sich dabei um pure Pietätlosigkeit.

    LG
    Stephanie Kraus

    1. Hallo Stefanie,
      danke für Deine Ausführung,ich dachte ich wäre im falschen Film, als ich das Video sah…
      …was es für Menschen gibt!!!!

  3. Spätestens, als heute ein Film bei der ARD zwei Mal mit der Eilmeldung-Banderole mit der Mitteilung, Schumachers Zustand habe sich leicht gebessert, unterlegt wurde, habe auch ich begonnen, ernsthaft an den Medien zu zweifeln.

  4. Das richtig schlimme, das mir als Nicht-Journalist aber informierte Person dabei als erstes auffällt, ist, dass es durch diese übertriebene mediale Berichterstattung ja auch jede Menge Verlierer gibt.

    Natürlich, in der täglichen Nachrichtenlage konkurrieren immer unterschiedlichste gesellschaftliche Bereiche, immer unterschiedlichste Themen und Meldungen miteinander um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Hier gibt es keine Fairness.

    Es ist aber zunehmend auffällig, dass sich Medien in Fällen wie diesen dazu verleiten lassen, Aufmerksamkeit über das vernünftige Maß hinaus auf Themen zu lenken, die durchaus mit knapperer und sparsamerer Berichterstattung hätten auskommen können, viele andere, ebenso wichtige oder meist wichtigere Themen wegen anderer Popularität oder Komplexität dabei hinten runter fallen.

    Je öfter das passiert, desto öfter entsteht ein Schaden an der Gesamtinformiertheit der Gesellschaft und ihrer Fähigkeit, an komplexen demokratischen Verfahren fundiert teilzuhaben. Ich möchte jetzt nicht das eine Thema gegen das andere ausspielen und mein Entsetzen darüber, wie wenig die neuen NSA-Enthüllungen des Spiegels diskutiert werden, mag jetzt auch nur meine Position repräsentieren. Das ändert aber nichts an meiner Meinung, dass mit jeder Aufmerksamkeit, die von Journalistinnen und Journalisten zu VIEL auf ein Thema wie dieses gelenkt wird, sie ihre gesellschaftliche Aufgabe in anderen Bereichen unverantwortlich vernachlässigen.

    (Messt mich gerne daran, wenn ich mich nicht darüber beschwere, dass zu wenig über Persönlichkeiten aus dem Sport berichtet wird ;) )

  5. Im Grunde bin ich d’accord. Aber auf die Online-Medien und die Sendeanstalten hetzen kann jeder, Problemlösungen sind überall leider Mangelware. „Durchatmen“ reicht nicht. Natürlich haben Schumachers Familie, Freunde und Bekannte nichts in der Berichterstattung zu suchen, sofern sie nicht relevante Neuigkeiten mit sich bringen, jedoch sind die Medien schon recht früh auf Grund gelaufen und müssen mit solchen Geschichten aufwarten, um die Leser- und Zuschauerschaft zu befriedigen. Denn, let’s face it, wer wenig berichtet, der macht weniger Geld. Bei solch einer Meldung kann sich keine Website erlauben, nicht stündlich mit „News“ zu kommen, denn die Gefahr besteht, dass Leser abwandern, weil eine andere Website mehr zu bieten hat. Selbst seriöse Medien wie die Zeit, Spiegel etc. haben die Tragweite dieses Unfalls verstanden und wollen nicht auf die Zehntausenden von Klicks verzichten, obwohl sie ihre feste Stammleserschaft haben, egal was passiert.

    Aber Schumacher ist eben doch Zeitgeschichte. Er war mein Kindheitsidol und für ihn bin ich früher extra aufgestanden, um ihn fahren zu sehen. Und so geht es wahrscheinlich Millionen von Menschen hier in Deutschland und Europa. Man bezieht Schumis Schicksal auf sein eigenes Leben, da der Kerpener Teil eben jenes war/ist. Und dagegen kann ein Selbstmordanschlag tausende Kilometer entfernt nicht ankommen. Objektiv gesehen ist es natürlich moralisch verwerflich, subjektiv jedoch vollkommen verständlich. Und deshalb kann man der Tagesschau oder den Tagesthemen auch keinen Vorwurf machen, denn sie reagieren nur auf die Nachfrage. Und eine öffentlich-rechtliche Nachrichtenanstalt hat dies zu tun. Denn Unfalls Schumacher nicht an erster Stelle zu setzen, wäre ein großes Missachten und letztlich eine Manipulation der Zuschauer. Und das wiederum darf eine öffentlich-rechtliche Nachrichtenanstalt eben nicht.

  6. Ich denke nicht, dass es darum geht einem Terroranschlag weniger Bedeutung zuzuschreiben, sondern einfach nur darum die Anteilnahme zu bekunden und die Neugier der Mehrheit zu befriedigen, ob und wann es dem Schumi endlich besser geht. Schumi ist eine Persönlichkeit die viele Leute kennen und dementsprechend ist das Medienecho auch weit größer als Wolgograd zu dem die meisten keinen persönlichen Bezug haben.

  7. Ich möchte nicht bestreiten, dass die Medien – besonders die Onlinemedien – nicht sonderlich an Quellen, sondern eher an der Sensation und an Lesern interessiert sind. Aber: jeden Tag explodiert irgendwo auf der Welt eine Bombe; das ist tragisch, traurig und manchmal auch besorgniserregend. Aber: Michael Schumacher war und ist ein Idol für unzählige Deutsche und viele beten und hoffen für ihn und seine Familie, dass er überlebt und wieder gesund wird. Nachrichten über seinen Gesundheitszustand interessieren mich und viele andere mehr als der fünfzigste Bombenanschlag des Jahres.

  8. Danke…
    Der Fall Schumacher ist allerdings ziemlich ausgewöhnlich. Zu vergleichen wohl nur mit Lady Di.
    Schlimmer noch (zumindest für Hamburg und Umgebung) ist die mediale Hofberichterstattung um jeden kleinen Pups der Van der Vaarts und der Ex-Königin Sylvie.

  9. Wer guten und fundierten Journalismus will, kauft sich eine gute Wochenzeitung oder ein Magazin. Wer schnell und ungefiltert informiert werden will, liest Onlinemedien. Ich finde es nicht schlimm, dass es beides gibt.

  10. Fairerweise muss ich zugeben, dass ich das Verhalten der Medien nicht richtig beurteilen kann: Ich bin gerade in Österreich im Skiurlaub und habe hier keine Minute Fernsehen gesehen, kein Radio gehört und auch keine Zeitung gelesen. Und mangels funktionierendem WLAN und Scheu vor Roamingbankrott war ich auch nur wenig online. Aber ich finde es trotzdem verkehrt, den Medien Hysterie im Fall Schuhmacher zu unterstellen. Denn auch hier im Skigebiet – ohne Mediennutzung – ist der Unfall von Michael Schumacher bei den Menschen DAS beherrschende Thema.
    An jedem Lift und an fast jedem Tisch wird darüber gesprochen. Und alle wollen wissen, ob es schon etwas Neues gibt. Die Anteilnahme ist einfach gigantisch.
    Und das liegt meiner Meinung nicht daran, dass Michael Schuhmacher eine Person der Zeitgeschichte war oder ist (wie im Artikel unterstellt). Bei aller Kritik an seiner Person hat er sich einfach mit seinen Erfolgen und auch mit seinem Leid in die Herzen vieler Menschen, nicht nur in Deutschland, gefahren. Und deshalb fühlt man – und insbesondere ich – persönliche Betroffenheit. Man ist fassungslos und wünscht sich einfach händeringend gute Nachrichten. Und auch wenn der WELT-Redakteur über die entscheidenden Minuten fabuliert – er trifft genau die Tonlage, die auch hier im Skigebiet viele anschlagen. Denn auch hier sind viele Eltern mit Kindern unterwegs. Und bei aller Anteilnahme fragen sich auch hier die Menschen, wie ein Vater mit seinem 14-jährigen Sohn in felsigem Gelände abseits der Pisten fahren kann. Man stelle sich vor, Mick wäre verunglückt. Auch ein Horror-Szenario – und nicht weniger dramatisch.
    Ich bin mit meinen Gedanken bei Michael und wünsche ihm von Herzen gute Besserung. Erst ein Idol meiner Jungend, ich habe viele Sonntagnachmittage mitfiebernd vor dem Fernseher verbracht. Halte durch! Und die grundsätzliche Kritik an den Medien teile ich ausdrücklich NICHT.

  11. „Würde Schumacher keinen interessieren, würde es keine Liveticker, Eilmeldungen und zig überarbeitete Artikel zu ein und demselben Thema geben.“

    Damit beantwortest du doch schon nahezu alle deiner Fragen.
    Die Nachrichtenwertheorien lassen sich hier ziemlich gut anlegen und werden bestätigt. Dabei müssen wir Journalisten aber natürlich immer unseren Anteil beachten. Wir laden einen Fakt durch unseren Hype erst zur Mega-Nachricht auf. Konstruktivismus und so.
    …und zu dem eigentlichen Nachrichtenwert (der einem Ereignis nur bedingt innewohnt, sondern auch von Journalisten konstruiert wird) und seiner medialen Aufarbeitung gesellt sich seit einigen Jahren die Schnelligkeit.
    Die wird aber nicht vom Journalisten als Selbstzweck genutzt, sondern von der Technik (was ist möglich?) und den Rezipienten (wann will er/sie was haben?) bestimmt. Und den Konsumenten umzuerziehen, das wird nichts. Nie.

  12. Als Online-Redakteurin kann ich nur zu gut ein Lied davon singen, wie sehr die erwünschten Klickzahlen letztendlich den Content bestimmen. Und letzten Endes läuft alles auf eines hinaus: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Mein Mann und ich saßen gestern vor dem Fernseher und schauten die RTL Sondersendung (ja, Sondersendung!) zu Schumachers Unfall an. Ich fragte: wahnsinn, wieso machen die das? Die Antwort: weil’s die Leute anschauen.

    Auf twitter und in der Blogsphäre mögen sich viele darüber echauffieren – aber die repräsentieren eben nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Für den Rest war Schumis Unfall DAS Thema der letzten Tage.

  13. … und jetzt erdreistet sich auch noch einer aus Mangel an verwertbaren Informationen in sein Spitalzimmer einzudringen. Als Priester verkleidet! Bodenlose Frechheit! Wer kann sowas noch unterstützen?

    1. ..als ich das gehört habe, konnte ich soviel Frechheit kaum glauben.
      Irgendsowas wie Anstand gibts wohl nicht mehr?
      Den Unfall finde ich auch ganz furchtbar, aber es hat mich ganz ehrlich gestört dass in vielen Programmen die ganze Zeit ein Liveticker mit Infos dazu lief.
      Irgendwann reichts mal auch. Mein Mitgefühl gilt vor allem der Frau.
      Sie hat schon so viele Jahre um ihn gebangt, jetzt mehr denn je.
      Da helfen auch keine Millionen. Das hat man ja an dem holländischen Prinzen gesehen.
      Jetzt ist er einfach nur ein Mensch der um sein Leben kämpft.
      Und wir alle sollten die Privatsphäre der Familie respektieren. Ob Fan oder nicht.
      ..

  14. „Dem bedarf es eigentlich keiner Worte. Ich wüsste auch gar nicht genau, was ich dazu schreiben sollte.“ Dafür verwendest Du aber ne ganze Menge Text…
    just my 2 cents

  15. Ich bin immer wieder einigermaßen erstaunt, wenn die sogenannte freie Presse über die Entwicklung der eigenen Kultur berichtet. Wenn Mitglieder diese Presse darüber nachdenken wo Moral anfängt und Kommerz aufhört? Ist das nicht mehr als scheinheilig oder eher der eingeschlagenen Richtung geschuldet?

    Machen wir uns nichts vor und tun so, als ob es eine freie Presse mit freier Berichterstattung gäbe. Die ist schon lange tot und begraben.
    Die heutigen Medien sind abhängig von Werbung und Inserenten und genau so agieren sie auch.
    Der Presse und Medienhype um den letzten Orkan zeigte mehr als deutlich was Berichterstattung will! Der inszenierte und von der Presse bzw. Pressehörigen mit organisierte Femen Auftritt im Kölner Dom machte deutlich, worum es geht.
    Und letztendlich betrachtet machen diese Presse und Medien eigentlich alles richtig! Sie richten sich an den wirtschaftlichen Zwängen aus um zu überleben. Sie tragen die Botschaften der Banken und der Wirtschaft, sowie der Politik ins Volk!
    Ins Volk… und das ist der springende Punkt und nicht die Presse!

    Wir, das Volk klicken heute in der Mehrheit alles was nach Sensation riecht. Noch besser ist es, wenn man seinen eigenen Senf noch hinzufügen kann, meist anonym.
    Die Presse hat nichts anderes gemacht als auf diese Gaffer und Sensationsgier zu reagieren. Sie musste auch reagieren, sonst hätte das Internet sie zerstört…die Presse.

    Wir, das Volk sind letztendlich verantwortlich für das, was man uns heute vorsetzt. Allerdings, und das mit aller Deutlichkeit, wurden wir auch in den letzten 30 Jahren so geformt. Wir haben uns so formen lassen!!

    Also wundern wir uns dann bitte nicht, wenn manche Presseberichterstattung daherkommt wie ein übler Geruch eines Scheißhaufens den wir noch nicht sehen.
    Tragisch ist, dass ein Mensch wie Michael Schuhmacher dafür herhalten muss! Das hat er nicht verdient. Im Gegenteil… aber seriöse Berichterstattung ist die Vergangenheit!

  16. Jürn,
    ich teile deine Ansicht. Hier bestätigen sich einige der Theorien, die in der Fachliteratur nachzulesen sind. Offenbar fragen sich nur wenige nach den Reaktionen der Zuschauer und anderer Medien, hätte ein Medium Schumachers Unfall nicht als Hauptmeldung gebracht, sondern beispielsweise hinter dem Wolgograd-Attentat oder als Aufmacher im Sport.
    So oder so birgt der „Fall Schumacher“ genügend Stoff für Vorlesungen und Abschlussarbeiten in den Fächern Publizistik, Kommunikationswissenschaften und Journalistik.

    Tobias Gillen,
    danke für die Einordnung.
    Vorgestern erwähnte der Grenoble-Reporter der tagesschau während der 17-Uhr-Ausgabe gleich zweimal, dass Familie Schumacher die Medien um den Respekt der Privatsphäre gebeten hätten. Die Aussage des Reporters machte auf mich einen etwas hilflosen Eindruck im Sinne von „Ich würde ja gerne über etwas anderes berichten als über nichts, aber ich gehorche nur meinem Arbeitgeber/dem Bedürfnis der Zuschauer“.

  17. Sie sprechen mir aus der Seele. Fremdschämen sondersgleichen, da wurde eine unbestätigte Meldung so gestreckt und gequirlt und wieder und wieder in anderem Satzbau immer wieder wiederholt, dass man als Leser/Zuschauer schon fast das Gefühl hatte, die Journalisten freuen sich über den Vorfall. „Endlich“ was zu berichten, „endlich“ wieder das beliebte Wettrennen um Klicks und Zuschauer. Und auf Facebook und twitter – alle machen mit – Hurra. Jeder halbwegs ausgeschlafene Socialmedia Manager nutzte den hashtag #schumi um seinerseits mehr klicks auf seine Seiten zu bekommen. Man kann gar nicht soviel essen, wie man da kotzen möchte. Dann die üblichen Empörer und Alleswisser: „selber Schuld, abseits der Piste“ usw. Waren ja alle dabei, ist klar. Nein Danke. Die gleichen Journalisten und online-magazine übrigens, die von Sturm #xaver schon so enttäuscht waren, der wurde ja auch zur Tragödie hochgeunkt und war dann nur ein mittelkräftiges Lüftchen. Für 2014 wünsche ich mir wieder seriöse Berichterstattung.

  18. Eines vorweg: Natürlich wünsche ich Michael Schumacher, dass er sich von dem Unfall wieder erholt. Deiner Analyse der Berichterstattung kann ich allerdings nur zustimmen. Der Stellenwert, den dieses Ereignis einnimmt, ist absolut unangemessen. Gestern Abend in der Tagesschau (war doch eigentlich mal eine seriöse Sendung?) war Schumachers Unfall die erste Meldung. Angemessen wäre eine kurze Meldung am Ende der Sendung gewesen. Getoppt wurde das Ganze noch durch die Stellungnahme unseres Regierungssprechers Steffen Seibert. Hier sind ganz gewaltig die Maßstäbe verschoben.

  19. Journalismus verkommt zum Häppchen-Konsum des Boulevard!
    Wie wahrscheinlich alle Leser wünsche ich Michael Schumacher und seiner Familie alles erdenklich Gute. Aber ich teile die Auffassung des Kollegen: Ihr alle blast ein Nichts zu einer Meldung hoch, einer schreibt vom anderen das Nichts ab. Was soll das? Als gelernte Nachrichtenredakteurin ist mir erinnerlich, nach einer Stunde rutscht die Nachricht auf den nächsten Platz usw. usf. Inzwischen veröffentlichen „Journalisten“ Meldungen die keine sind im Halbstundentakt. Lasst doch einfach die Familie Schumacher in Frieden und geht doch mal der ureigensten Aufgabe der Medien nach – recherchiert. Wie sieht denn die Welt in Afrika, Asien, Australien, Europa und Lateinamerika aus? Alles reduziert auf allen Kanälen und in allen Blättern auf die paar Brocken Thailand, Süd-Sudan, Syrien, Lampedusa in HH usw. Was passiert eigentlich in Chile, Peru, Venezuela, in Tansania, Kenia, Gabun, Gambia, Kamerun, Vietnam, Kambodscha, und, und. . . Immer nur „Hilton-Perspektive“ ist mir in allen Medien einfach zu teuer, zu schlecht, zu wenig professionell, zu wenig engagiert… Wo sind die „Edelfedern“, die Reporter, die „brennen“, die Fotografen von Magnum? Reduziert auf Yellow und Twitter? Haben wir wirklich die Journalisten die wir „verdienen“?

  20. Danke! Gestern schrieb ich noch darüber, dass gewisse in meinen Augen barbarische Erscheinungen in den Sozialen Netzwerken (»Kondolenzseiten« für M. Schumacher, zum Erbrechen) ihr Vorbild im Journalismus haben – und heute lese ich, dass ich in dieser Wahrnehmung nicht allein bin.

    So lange page impressions wichtiger als Inhalte sind, so lange der Journalismus von der Reklame finanziert wird und deshalb kein Interesse an einer Verstandestätigkeit bei seinen Rezipienten haben kann, so lange wird das so bleiben. Es wird allerhöchste Zeit, dass »Journalist« ein Schimpfwort wird, mit der Bedeutung, hohe moralische Maßstäbe wie eine Monstranz vor sich herzutragen, während man in Wirklichkeit die höheren Geistesleistungen der Menschen und jede Ethik verachtet und für deutlich weniger als dreißig Silberlinge verhökert. Für mich. Ist es das schon längst.

  21. So viel Text für so ne ansich simple Sache. Mir ist der auch egal, aber viele interessierts halt. Daß es total übertrieben ist, ist auch klar. Und worauf es in so ner Redaktion ankommt, weiß ich leider auch zur Genüge. Statt so viel Text lieber einen anständig recherchierten Artikel, ja, das wäre besser gewesen. Außerdem kommst Du selbst ja auch nicht ohne einem Bild dazu aus. Bissle komisch… ;-) Gruß und ein gutes neues Jahr.

  22. Abgesehen vom Mediehype um Schumacher scheinen viele Leute zu verdrängen, dass bei allen Lebewesen auf diesem Planeten die Möglichkeit des Todes im Moment der Zeugung beginnt. Das ist zwar eine Plattitüde, aber bei solchen Vorfällen sollte man mal daran denken. Und an die vielen Namenlosen, die aufgrund von Unfällen auch Hirntraumata haben und die Angehörigen auch um ihr Leben bangen. Insofern sollte man sich mal Gedanken um die Einordnung von „Promis“ in unserer täglichen Berichterstattung Gedanken machen…

  23. Richtig geschrieben, ich unterstütze Deine Meinung voll und ganz. Wollte selber einen Blog-Eintrag dazu schreiben, dann sah ich diesen Post.
    So dramatisch die Situation um Michael Schumacher ist, und ja, ich habe auch viele seiner Rennen gesehen. Sicher ist er auch Vorbild für viele in Deutschland. Dennoch stelle ich mir die Fragen:
    – rechtfertigt das minutenlange Berichte in den Nachrichten an erster Position? Wie viele wichtige Nachrichten werden dafür in den Hintergrund gedrängt?
    – warum muss die Familie um die Respektierung der Privatsphäre bitten? Trotz allem öffentlichen Interesse ist das für mich eine Selbstverständlichkeit!
    – und schließlich: was unterscheidet einen Michael Schumacher von den vielen anderen Hobby-Skifahrern, die auch Unfälle hatten?
    Ich habe vor einiger Zeit einen Bericht gelesen, in dem – sicherlich reichlich sarkastisch – über die Berichterstattung in den Medien über große Unglücke nach Zeitfaktor und Land analysiert wurde; ausgedrückt in Toten pro Sendeminute. Beispiel: wie lange wird über einen vergleichsweise harmlosen Schneesturm in den USA berichtet im Vergleich zu schweren Naturkatsatrophen beispielsweise in Asien oder Afrika. Im Fall Schumacher darf man den Faktor Person / Berichtsminute gar nicht mehr vergleichen.

    Auch ich schließe mich dem Schluss-Statement an: macht nur weiter so – ich frage mich, wer diesen „Qualitätsjournalismus“ noch braucht.

  24. Die Relevanzdebatte erledigt sich recht schnell beim Blick auf etracker oder Analytics. Wenn du vorgestern Wolgograd und Schumi auf der Seite hattest, hatte Schumi schlichtweg hundertmal mehr Klicks. Also, warum sollte ein Newsportal am Bedarf vorbei schreiben? Realität meets Wunschdenken. So einfach ist das.

  25. danke für die Veröffentlichung des „WELT”-Artikels von Sportchef Stefan Frommann“ in dieser Sache; selten so was absolut grottenschlechtes gelesen; sogar ein Gratisposter auf HuffPo De würde einen besseren Bericht hinkriegen; Fremdschämfaktor 10 von 10 !

  26. Dein ganzer Blogbeitrag basiert auf der falschen Definition der Person der Zeitgeschichte und der berechtigten Empörung über den bizarren Welt-Artikel. Daraus machst Du „die Medien“ (Plural) und stellst jede Reaktion, die nicht Deiner Meinung entspricht, als „wirr“ dar – um eine Kategorie „Online-Journalismus“ zu erfinden, die Du interessengesteuert dadurch aufwerten möchtest, indem Du mit Negativargumenten hantierst, deren Begrifflichkeiten Du unrichtig einsetzt. Jeder Lektor hätte Dir diesen Beitrag um die Ohren gehauen – also mindestens außerhalb von „Frau im Spiegel“ oder „Die Aktuelle“. Dass Du interessengesteuert die (a)sozialen Medien weglässt, in denen „RIP-Seiten“ für Michael Schumacher um „Like“ buhlen, ist dann auch selbsterklärend. Unausgewogen. Tendenziös. Populistisch. Schade. PS: Nachtrag zur Wirkung der Anteilnahme der Bevölkerung an schweren Unfällen von Sport-Idolen: http://youtu.be/j82AsbIcdp Das waren auch Topmeldungen in der Hauptnachrichtensendung. Blendest Du das auch aus – weil Du offenbar soziokulturell bedingt anders denkst?

  27. Mit wem willst du reden? Es ist leider der allgemeine Trend – dem wir alle unterliegen (zwangsweise) um im Geschäft mit zu halten. Weil die Quote zählt, und sonst gar nix! Das Rad lässt sich auch nicht mehr zurück drehen – leider – denn der Anspruch ist im Tiefflug – und daran sind nicht NUR die Medien schuld!

  28. Eigentlich bringen mich einige der Kommentare dazu, auch etwas zu schreiben. In den Kommentaren erscheinen eben diese Halb-Wahrheiten, auf die sich der Autor dieses Artikels bezieht. Viel von dem, was in den Medien…und hier als Kommentar geschrieben wurde, stellte sich im Laufe der Zeit als falsch, oder nur teilweise richtig heraus. Ich stimme Herrn Gillen zu, wenn er von ‚wirr‘ und ‚die‘ redet; bzw. eine Verallgemeinerung trifft. Die Redaktionen stürzen sich inzwischen im Stile des Publikums des römischen Colosseums auf solche Meldungen. Statt sich mit seriösem Journalismus zu befassen, verhalten sich die meisten Redakteure, wie ein Rudel hungriger Wölfe! Ohne die Faktenlage zu kennen, wird bis zum bitteren Erbrechen über etwas berichtet…bzw. spekuliert….ohne zu Details zu kennen….und eben diese Detail gehen in dem speziellen ‚Fall Schuhmacher‘, mit Verlaub, kein Schwein was an! Das Verhalten der Pressevertreter ist nicht nur peinlich, sondern auch beschämend! Natürlich möchte auch ich über den Unfall informiert werden, aber das auf handwerklich vernünftige Art und Weise! Dem ein oder anderen studierten Journalisten sei es angeraten, sich über die Grundsätze und die ethischen Aspekte seines Berufs zu informieren!

  29. sensationen…politiker, schillernde stories und der sport haben alles eins gemeinsam…es ist bald einmal vergessen, ersetzt durch eine andere, neue, andere illusion, durch ’neue‘ bilder und neue uebersteigerte texte.
    …der ’normale‘ mensch braucht das wahrscheinlich um sich in seiner ‚wirklichkeit‘ zu definieren und zu recht zu finden.
    diese realitaet, die tagtaeglich in einer irrsinnig gewordenen, immer neue ereignisse suchenden zeit via journalismus die ‚anerzogenen‘ und ‚zivilisierten‘ triebe und sinn befriedigenden geschehen neu gebiert.
    einige zeitgenossen muessen sich wohl auch so auf diese art zurechtfinden, da der mangel an eigen-reflexion schon lange abtrainiert und abgestorben ist…es wird wohl auch so schnell nicht besser…

  30. Die Argumentation des ARD-Chefredakteur Kai Gniffke auf dem Blog der Tagesschau ist schlüssig. Für einen öffentliche-rechtlichen Sender macht es keinen Sinn, über B-Themen in einer nachrichtenarmen Zeit zu senden. Allerdings ist es in unserer Demokratie auch begrüßenswert, dass die gebildete Öffentlichkeit den Nachrichten- und Neuigkeitswert für sich kritisch anylisiert, gewichtet und wertet.
    Gehört aber der Sportler Michael Schumacher in eine „Kategorie populärer Persönlichkeiten, die eine umfangreiche Berichterstattung rechtfertigt, ohne die Tagesschau-Grundsätze aufgeben?“ Ja. Der siebenmaligen Formel1-Weltmeister ist Aushängeschild des deutschen Rennsports, indirekt des deutschen Autobaus und er ist deutscher Spitzensportler. Er nimmt dadurch eine indirekte politische Stellung ein. Für die Sicherheit im Rennsport hat er viel getan, besonders nach den tödlichen Unfällen von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna 1994 in Imola. Ihm gehört die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Christian Geng, Frühnachrichten

  31. stimme dir zu! meine meinung ist, dass ausgeglichene, objektive nachrichten essentiell für eine angemessene politische entscheidungsfähigkeit sind.
    diese sensationsnachrichten sind mit für die sog. volksverblödung verantwortlich weil sie nicht mehr wirklich informieren sondern auch nur zum entertainment gehören….
    nachrichten muss man heute mühsam aus dem internet suchen und filtern, was ich sehr belastend finde, da in meinen augen reporter und journalisten genau das tun sollten.
    ist nur meine meinung kann auch totaler unsinn sein. aber als kind fand ich nachrichten immer langweilig, heute rege ich mich über die zusammensetzung und den inhalt auf.
    frohs neus allen

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